Wirtschaft



ThemaDeutsche BankRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
27.04.2010
 

Deutsche Bank

Börsianer misstrauen Ackermanns Traumzahlen

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Börse verrücktZur Großansicht
ddp

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Börse verrückt

Die Deutsche Bank verbucht ein rekordverdächtiges Quartalsergebnis - doch die Aktie schmiert ab. Zeitweise lag das Finanzpapier am Dienstagmorgen am Dax-Ende. Anleger fürchten, dass die Party bald beendet ist.

Frankfurt am Main - Die Euphorie über einen hohen Quartalsgewinn der Deutschen Bank hat nicht lange gehalten. Die Aktien des Instituts gaben ihre frühen Kursgewinne schnell wieder ab und lagen am Vormittag zeitweise fast drei Prozent im Minus. Einige Zeitlang notierten sie gar am Dax-Ende. Generell notiert der deutsche Leitindex Chart zeigen deutlich im Minus.

Dabei kann die Deutsche Bank im ersten Quartal ein riesiges Plus vorweisen. Unter dem Strich verdiente der größte Geldkonzern der Bundesrepublik rund 1,8 Milliarden Euro - nach 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Vor Steuern belief sich der Gewinn auf 2,8 Milliarden Euro; im Vorjahr waren es noch 1,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis übertrifft die Erwartungen der Analysten deutlich. Experten hatten im Schnitt mit einem Nettogewinn von 1,38 Milliarden Euro gerechnet.

"Entscheidend für das gute Ergebnis war unser Geschäft im Investmentbanking", teilte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Zwischenbericht des Instituts mit. Die Sparte habe mit einem Vorsteuergewinn von 2,7 Milliarden Euro so viel wie noch nie in einem Quartal verdient. "Die Deutsche Bank hat deutlich Risiken abgebaut und jetzt das zweitbeste Quartalsergebnis vor Steuern in ihrer Geschichte erzielt", hieß es weiter.

Die Börse ist dennoch nicht zufrieden. An den Zahlen sei nichts auszusetzen, sagten mehrere Händler übereinstimmend. Es gebe aber Zweifel an der Nachhaltigkeit. "Nach der Party heute morgen konzentrieren sich die Anleger auf die kurzfristigen Aussichten und fragen sich, ob das Unternehmen das noch einmal schaffen kann", sagte einer. Zudem gab sich Finanzvorstand Stefan Krause zurückhaltend und wollte die Entwicklung im ersten Quartal nicht auf das Gesamtjahr übertragen. "Das ist nicht gerade der bestmögliche Ausblick, den man geben kann", betonte ein anderer Händler.

Verunsicherung über wachsende Staatsschulden

Dabei gibt sich Konzernchef Josef Ackermann für die kommenden Quartale vorsichtig optimistisch. Bis 2011 soll die Deutsche Bank nach seinen Plänen einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro erwirtschaften.

Die Weltwirtschaft habe sich im ersten Quartal 2010 stabilisiert, teilt Ackermann im Zwischenbericht mit. Die Lage bleibe allerdings angespannt. Einem kräftigen Wirtschaftswachstum in Asien stehe eine deutlich moderatere Normalisierung in den Industrieländern gegenüber. "Während sich die USA schneller als erwartet von der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise erholen, hält sich die wirtschaftliche Dynamik in Europa in Grenzen", heißt es im Bericht.

Auf den internationalen Finanzmärkten habe sich die Situation entspannt: Die Notenbanken sorgten für unverändert großzügige Liquidität, Werteschwankungen reduzierten sich. Nach einem zunächst verhaltenen Jahresauftakt tendierten die Aktienkurse an den meisten Börsen wieder klar aufwärts. Belastend wirke allerdings die Verunsicherung über die Verschuldungsprobleme einiger europäischer Länder. Außerdem rücke der Ausstieg aus der aktuell sehr expansiven Geld- und Zinspolitik sowie anderen staatlichen Stützungsprogrammen immer näher.

Gestärktes Privatkundengeschäft

Das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank zeigte sich gestärkt und erreichte mit 198 Millionen Euro das beste Quartalsergebnis im operativen Geschäft seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die im Herbst 2008 die Finanzwelt erschütterte. Die Zahl der Privat- und Geschäftskunden verringerte sich im Verlauf des ersten Quartals 2010 allerdings um etwa 82.000 auf 14,5 Millionen.

Insgesamt verbuchte die Bank Erträge von neun Milliarden Euro. Das ehrgeizige Ziel einer Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent wurde mit 30 Prozent sogar übertroffen.

