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23.04.2010
 

Marktwirtschaft in der Krise

Wie die Banker den Kapitalismus aushöhlen

Ein Kommentar von Wolfgang Kaden

Banker in London: Uneinsichtig, raffgierig, fehlende ReformbereitschaftZur Großansicht
REUTERS

Banker in London: Uneinsichtig, raffgierig, fehlende Reformbereitschaft

Das Ansehen der Banker sinkt dramatisch - für die Branche eine beispiellose Imagekatastrophe. Wirklich schlimm ist das aber aus einem anderem Grund: Der Vertrauensverlust der Geldhäuser schadet dem gesamten marktwirtschaftlichen System.

Die Schweizer wissen gemeinhin ihre Banker zu schätzen. Jene Herren von der Zürcher Bahnhofstraße, die Geld aus der ganzen Welt angesogen, den Alpenstaat zu einem der reichsten Länder der Welt gemacht und Zehntausenden Schweizern einen sicheren und bestens bezahlten Arbeitsplatz beschert haben.

Umso erstaunlicher, was sich da vergangene Woche in Basel ereignete. Die UBS Chart zeigen, größte Bank der Schweiz, hielt ihre Generalversammlung ab. Einstmals waren das Feiertage, bei denen sich Aktionäre, Vorstände und Verwaltungsräte wechselseitig zu den einträglichen Geschäften des Vorjahrs beglückwünschten. Doch dieses Mal hagelte es Kritik. An der alten, inzwischen abgelösten Führung sowieso, aber auch an den neuen Spitzenleuten um den Deutschen Oswald Grübel.

Die hatten sich nicht geniert, die erfolgsabhängigen Vergütungen von rund zwei Milliarden Franken (2008) auf rund drei Milliarden Franken (2009) aufzustocken, trotz eines Verlusts von 2,7 Milliarden Euro. Einmalig in der Schweizer Bankengeschichte: Die Aktionäre verweigerten der einstigen Unternehmensspitze für das Jahr 2007 die Entlastung und stimmten mit erstaunlichen 40 Prozent gegen den Vergütungsbericht für das vergangene Jahr. Die gängige Ausrede für die skandalöse Selbstbedienung, man müsse die Spitzenkräfte mit attraktiver Bezahlung halten, zog nicht mehr.

Volkssport Banken-Bashing

Die Schweizer sind mit ihrer Empörung über die Herren des Geldes in guter Gesellschaft. Ob in den USA, Europa oder sonst wo: Banken-Bashing ist allerorten Volkssport. Meinungsforscher registrieren bei den Bürgern einen katastrophalen Vertrauensverlust gegenüber dem Geldgewerbe. Das wird inzwischen schlechter bewertet als das notorische Schlusslicht auf der Ansehensskala, die Tabakindustrie.

Auch wenn viele Banker glauben, die Krise sei vorüber - der Realität entspricht das kaum. "Die Gesellschaft hat die Krise noch lange nicht überwunden", vermerkt der St. Gallener Privatdozent Markus Will. Selbst bei seriösem Publikum ernten Vortragsredner Beifall, wenn sie das Finanzgewerbe mit der Mafia vergleichen. In den angelsächsischen Ländern ist der Begriff "Bankster" längst in die Umgangssprache eingegangen.

Die Geld-Gewaltigen haben sich diesen Ruf redlich verdient. Es war ja schon schlimm genug, dass die einstigen "Masters of the Universe" um ein Haar die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund gestürzt hätten. Doch was dann folgte, ist in den Augen vieler Zeitgenossen noch übler:

  • Notorische Uneinsichtigkeit, beispielhaft von den amerikanischen Bankenchefs demonstriert: Einer nach dem anderen stritten sie vor dem Untersuchungsausschuss des Kongresses jede Schuld an dem Finanzdesaster ab.
  • Anhaltende Raffgier: Allein Goldman Sachs Chart zeigen hat Boni von mehr als 16 Milliarden Dollar ausgeschüttet - und dies, nachdem sich die Regierungen zur Rettung der Branche in eine nur aus Kriegszeiten bekannte Verschuldung gestürzt haben.
  • Fehlende Reformbereitschaft: Erkennbar wird dies an den unzähligen Einwänden der Bankenlobby zu den Absichten der Regierenden, das Bankensystem durch mehr Regeln krisenresistenter zu machen.

