Wirtschaft



ThemaLloyd BlankfeinRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
03.05.2010
 

Immobilienblase

Goldman-Sachs-Boss räumt Mitschuld an Finanzdebakel ein

Goldman-Sachs-Chef Blankfein: Komplexe Wertpapiere nur noch für ausgewählte KundenZur Großansicht
AFP

Goldman-Sachs-Chef Blankfein: Komplexe Wertpapiere nur noch für ausgewählte Kunden

Der Druck auf Goldman Sachs nimmt zu - jetzt lenkt der Chef der US-Investmentbank ein, zumindest ein bisschen: Lloyd Blankfein hat öffentlich eine Mitschuld seines Instituts an der Finanzkrise eingeräumt. Mit neuen internen Regeln will er die Börsenaufsicht nun gnädig stimmen.

Washington - Der Chef der wegen Betrugs angeklagten US-Großbank Goldman Sachs Chart zeigen, Lloyd Blankfein, hat eine Mitschuld seines Instituts an der Spekulationsblase auf dem US-Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren eingeräumt. "Wir haben einen Beitrag zu der Blase geleistet", sagte Blankfein dem Nachrichtensender CNN. Goldman Sachs habe Geld an Regierungen von US-Bundesstaaten oder Kommunen verliehen, an Unternehmen und Immobilienprojekte und dadurch zu deren Verschuldung beigetragen. Auch Verbraucher hätten sich in den vergangenen Jahren überschuldet. In diesem Zusammenhang habe Goldman Sachs eine Rolle gespielt, sagte Blankfein.

Der Kniefall in der Öffentlichkeit ist aber nur der eine Teil der Offensive, mit der Goldman Sachs die US-Börsenaufsicht SEC milde stimmen will. Die Bank plane, ihre Investoren besser über ihre Produkte aufzuklären und sich dies von den Kunden bestätigen zu lassen, berichtet die "Financial Times" und beruft sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Gleichzeitig sollten komplexe Wertpapiere wie strukturierte Produkte nur Kunden mit Vorkenntnissen angeboten werden.

Mit diesem Schritt wolle die Bank die Chancen einer außergerichtlichen Einigung mit der SEC erhöhen. Nach Informationen der Zeitung laufen derzeit noch keine Verhandlungen über eine derartige Einigung.

"Die Großen lässt man laufen"

Die Spekulationsblase am US-Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren gilt als Auslöser der US-Immobilienkrise und der weltweiten Finanzkrise. In den Jahren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York herrschte in den USA eine Niedrigzinsphase. Auch viele Privatleute bauten in dieser Zeit Häuser, die Preise für Immobilien schienen unaufhaltsam zu steigen. Ab 2007 begannen die Preise dann aber zu stagnieren oder brachen ein. Die Immobilienblase platzte. Da viele US-Hypotheken als Wertpapiere weltweit weiterverkauft worden waren, die mit dem Platzen der Blase ebenfalls an Wert verloren, begann die internationale Finanzkrise.

Die Finanzaufsicht SEC hatte die Aktivitäten von Goldman in diesem Zusammenhang Mitte April unter die Lupe genommen. Der Vorwurf: Die US-Investmentbank habe sogenannte verbriefte Hypothekenkredite mit Hilfe eines Hedgefonds aufgelegt, der gleichzeitig auf den Wertverlust der Papiere spekuliert haben soll. Investoren sollen rund eine Milliarde Dollar verloren haben. Zu den Anlegern, die mit Goldman-Geschäften viel Geld verloren, gehörte auch die ehemals bundeseigene Mittelstandsbank IKB.

Sollte sich die SEC auf eine außergerichtliche Einigung einlassen, könnten alte Vorwürfe wieder laut werden, dass die Behörde mit den Schuldigen der globalen Finanzkrise zu lasch umgeht. Die Investmentbank kommt zunehmend in Bedrängnis. Denn jetzt droht ihr auch ein strafrechtliches Verfahren. Am Freitag wurde bekannt, dass die New Yorker Staatsanwaltschaft prüft, ob ein strafrechtliches Verfahren eingeleitet werden muss.

mik/AFP/dpa-AFX

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 10 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
03.05.2010 von achim68: Pseudo-Moral

Solche "mea culpa" Gesten sollte man als das nehmen was sie sind: Ein Attribut an die amerikanische "Moral", die es erfordert Demut zu zeigen und Selbstkasteiung zur Schau zu stellen. Einsicht, "etwas [...] mehr...

03.05.2010 von roadcrew: Der soll Zugriff auf seine Konten einräumen

Mir wäre es dann gleich sehr wichtig, dass er in logischer Konsequenz gleich den Zugriff auf seine Konten einräumen würde. Zum Zweck einer marginalen Schadensbehebung. Dass man sich die Hände waschen muss, wenn man mit [...] mehr...

03.05.2010 von scrip trader: OTC Geschäfte

Goldman Sachs wird aus diesem Eklat mit einem blauen Auge, sprich einem außergerichtlichen Vergleich mit Schadenszahlung davonkommen. Warum? Weil niemand den real entstandenen Schaden valuieren kann. Das hat zwei Gründe: 1. [...] mehr...

03.05.2010 von Das Auge des Betrachters: Karten im Spiel?

Keine Ahnung welche Karten Sie im Spiel haben, aber ein Betrug, also eine Falschbehauptung zum Produkt bleibt ein Betrug. Ganz unabhängig ob Gebrauchtwagen oder Derivat. Wer dann noch nach Falschbehauptung zu Ungunsten des [...] mehr...

03.05.2010 von frubi: .

Er kann es doch auch offen zugeben. Bestraft wird von diesen Idioten doch sowieso keiner. Aber hauptsache man sperrt Kleinunternehmer XY für 3 Jahre in den Knast wenn dieser 1,50 € an Steuern hinterzogen hat. Man muss im [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema Lloyd Blankfein

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Die Akteure in der Goldman-Affäre

Goldman Sachs

REUTERS
Die US-Investmentbank soll Investoren um eine Milliarde Dollar geprellt haben. Die Börsenaufsicht SEC hat eine Zivilklage gegen die Bank eingereicht. Im Zentrum der Klage: Sogenannte "collateralized debt obligations" (CDO). Die fragliche CDO trug den Namen "Abacus 2007-AC1". Dieses "synthetische" Spekulationsvehikel war nichts anderes als ein Portfolio aus weiteren Kunstprodukten: "Credit default swaps" (CDS) - virtuelle Versicherungsverträge, mit denen sich Großbanken gegen Verluste auf dem Immobilienmarkt absicherten.

Der Hedgefonds-Milliardär John Paulson soll von Anfang an auf ein Scheitern von "Abacus" spekuliert haben - und zwar mit dem Wissen der Goldman-Sachs-Verantwortlichen. Die Bank streitet die Vorwürfe als "völlig haltlos" ab und will sich und die eigene Reputation "energisch verteidigen".

Fabrice Tourre

John Paulson

Börsenaufsicht SEC

Finanzmakler ACA

IKB


CDO

Was sind CDOs?

Als Collateralized Debt Obligation, kurz CDO, bezeichnet man eine bestimmte Klasse Finanzprodukte. In CDOs werden zahlreiche Wertpapiere zu neuen Paketen zusammengeschnürt - Papiere mit hohem Ausfallrisiko werden dabei mit sichereren Anlagen kombiniert.

Wie setzen sie sich zusammen?

Kritik





TOP



TOP