Wenig Freude macht der Deutschen Bank bisher ihr jüngster Zukauf: die edle Privatbank Sal. Oppenheim, die im ersten Quartal erstmals einbezogen wurde. Zusätzliche Erträge von 79 Millionen Euro wurden hierbei von 134 Millionen Euro Kosten mehr als aufgezehrt.

Keine Klageandrohung von US-Aufsicht

Auch zu den Ermittlungen gegen die US-Großbank Goldman Sachs äußerte sich die Deutsche Bank: Nach eigener Einschätzung steht dem deutschen Finanzhaus keine ähnliche Klage der US-Börsenaufsicht SEC bevor. "Wir haben keine Wells Notice erhalten", sagte Finanzvorstand Stefan Krause. Mit einer solchen Notiz kündigen die US-Behörden Ermittlungen an, um den betroffenen Firmen die Chance zu geben, darauf zu reagieren. In den seit Monaten laufenden Anfragen und Vorladungen von Aufsichts- und Regierungsbehörden gegen die Deutsche Bank gehe es nicht um die aktuellen Themen. "Wir haben unsere Geschäfte intern durchleuchtet. Wir glauben nicht, dass wir eine ähnliche Situation haben wie die jetzt diskutierte", sagte Krause in Anspielung auf Goldman Sachs.

Die US-Investmentbank sieht sich mit einer Klage der SEC konfrontiert, weil sie strukturierte Kreditprodukte auf den US-Häusermarkt aufgelegt hatte und den Hedgefonds-Milliardär John Paulson daran aktiv hatte mitwirken lassen, der zugleich erfolgreich auf den Zusammenbruch dieses Marktes gewettet hatte.

Analysten und Medien hatten Parallelen zu ähnlichen Produkten der Deutschen Bank gezogen, in die Paulson ebenfalls involviert war. Bei den Vorladungen und Anfragen an die Deutsche Bank geht es um deren Geschäfte mit strukturierten forderungsbesicherten Papieren (ABS), Kreditversicherungen (CDS) und mit verbrieften Hypothekenkredit-Papieren (CDO).

Zugleich ist Deutschlands größtes Bankhaus in den USA mit Klagen wegen hypothekenbesicherter Wertpapiere konfrontiert. Eine neue Klage sei im ersten Quartal von der Federal Home Loan Bank of San Francisco eingereicht worden, die solche Produkte gekauft hatte, teilte die Bank mit. Eine weitere Sammelklage sei in New York anhängig. Dem Antrag der Bank, sie abzuweisen, habe das Gericht nur zum Teil stattgegeben. Alle Zivilklagen seien in einem frühen Stadium.

ssu/yes/AFP/dpa/Reuters

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 11 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
27.04.2010 von egils: Banking?

habe ich das richtig gelesen? Die Deutsche bank insgesamt hat einen Vorsteuergewinn von 2.8 Mrd Euro gemacht, und davon 2.7 Mrd im Investment-Banking Bereich... D.h. alle anderen Sparten zusammen haben dann ncoh 100 Mio euro [...] mehr...

27.04.2010 von schweineigel: Bravo...?!

Tja, so isses halt. So sehr ich den Ackermann hasse - er macht einen guten Job! Darüber hinaus: Auf seine Art finde ich ihn wenigstens offen und ehrlich. Ich frage mich immer, was die anderen Bonzen so für Menschenverachtende [...] mehr...

27.04.2010 von soisses1: Dann fangen wir mal an zu rechnen.

Vielleicht etwas naiv aber zur Anschauung geeignet. 30% EBIT auf das Eigenkapital macht bei ca. 2.8 Mrd. EBIT ein Eigenkapitalvolumen von ca. 9.5 Mrd. mal 4 (wegen 4 Quartalen) also ca. 38 Mrd. Bei einer Eigenkapitalquote von [...] mehr...

27.04.2010 von stanis laus: Rückstellung schon getätigt?

"Bis 2011 soll die Deutsche Bank nach seinen Plänen einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro erwirtschaften." Wird wohl eher ein Vorsteuerverlust von 11 Mrd. €. Wegen der Totalabschreibung der griechischen [...] mehr...

27.04.2010 von Ernst Wurscht: Nix besseres als Auf und Ab

Muss man nicht so lange warten bis man den Gewinn mitnehmen kann und das konnte man mit der DB die letzen Monate sehr oft, teilweise mehrmals täglich und das wird so weitergehen. Die Börse ist ein Irrenhaus, dieser Schwachsinn [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema Deutsche Bank

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP