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05.05.2010
 

Spekulanten

Chef-Finanzaufseher spricht von "Angriffskrieg gegen Euro-Zone"

BaFin-Chef Sanio: "Ein besseres Angriffsziel konnte man sich nicht aussuchen"Zur Großansicht
REUTERS

BaFin-Chef Sanio: "Ein besseres Angriffsziel konnte man sich nicht aussuchen"

Deutschlands oberster Finanzaufseher Jochen Sanio sieht die Euro-Zone im Krieg mit internationalen Spekulanten - und will mit schwerem Geschütz in die Schlacht ziehen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso droht den Märkten wegen der Griechenland-Krise verschärfte Regeln an.

Hamburg - Er ist der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) - und prangert das Vorgehen internationaler Spekulanten mit markigen Worten an: "Hier wird im Moment von Spekulanten ein Angriffskrieg gegen die Euro-Zone geführt", sagte Jochen Sanio am Mittwoch im Haushaltsausschuss des Bundestags.

Isolierte Verbote und Beschränkungen für einzelne, vormals als innovativ geltende Finanzinstrumente wie etwa die Kreditausfallversicherungen "Credit Default Swaps" (CDS), hält er für unzureichend. Er plädierte für einen Generalangriff auf den weitgehend unregulierten, internationalen "Schatten-Finanzsektor". Sanio rechnete vor, dass Spekulanten mit CDS im Falle Griechenlands in drei bis vier Monaten rund 500 Prozent Gewinn einstreichen konnten. Die Spekulanten hätten gewettet, dass ihre relativ billig gekauften Kreditausfallversicherungen (CDS) ihnen von denen, die wirklich Griechenland-Engagements abzusichern hatten, wenige Monate später teuer aus den Händen gerissen wurden. Die Wetten gingen auf.

"Griechenland - ein besseres Angriffsziel konnte man sich nicht aussuchen", sagte Sanio, denn die Entwicklung des Landes sei schockierend verlaufen. Dafür sei allerdings die Spekulation nicht hauptverantwortlich gewesen. Inzwischen stünden Portugal und Spanien im Visier der "Finanz-Hasardeure". Sie stellten eine Gefahr für die ganze Euro-Zone dar, die nicht hoch genug bewertet werden könne.


"Meines Erachtens muss man einschreiten", forderte der BaFin-Chef. Diese "unheilvolle Dynamik", bei der es um "irrsinnige Summen" gehe - von zweistelligen Billionensummen sei die Rede - müsse gebrochen werden. Ein isoliertes Verbot des einen oder anderen Instruments führe bei der Innovationsfreude der hochbezahlten Banker und Konstrukteure an den Finanzmärkten nicht weit, sagte Sanio. "Sie werden neue Instrumente finden". Die Kritik richtet sich vor allem gegen die ungeregelten Märkte für viele Derivative, für Hedge-Fonds und ähnliche Formen.

Spekulanten und Rating-Agenturen müssen sich als Folge der Schuldenkrise Griechenlands derweil auf neue Regulierungen in der Europäischen Union gefasst machen. Wenn die Finanzmärkte derzeit dieses oder jenes testen würden, gingen sie damit Aufsichtsbehörden und demokratische Institutionen an, teilte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso im Europäischen Parlament in Brüssel mit.

Kein Spielplatz für Spekulanten

Die Märkte dürften sich nicht von ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Funktion abkoppeln und zu ihrem Selbstzweck handeln. Die Kommission werde dafür sorgen, dass die Finanzmärkte kein Spielplatz für Spekulanten würden. "Wir werden rasch handeln, wenn weitere Regulierung notwendig ist", sagte Barroso.

Ins Visier nahm er auch die Rating-Agenturen. Die Herabstufungen der Bonitätsnoten Griechenlands, Portugals und Spaniens hatten die Zinsen auf Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder weiter in die Höhe getrieben. Barroso warf den Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch Ratings methodische Mängel vor. Die Agenturen stützten sich bei ihrem Urteil zu stark auf die allgemeine Marktstimmung als auf die Fundamentaldaten. Mit der Umsetzung der schon beschlossenen Vorschriften für Rating-Agenturen sollten diese unter die Aufsicht der künftigen europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde gestellt werden.

Die EU-Kommission prüfe außerdem, ob Vorgaben notwendig seien, damit Staatsanleihen angemessen bewertet würden. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hatte angekündigt, den Aufbau einer europäischen Ratingagentur als Konkurrenz zu den drei amerikanischen Häusern zu prüfen.

