Von Marc Pitzke, New York
Im elektronischen Zeitalter geben Juristen und Firmenberater oft den gleichen Rat: Im Zweifel die E-Mail nicht absenden! Ein Drittel aller US-Arbeitgeber hat bereits jemanden wegen einer E-Mail gefeuert, die im Ton daneben lag oder den Verfasser anderweitig kompromittierte. Die Juristin Sharon Nelson empfiehlt, vor dem folgenschweren Tastendruck stets eine Regel zu beachten: "Stellen Sie sich vor, Ihre E-Mail erscheint in einer großen Tageszeitung."
Dem Top-Management der Großbank
Goldman Sachs
war diese goldene Regel offenbar unbekannt. Seit die US-Börsenaufsicht
SEC Betrugsklage gegen das führende Wall-Street-Haus und
Fabrice Tourre, einen seiner Vizepräsidenten, erhoben hat, tauchen in US-Zeitungen in schöner Regelmäßigkeit peinliche Mails auf, die die Behörden auf den Servern des Unternehmens sichergestellt haben.
Die SEC zitierte sie in ihrer Klage, und ein Untersuchungsausschuss des Senats publizierte einen ganzen Schwall in einem 901-seitigen Aktenberg sowie in 581 weiteren Seiten für einen parallelen Bericht zur Rolle der Rating-Agenturen bei der Finanzkrise. Goldman legte schließlich selbst nach und veröffentlichte von sich aus 49 weitere Seiten mit E-Mails. Wie ratsam das aus juristischer Sicht war, muss sich allerdings erst zeigen.
Es sind E-Mails, die nie an die Öffentlichkeit gelangen sollten. Die interne Kommunikation ist voller kruder Zoten, jovialer Kumpeleien und zynischer Selbstüberschätzung. Die Texte offenbaren den krassen Gegensatz zwischen den öffentlichen, optimistischen Äußerungen Goldmans in den Krisenjahren 2006 bis 2008, etwa in den Jahres- und Quartalsberichten und der internen, überwiegend arrogant-negativen Einschätzung.
SPIEGEL ONLINE hat einige Beispiele dokumentiert - Worte, bei denen sich die Absender heute denken dürften: Im Zweifel die E-Mail nicht absenden!
Auf anderen Social Networks posten:
....sind auf jeden Fall mitschuldig. Wer kauft ein Finanzprodukt was er nicht versteht ? Ich hatte noch Anfang 2008 einen Anruf, von meiner sonst "relativ seriös" agierenden Sparkasse. Man lockte mit hohen Renditen. [...] mehr...
Volle zustimmung! Für was sind denn banken eigentlich da? Dass sie sich selbst in massiver form am gemeinwesen bereichern und dafür als gegenleistung, dienstleistung für sich selbst betreiben? Am ende zahlt der [...] mehr...
Es stellt sich doch die Frage, ob Herr Ackermann im Vergleich zu solchen Leuten eine Lichtgestalt ist. Ich will es hoffen und kann mir nicht vorstellen, dass eine solche Attitüde in allen Banken üblich ist. mehr...
Interessante Anmerkungen von Fab... Mir kommt es so vor als habe er ein Produkt kreiert an dessen Bewertungsmethodik er selbst nicht so recht glaubt. Da frage ich mich, wie das möglich ist! Normalerweise müssen neue [...] mehr...
deshalb geht das Spiel weiter.Politiker sind nicht unfähig,sie sind schlichtweg Nutzniesser dieses Systems.Eine andere Erklärung erscheint mir garnicht plausibel.Warum sitzen Kanzleien(Lazard &Co,Linkwater etc) in den [...] mehr...
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