Von Sven Böll
Hamburg - Erst die Airlines, jetzt die Industrie: Die Wirtschaftsverbände schlagen angesichts des deutschlandweiten Flugverbots immer lauter Alarm. "Wir haben den Eindruck, dass die Zeit vorbei ist, den Vulkanausbruch und seine Auswirkungen als abenteuerliches Naturereignis zu betrachten", sagte der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel. Und warnte: "Das Ereignis beginnt, einen negativen Einfluss auf die deutsche Volkswirtschaft zu haben." Immerhin ist der Luftraum über Deutschland seit Freitag fast durchgehend gesperrt.
Konkreter bezifferte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die ökonomischen Folgen. Der Chefvolkswirt des Verbands geht davon aus, dass der deutschen Wirtschaft ein Schaden von einer Milliarde Euro entsteht. Pro Tag.
Dass der Betrag so wunderbar rund ist, hat einen einfachen Grund: Er ist das Ergebnis einer ziemlich groben Schätzung. Und die geht so: Deutschland exportiert jährlich Waren im Wert von rund einer Billion Euro, also 1000 Milliarden Euro. Weil 35 bis 40 Prozent des globalen Handels über Luftfracht laufen, wären es in der deutschen Wirtschaft gut 350 Milliarden Euro pro Jahr. Macht bei 365 Tagen im Jahr rund eine Milliarde Euro pro Tag.
Bedenkt man, dass Deutschland täglich - ebenfalls grob gerechnet - ein Bruttoinlandsprodukt von rund sieben Milliarden Euro erwirtschaftet, wäre ein Schaden von einer Milliarde Euro pro Tag in der Tat gewaltig. Fast 15 Prozent der normalen Wirtschaftsleistung würden der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt durch das Flugverbot dann entgehen.
Siemens-Vorstände noch rechtzeitig in München gelandet
Aber die Theorie scheint schlimmer zu sein als die Praxis. Zumindest noch. Denn die meisten Konzerne - das zeigt eine SPIEGEL-ONLINE-Umfrage - neigen nicht zur Panikmache. Was wohl auch daran liegt, dass Unternehmen wie Siemens
, BMW
und BASF
oder Maschinenbauer auf der Schwäbischen Alb nicht so unmittelbar unter den Folgen des Flugverbots leiden wie die Airlines, die Betreiber von Flughäfen und die Touristikfirmen. Zumal für die meisten Unternehmen dieser Montag der erste Werktag war, nachdem für den gesamten deutschen Luftraum ein Flugverbot verhängt wurde.
Einige Folgen hat das Ereignis für die Wirtschaft dennoch. Grundsätzlich sind die Firmen auf doppelte Weise betroffen, beim Personal und bei der Produktion.
Was die Mitarbeiter angeht, so sind am Montag viele Beschäftigte nicht erschienen, die in der vergangenen Woche im Urlaub oder auf Geschäftsreise waren. Sie hängen jetzt auf Mallorca oder in Singapur fest. Ob es ein Mitarbeiter noch rechtzeitig nach Hause geschafft hat, war vor allem Glückssache. "Weil der Flughafen München erst am Freitagabend geschlossen wurde, sind unsere Vorstände noch rechtzeitig zurückgekommen", heißt es etwa in der Zentrale von Siemens. Wie viele Kollegen am Montag tatsächlich fehlten, kann der Dax-Konzern genausowenig beziffern wie die anderen befragten Firmen. Das Credo lautet jedoch fast überall: So ist das Leben.
"Noch gibt es keine Klagen"
Auch dass Dienstreisen derzeit nur eingeschränkt möglich sind, nehmen die meisten Unternehmen gelassen hin. "Es ist ja nicht so, dass die ganze Welt zusammengebrochen ist. Entweder die Mitarbeiter fahren mit dem Auto oder mit der Bahn zum Termin, oder sie telefonieren und nutzen Videokonferenzen", heißt es bei BASF, dem weltweit größten Chemiekonzern.
Weitaus größer ist der mögliche wirtschaftliche Schaden in der Produktion. Sei es, dass wichtige Vorprodukte nicht geliefert oder Waren nicht exportiert werden können. Dass es hierbei überhaupt zu Problemen kommen kann, hat mit der modernen Produktion zu tun. Diese erfolgt zumeist "Just in Time": Weil Lagerhaltung zu teuer ist, kommen die Teile von Zulieferern genau dann, wenn sie für die Weiterverarbeitung gebraucht werden.