Der Europaabgeordnete Werner Langen (CDU) forderte nach den umstrittenen Abstufungen der Kreditwürdigkeit Griechenlands, Portugals und Spaniens mehr Wettbewerb unter den Rating-Agenturen. Zugleich dürften Beratung und Begutachtung nicht durch dieselbe Agentur stattfinden. "Wenn der Auftraggeber die Ratingagenturen bezahlt, kann man nicht erwarten, dass objektive und unabhängige Gutachten über den Auftraggeber herauskommen", sagte der Finanzmarkt-Experte.

wit/Reuters/dpa-AFX

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insgesamt 2795 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
15.05.2010 von -Philipp-: wahl(en)

wenn der Wähler wenigstens eine Wahl gehabt hätte ... ;-) mehr...

15.05.2010 von Spessartplato:

Der Herr Trichet hätte vielleicht erst einmal einen "Quantensprung" im eigenen Hirn vollführen müssen , bevor er den für Europa fordert. Druckt der eigentlich auf Teufel und komm raus Euros, ohne ab und zu mal zu [...] mehr...

15.05.2010 von c++:

Wenn es ein vernünftiges Umschuldungsabkommen gegeben hätte, wäre Griechenland geholfen gewesen. Aber einfach Zahlungseinstellung führt zur Kreditunwürdigkeit, siehe Argentinien. Dann gibt es kein Geld mehr. Das ist bei Staaten [...] mehr...

15.05.2010 von osramabenno: papa geht arbeiten

[QUOTE=Neinsowas;5513163] mein papa geht noch arbeiten, der trottel, bekommt 1500 euro netto und ich hartz4. abei bin ich schon börsen profi. in onlinespielen mache ich in realtime aus 100.000 in wenigen tagen 200.000. und [...] mehr...

15.05.2010 von Niamey: Griechenlandkrise und Sparen?

Ach ne? Herr Schäuble will die Gunst der Stunde nutzen um dem Steuerzahler noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen um es dann galant in die Taschen der EU in Brüssel umzuverteilen! Wenn ich in der Regierung wäre, so wüsste ich [...] mehr...

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Mini-Serie

AFP
Die Euro-Krise verschärft sich. Nach Griechenland werden zusehends auch Portugal und Spanien von Spekulanten attackiert. Irland und Italien könnten folgen.

Doch wie pleitegefährdet sind die vier Länder wirklich? In einer Mini-Serie analysiert SPIEGEL ONLINE, wie realistisch die Sparpläne der Staaten sind - und ob die Regierungen mächtig genug sind, sie umzusetzen.


Rettungspaket für Griechenland

Die Hilfe

AFP
Griechenland erhält in den nächsten drei Jahren Notfallkredite in Höhe von maximal 110 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Euro-Ländern. Diese Kredite bekommt das Land zu erheblich günstigeren Konditionen als auf dem Kapitalmarkt.

Die Helfer

Die Kosten für die Euro-Länder

Bedingungen und Risiken

Risiken für den deutschen Steuerzahler

Wer dem Paket noch zustimmen muss

Die Konditionen im Detail

Volumen

AFP
Griechenland erhält bis 2012 Notfallkredite in Höhe von maximal 110 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Euro-Ländern. Im ersten Jahr werden alle Euro-Länder bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen. Auf Deutschland entfallen 2010 bis zu 8,4 Milliarden Euro. Spanien hat 3,6 Milliarden Euro angekündigt, die Niederlande 1,8 Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will vom gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, das wären damit bis zu 15 Milliarden Euro.

Zinshöhe

Auflagen


Wie Rating-Agenturen arbeiten

Die Agenturen

Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements. Die weltweit einflussreichsten Rating-Agenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch .

Bedeutung des Ratings

Die Einstufung

Kritik

Rating-Agenturen

Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen.

Die drei Rating-Riesen

Standard & Poor's

Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's . Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).

Moody's

Fitch Ratings


Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC
Ca CC CCC
- D D Zahlungsausfall
Bewertungen der Rating-Agenturen
Land  Fitch  Standard & Poor's Moody's
Portugal AA- A- Aa2
Italien AA- A+ Aa2
Irland AA- AA Aa1
Griechenland BBB- BB+ A3
Spanien AAA AA Aaa



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