Ein Kommentar von Wolfgang Kaden
Die Schweizer wissen gemeinhin ihre Banker zu schätzen. Jene Herren von der Zürcher Bahnhofstraße, die Geld aus der ganzen Welt angesogen, den Alpenstaat zu einem der reichsten Länder der Welt gemacht und Zehntausenden Schweizern einen sicheren und bestens bezahlten Arbeitsplatz beschert haben.
Umso erstaunlicher, was sich da vergangene Woche in Basel ereignete. Die UBS
, größte Bank der Schweiz, hielt ihre Generalversammlung ab. Einstmals waren das Feiertage, bei denen sich Aktionäre, Vorstände und Verwaltungsräte wechselseitig zu den einträglichen Geschäften des Vorjahrs beglückwünschten. Doch dieses Mal hagelte es Kritik. An der alten, inzwischen abgelösten Führung sowieso, aber auch an den neuen Spitzenleuten um den Deutschen Oswald Grübel.
Die hatten sich nicht geniert, die erfolgsabhängigen Vergütungen von rund zwei Milliarden Franken (2008) auf rund drei Milliarden Franken (2009) aufzustocken, trotz eines Verlusts von 2,7 Milliarden Euro. Einmalig in der Schweizer Bankengeschichte: Die Aktionäre verweigerten der einstigen Unternehmensspitze für das Jahr 2007 die Entlastung und stimmten mit erstaunlichen 40 Prozent gegen den Vergütungsbericht für das vergangene Jahr. Die gängige Ausrede für die skandalöse Selbstbedienung, man müsse die Spitzenkräfte mit attraktiver Bezahlung halten, zog nicht mehr.
Volkssport Banken-Bashing
Die Schweizer sind mit ihrer Empörung über die Herren des Geldes in guter Gesellschaft. Ob in den USA, Europa oder sonst wo: Banken-Bashing ist allerorten Volkssport. Meinungsforscher registrieren bei den Bürgern einen katastrophalen Vertrauensverlust gegenüber dem Geldgewerbe. Das wird inzwischen schlechter bewertet als das notorische Schlusslicht auf der Ansehensskala, die Tabakindustrie.
Auch wenn viele Banker glauben, die Krise sei vorüber - der Realität entspricht das kaum. "Die Gesellschaft hat die Krise noch lange nicht überwunden", vermerkt der St. Gallener Privatdozent Markus Will. Selbst bei seriösem Publikum ernten Vortragsredner Beifall, wenn sie das Finanzgewerbe mit der Mafia vergleichen. In den angelsächsischen Ländern ist der Begriff "Bankster" längst in die Umgangssprache eingegangen.
Die Geld-Gewaltigen haben sich diesen Ruf redlich verdient. Es war ja schon schlimm genug, dass die einstigen "Masters of the Universe" um ein Haar die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund gestürzt hätten. Doch was dann folgte, ist in den Augen vieler Zeitgenossen noch übler:
Die Finanzwirtschaft ist drauf und dran, sich immer weiter aus der Mitte der Gesellschaft zu entfernen. Es sind ja längst nicht mehr nur notorische Systemkritiker wie in Deutschland die Linkspartei oder Attac, die das Geldgewerbe für alle Übel dieser ungerechten Welt verantwortlich machen. Auch viele Manager und Unternehmer gehen zunehmend auf Distanz.
"Ich bin da ziemlich geladen"
Beispielhaft vor einigen Wochen der Bosch-Chef Franz Fehrenbach, der auf seiner Bilanzpressekonferenz drohte, die Geschäftsbeziehungen zu Banken abzubrechen, die weiterhin übertriebene Boni zahlen: "Ich bin da ziemlich geladen."
Richtig beliebt waren die Geldgewaltigen ja noch nie, nicht zuletzt, weil sie sich gern als die Besseren aufführten, weil sie glaubten, überall mitmischen zu müssen. Und weil sie es keinem recht machten. Den Sparern und Geldanlegern erschienen die Habenzinsen stets zu niedrig und die Provisionen zu hoch; die Kreditnehmer klagten über die vielen Sicherheiten, die ihre Bank verlangte, und über viel zu hohe Sollzinsen.
Doch jetzt hat die Abneigung eine gänzlich neue Qualität: Das Bankgewerbe und seine Repräsentanten haben das System gefährdet, sie spielen schon wieder ihre alten, hochriskanten Spielchen - und sind damit eine Gefahr geworden, die, so das Empfinden, alle in ihrer Existenz bedroht.
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Im Prinzip ja. Und 1989 war die Bundesrepublik fuer uns auch noch das attraktivere System (sie war ja praktisch gezwungen, es zu sein). Aber heute? In der heutigen BRD, Billigrepublik Dumping, mit ihrem Sozialabbau bei [...] mehr...
WOHER kommt denn GELD überhaupt....? Irgendjemand hier auf diesem Forum, der diese "Urfrage" einigermassen verständlich erklären kann? Dann kann man erst beurteilen, was im Bankgeschäft RECHTENS ist... - oder NICHT - [...] mehr...
"Entschuldigung, aber das ist ja nun wirklich albern. Der Handel mit Geld, also das Verleihen gegen Zins und das Zahlen von Zinsen auf Einlagen, genauso wie der Eigenhandel mit Aktien, Risiken und Werten aller Art ist eine [...] mehr...
Wenn es nur noch 10 Beratungsfirmen geben würde, koennte man die auch verstaatlichen. ;) Jedoch sollte ein Deutscher der an der sozialen Marktwirtschaft hängt sowas nicht verstaatlichen sondern in kleine nicht systemrelevante [...] mehr...
Ja, eben: "normalerweise". Darum geht es. Denn sie tragen das Risiko offenbar nicht mehr, sondern lassen es vom Staat/Steuerzahler übernehmen. So viel zum "freien" Markt und zu einer "optimalen [...] mehr...
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