Allerdings haben manche Firmen in der vergangenen Woche noch bis zuletzt die Chance genutzt, die weltweiten Lager aufzufüllen. Oder die Spielräume sind groß genug, um ein paar Tage ohne Luftfracht durchzustehen. "Noch gibt es keine Klagen", heißt es etwa beim Verband der Maschinen- und Anlagenbauer, der eine der wichtigsten Exportbranchen des Landes vertritt. Dennoch komme der Vulkanausbruch zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. "Gerade erst hat die Nachfrage wieder angezogen, und ausgerechnet in einer kleinen Aufschwungphase könnte die Produktion an leeren Lagern scheitern." Das sei derzeit aber noch nicht absehbar.
Jede Ware findet ihren Weg
Auch in der wichtigsten deutschen Exportbranche, der Autoindustrie, überwiegt die Gelassenheit. Hier ist auch weniger der Export ein Problem - die Autos werden zumeist mit Zügen oder Schiffen transportiert. Schwieriger ist die Zulieferung. Die Konzerne suchen deshalb nach Lösungen, wie sie wichtige Vorprodukte auch ohne Luftfracht nach Deutschland bekommen. So auch bei BMW: Beispielhaft nennt ein Sprecher das Leder für die Sitzbezüge, das normalerweise per Flugzeug aus dem Nahen Osten kommt. Eine Logistik-Lösung könne etwa so aussehen: Erst mit dem Flugzeug nach Österreich, wo der Luftraum wieder geöffnet ist, dann weiter mit dem Lkw nach München.
Jede Ware findet ihren Weg - das ist auch das Motto bei DHL, der Frachttochter der Deutschen Post
. Das Unternehmen hat auch in normalen Zeiten eine Planungseinheit, in der Strecken um- und neugeplant werden. Diese Mitarbeiter machen derzeit nichts anderes als sonst auch - sie haben nur mehr Arbeit. "Wir transportieren mehr Briefe und Güter über die Straße", sagt ein DHL-Sprecher. Das könne dann etwa so aussehen: Ein Expressgut von Köln nach New York wird zunächst mit dem Lkw nach Madrid gebracht und von dort mit dem Flieger weiter in die USA.
Insofern können auch alle Konsumenten entspannt sein, die sich in den kommenden Tagen Waren kaufen möchten, die typischerweise per Flugzeug nach Deutschland gelangen. So wie Handys und Computer. "Kurzfristig wird es nicht zu Engpässen kommen", sagt ein Sprecher der Deutschen Telekom
.
Weil die deutschen Unternehmen flexibel auf die Lage reagieren und Alternativen für den Transport auf dem Luftweg suchen, scheinen sich die ökonomischen Auswirkungen des Flugverbots über der Bundesrepublik und weiten Teilen Europas bislang in Grenzen zu halten.
Spürbare wirtschaftliche Folgen dürften somit erst eintreten, wenn es noch länger zu massiven Einschränkungen im Flugverkehr kommen sollte. "Ein paar Tage können wir gut mit der Situation umgehen", heißt es stellvertretend für viele Unternehmen bei BMW. "Was danach passiert, wissen wir nicht." Da war es zumindest schon einmal eine gute Nachricht für die Konzerne, dass die Flugverbote in Europa am Montagabend gelockert wurden.
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wie wäre es damit, sie haben keinen strom und kein wasser zu hause? da haben Sie dann wohl auch einfach nur schlecht geplant...... wie lange würden sie denn da ruhe bewahren und sich damit beruhigen, daß sie bus fahren könnten? mehr...
Jetzt machen Sie aber Mal halblang...wo ist da bitte das Problem, wenn Sie ein paar Tage eben nicht Fernsehen können? Da nimmt man dann ein gutes Buch in die Hand oder kümmert sich vielleicht aus Versehen mal wieder um die Kids [...] mehr...
Sie haben wohl nie als Selbständiger gearbeitet, richtig? mehr...
oder haben Sie einen japanischen Fernseher ? Brauchen Sie ein Ersatzteil ? Haben Sie es im Keller liegen ? Oder hats der Haendler nicht vorraetig und muss es erst bestellen ? Mit dem Schiff aus Japan dauerts etwas laenger ? Und [...] mehr...
... mit den riesigen 'wirtschaftlichen' Schäden, kann man resumieren: Die Firmen sind so 'auf Kante genäht' in ihrer Planung, daß sie nicht mal ein paar Tage Ausfall hinnehmen können. (so die Aussage stimmt und nicht bloß die [...] mehr...
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