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01.05.2010
 

Dax-Geflüster

Angst fressen Nüchternheit auf

Von Arne Gottschalck

Chemiekonzern BASF: Gewinn binnen Jahresfrist verdoppeltZur Großansicht
DPA

Chemiekonzern BASF: Gewinn binnen Jahresfrist verdoppelt

Die Rating-Agenturen watschen Griechenland, Spanien und Portugal ab. Und ausgerechnet deutsche Unternehmen spüren die Folgen. Die Konzerne legen wieder gute Zahlen vor, doch ihre Kurse geben nach. Das zeigt: An der Börse dominiert die Angst, für Nüchternheit ist kein Platz.

Hamburg - Es ist eine merkwürdige Situation: Schwergewichte im deutschen Leitindex Dax wie der Chemiekonzern BASF Chart zeigen oder die Deutsche Bank Chart zeigen legen gute Zahlen vor. Was normalerweise an der Börse Grund zum Jubeln ist, führte in dieser Woche zu Kursrückgängen.

Der Grund für die schlechte Stimmung: Die Rating-Agenturen watschten zuerst Griechenland, dann Portugal und schließlich auch noch Spanien ab. "Die Aktien rutschen, die Angst ist wieder da", sagt Karsten Stroh, bei JP Morgan Asset Management für europäische Aktien zuständig.

Angst - das bedeutet den Abschied vom nüchternen Verstand. Börsenpsychologe Conrad Mattern, Vorstand der Firma Conquest Investment Advisory, sagt: "Es ist ein Fall wie aus dem Lehrbuch. Da kommen die Rating-Agenturen mit einem Urteil, und alle werden nervös. Wie eine Herde."

Manfred Weber sieht das Thema "Kursrückgänge trotz steigender Gewinne" differenzierter: "Wer auf die Vergangenheit blickt, bekommt je nach Blickwinkel unterschiedliche, zufällige Ergebnisse", sagt der Professor der Universität Mannheim. Mit anderen Worten: Es mag lobenswert sein, dass Deutschlands größtes Chemieunternehmen BASF binnen Jahresfrist seinen Gewinn verdoppelt hat. Doch das heißt noch lange nicht, dass die Aktie auch ein lohnendes Investment ist.

Was heißt eigentlich langfristig?

Die Finanzindustrie sieht das naturgemäß anders. Und setzt auf frische Gelder von Anlegern. Nachhaltige Investments seien die Profiteure der Krise, erklärt zum Beispiel die Fondsgesellschaft Monega. Weil die Investoren nicht mehr Performance um jeden Preis suchen würden, lautet die etwas schwammige Begründung. Oder der Fondsgigant Fidelity, der Schwellenländer als gutes Investment lobt, da sie einen großen Nachholbedarf bei Konsum und Infrastruktur hätten.

Langfristig - so das Mantra der Finanzbranche - sind Aktien einfach die renditestärkste Anlageform. Nur für Investoren stellt sich nach den Enttäuschungen des vergangenen Jahrzehnts die Frage: Was heißt eigentlich langfristig? Bekanntlich sind wir langfristig alle tot - wie der Jahrhundertökonom John Maynard Keynes nüchtern feststellte.

Und was ist in der Zwischenzeit? Da bleibt den Anlegern wohl nur die Hoffnung, auf ein eindeutiges Signal vor allem der deutschen Regierung, wie den siechen Euro-Ländern geholfen werden kann. Das würde die Märkte beruhigen, so die gängige Einschätzung. Und damit auch wieder stetig steigende Kurse ermöglichen. Oder zumindest ein Umfeld schaffen, in dem Unternehmensdaten wieder realistisch eingeordnet werden.

Einfach wird das aber nicht. "Zunächst schienen die Länder bereit, sich gegenseitig zu helfen, doch diese Solidarität hat schnell nachgelassen", beobachtet Dinant Wansink, Stratege bei Delta Lloyd Asset Management. "Die Situation in Griechenland ist langfristig offensichtlich unhaltbar." Und verdrängen lassen sich die gewaltigen Probleme auch nicht mehr. "Man hat gesehen, dass das Thema Griechenland immer wieder nach oben kommt", so Stroh.

