Essen - Die Aufsichtsratssitzung dauerte den ganzen Tag - und über weite Strecken war das Ergebnis nicht absehbar. Doch letztlich fand sich offensichtlich eine Mehrheit: Sie entschied, den Vorstandschef des Essener Anlagenbauers Ferrostaal, Matthias Mitscherlich, mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu entbinden. Der Aufsichtsrat sah den Angaben zufolge diesen Schritt als notwendig an, um den Weg für einen "Neuanfang des Unternehmens zu ebnen". Die Position des Vorstandsvorsitzenden werde "sehr zeitnah neu besetzt werden".
Mitscherlich war im Zuge von Korruptionsermittlungen gegen sein Unternehmen in die Kritik geraten. Mitscherlich soll die Ermittlungen nicht ausreichend unterstützt haben, hieß es. Die Staatsanwaltschaft zweifelt nach Medienberichten Beraterhonorare des Unternehmens von insgesamt 180 Millionen Euro in den vergangenen Jahren an. Gegen rund ein Dutzend Manager werde ermittelt.
Kronzeuge ist ein langjähriger Ferrostaal-Angestellter aus Schwaben, der in Augsburg angeklagt ist. Er hat zugegeben, von einem kleineren Zulieferer Schmiergeld kassiert zu haben. Nach seinen Aussagen hat Ferrostaal systematisch bestochen, so in Portugal, Griechenland, Ägypten, Kolumbien, Argentinien und Indonesien.
Die Staatsanwaltschaft war bei einer Durchsuchung in der Konzernzentrale unter anderem auf einen von Mitscherlich unterschriebenen Überweisungsauftrag in Höhe von elf Millionen Euro gestoßen. Nach dem Verdacht der Ermittler ist diese Summe eine weitere Schmiergeldzahlung gewesen.
Für die Zukunft will das Unternehmen mit einem neuen Vorstandsressort, das sich "Compliance & Administration" nennt, für Transparenz sorgen. Vorstand wird mit Wirkung vom 10. Mai Andreas Pohlmann, der diesen Posten zuvor bei Siemens innehatte. Neuer Ferrostaal-Finanzvorstand wird der ehemalige Krauss Maffei-Manager Peter Sassenfeld. Die Besetzung der Stelle stand schon länger fest.
Mitscherlichs Vertrag lief noch vier Jahre. Zu einer Abfindungsregelung gab es zunächst keine Informationen. Matthias Mitscherlich ist der Sohn des berühmten Psychoanalytiker-Paares Margarete und Alexander Mitscherlich. Deren Buch "Die Unfähigkeit zu trauern" gilt als Klassiker.
Kontakte in politisch instabilen Regionen
Ferrostaal ist in 60 Ländern der Welt vertreten und baut als Generalunternehmer vor allem petrochemische Anlagen unter anderem in Lateinamerika, Nordafrika und dem Mittleren Osten. Das Unternehmen wurde 1920 ursprünglich in den Niederlanden gegründet - daher auch die Schreibweise des Namens. Es verfügt über langfristig gewachsene Kontakte auch in politisch instabile Regionen.
Ferrostaal gilt deshalb als Kontaktbörse und Verbindungsplattform für die gesamte deutsche Industrie, wenn es um Großaufträge etwa über Rüstungsgüter oder Fabriken für solche Länder geht. Das Unternehmen liefert zudem als Dienstleister für die Autoindustrie - etwa Ford
und Opel - vormontierte Module.
Das Unternehmen gehört seit März 2009 zu 70 Prozent dem Abu-Dhabi- Staatsfonds IPIC, der Rest liegt beim Münchner Lastwagenbauer MAN
. Mit der Übernahme der übrigen 30 Prozent zögert IPIC derzeit wegen der laufenden Korruptionsermittlungen.
Ferrostaal ist wie zuvor andere große deutsche Konzerne, darunter Siemens
, ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Die Ermittler vermuten, dass über Jahre Schmiergelder bei Auslandsprojekten vor allem in Entwicklungsländern geflossen sind.
mik/dpa/ddp
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So seh ich es auch. Kaum ist z.B. die deutsche Ferrostaal mehrheitlich im Besitz arabischer Fonds, schon fällt auf einmal und überraschend auf, dass die ja mal unter Korruptionsverdacht gestellt werden können. Delikat ist, [...] mehr...
Die Amerikaner tragen IMO einen Wirtschaftskrieg in ihre Gerichte. So bleibt die Politik sauber. Schließlich geht es ja um Recht und Ordnung. Die korruptionsfreien (wers denn glaubt) US-Konzerne reiben sich die Hände aufgrund [...] mehr...
Man wird in Zukunft subtiler bescheißen. mehr...
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