Die Finanzwirtschaft ist drauf und dran, sich immer weiter aus der Mitte der Gesellschaft zu entfernen. Es sind ja längst nicht mehr nur notorische Systemkritiker wie in Deutschland die Linkspartei oder Attac, die das Geldgewerbe für alle Übel dieser ungerechten Welt verantwortlich machen. Auch viele Manager und Unternehmer gehen zunehmend auf Distanz.

"Ich bin da ziemlich geladen"

Beispielhaft vor einigen Wochen der Bosch-Chef Franz Fehrenbach, der auf seiner Bilanzpressekonferenz drohte, die Geschäftsbeziehungen zu Banken abzubrechen, die weiterhin übertriebene Boni zahlen: "Ich bin da ziemlich geladen."

Richtig beliebt waren die Geldgewaltigen ja noch nie, nicht zuletzt, weil sie sich gern als die Besseren aufführten, weil sie glaubten, überall mitmischen zu müssen. Und weil sie es keinem recht machten. Den Sparern und Geldanlegern erschienen die Habenzinsen stets zu niedrig und die Provisionen zu hoch; die Kreditnehmer klagten über die vielen Sicherheiten, die ihre Bank verlangte, und über viel zu hohe Sollzinsen.

Doch jetzt hat die Abneigung eine gänzlich neue Qualität: Das Bankgewerbe und seine Repräsentanten haben das System gefährdet, sie spielen schon wieder ihre alten, hochriskanten Spielchen - und sind damit eine Gefahr geworden, die, so das Empfinden, alle in ihrer Existenz bedroht.

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insgesamt 133 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
07.05.2010 von onzapintada: DDR besser als Hartz-4-Land

Im Prinzip ja. Und 1989 war die Bundesrepublik fuer uns auch noch das attraktivere System (sie war ja praktisch gezwungen, es zu sein). Aber heute? In der heutigen BRD, Billigrepublik Dumping, mit ihrem Sozialabbau bei [...] mehr...

24.04.2010 von denkmal!: WOHER kommt denn Geld überhaupt?

WOHER kommt denn GELD überhaupt....? Irgendjemand hier auf diesem Forum, der diese "Urfrage" einigermassen verständlich erklären kann? Dann kann man erst beurteilen, was im Bankgeschäft RECHTENS ist... - oder NICHT - [...] mehr...

24.04.2010 von toldan: falsch

"Entschuldigung, aber das ist ja nun wirklich albern. Der Handel mit Geld, also das Verleihen gegen Zins und das Zahlen von Zinsen auf Einlagen, genauso wie der Eigenhandel mit Aktien, Risiken und Werten aller Art ist eine [...] mehr...

24.04.2010 von ticaki: Och nö

Wenn es nur noch 10 Beratungsfirmen geben würde, koennte man die auch verstaatlichen. ;) Jedoch sollte ein Deutscher der an der sozialen Marktwirtschaft hängt sowas nicht verstaatlichen sondern in kleine nicht systemrelevante [...] mehr...

23.04.2010 von Celestine: xxx

Ja, eben: "normalerweise". Darum geht es. Denn sie tragen das Risiko offenbar nicht mehr, sondern lassen es vom Staat/Steuerzahler übernehmen. So viel zum "freien" Markt und zu einer "optimalen [...] mehr...

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Zum Autor

mm
Wolfgang Kaden leitete ab 1979 das Ressort Wirtschaft des SPIEGEL und übernahm dort 1991 die Chefredaktion. Von 1994 bis Juni 2003 war er Chefredakteur des manager magazins.

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