Kurz- schlägt langfristig

Hinzu kommt: Dass Griechenland Schwierigkeiten bekommen wird, seine Schulden zu refinanzieren, war lange klar. Doch erst das Urteil der Rating-Agenturen hat die Märkte wieder einmal an diese Probleme erinnert - auch wenn gerade die Rating-Agenturen angesichts ihrer Fehler in der Finanzkrise vielleicht nicht den Schulmeister mimen sollten.

Dass sich auch eine gigantische Verschuldungsquote in den Griff bekommen lässt, zeigt das Beispiel Belgien. Das Land war 1993 mit 140 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Doch binnen 14 Jahren hat das Land es geschafft, diese Quote auf 90 Prozent zu senken, sagt Stroh. In diesem Zeitraum müsse man auch bei den heutigen Wackelkandidaten denken.

Doch die Psychologie und das Bauchgefühl reagieren offenbar nicht auf langfristige Entwicklungen. Sondern hängen von kurzfristigen Impulsen ab. Eine Ausprägung davon ist das Webersche Gesetz. "Ein Reiz muss immer höher werden, um den gleichen Impuls auszulösen", sagt Börsenexperte Mattern. Mit anderen Worten: "Solange es keine neuen Horrorzahlen gibt, kann sich die Börse durchaus erholen, wie am Donnerstag gesehen. Denn die Übereifrigen greifen wieder zu."

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insgesamt 9 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
01.05.2010 von rabenkrähe: Angst?

...... Das ist ja wohl die unsinnigste Behauptung dieses Jahres. Der Dax hat sich im Laufe eines Jahres fast verdoppelt, obwohl ständig und permanent von einer Krise die Rede war und es überhaupt keine Fundierung für diese [...] mehr...

01.05.2010 von gerthans: Ursache vs. Anlass

Ein guter Denkansatz! Vielleicht lohnt es sich auch hier, nach dem Vorbild der Historiker, wenn sie beantworten wollen, warum ein Krieg ausgebrochen oder ein Weltreich zusammengebrochen ist, zwischen Ursache und Anlass zu [...] mehr...

01.05.2010 von yaburs: Rating Agenturen...

Der Zeitpunkt der Herabstufung ist lustig bis beschämend. Jetzt, wo mittlerweile vermutlich schon in der Bildzeitung darüber zu lesen ist.. Die Zinsen sind schon viel früher angestiegen für diese Länder. Man muss sich mal die [...] mehr...

01.05.2010 von Monsieur Rainer: Die Börse und die DAX - Werte

Die Börse hat schon längst ihr Ansehen verspielt seit Aktienwerte nicht mehr den langfristigen Ertrag und die stillen Reserven eines Unternehmens wiederspieglen, sich also von den betriebs -und volkswirtschaftlichen Lehren [...] mehr...

01.05.2010 von frank_lloyd_right: Für Nüchternheit

war die Börse nie ein guter Platz, jederzeit aber einer für Massenhysterie. Es gibt natürlich immer welche, die an so einem Fischmarkt nüchtern bleiben - die gehören da auch hin. Aber all die anderen, die dort nämlich für [...] mehr...

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EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Hilfe

Kombinierte Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten sollen hochverschuldete Länder wie Griechenland vor der Pleite bewahren. Auf diesen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einigten sich die Euro-Länder. Laut dem Einigungstext sind "bedeutende Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF)" und bilaterale Kredite der Euro-Staaten vorgesehen.

Das Geld

Die Kosten

Die Sanktionen


Die Konditionen im Detail

Volumen

Im Rahmen eines Dreijahresprogrammes werden alle Euro-Länder im ersten Jahr bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) würde zusätzliche Mittel bereitstellen und von dem gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, also weitere 15 Milliarden Euro.

Zinshöhe

Hilfsanfrage

Auflagen

Rating-Agenturen

Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen.

Die drei Rating-Riesen

Standard & Poor's

Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's . Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).

Moody's

Fitch Ratings





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