Von Sven Böll
Hamburg - Es ist ein Event ganz nach Wolfgang Mayrhubers Geschmack: die Auslieferung des ersten Super-Airbus A380 an die Lufthansa in Hamburg-Finkenwerder. Eine launige Rede, ein feierlicher Anlass - der Konzernchef ist in seinem Element.
Vor Mayrhuber hat Airbus-Chef Thomas Enders viel rhetorisches Schwarzbrot aufgetischt, unendlich vielen Leuten gratuliert und dabei stets mitgeklatscht, wenn es Beifall gab. Peter Hintze, trotz anstehender Euro-Rettung aus Berlin herbeigeeilter Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, spannte gar in einem Satz den Bogen vom A380 zur Bewahrung der Schöpfung. Getreu dem Motto: Je mehr wir fliegen, desto besser für die Umwelt.
Dann kommt Mayrhuber: Als sich die Lufthansa für den Kauf des A380 entschieden habe, sei bereits über eine vierte Startbahn für den Frankfurter Flughafen diskutiert worden, erzählt er. Normalerweise sei der Bau eines neuen Flugzeugs schwieriger als der einer Asphaltpiste. "Jetzt haben wir den A380, aber immer noch keine vierte Startbahn." Er sei aber davon überzeugt, dass sich mehr Menschen für den Superflieger begeistern, als dass Einwohner an Flughäfen den zusätzlichen Lärm fürchten.
Soll heißen: In der Demokratie entscheidet eben die Mehrheit. Und es wäre schön, wenn deren Wünsche schneller umgesetzt würden.
Aber am Nachmittag landet der A380 nach einer kleinen und für ein Flugzeug beeindruckend leisen Europatour auf seiner neuen Heimatbasis Frankfurt. In der Wartungshalle für den Super-Airbus gibt es - mit einer Mischung wie in Hamburg - viele Reden und noch mehr Getränke. Zum Abschluss tauft Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth den neuen Doppeldecker auf den Namen der Mainmetropole.
Ziemlich viel Aufhebens, könnte man meinen - trotz der Faszination, die das größte Passagierflugzeug der Welt (72 Meter lang, 80 Meter Spannweite, 24 Meter hoch) noch immer auslöst. Schließlich wird in Hamburg und Frankfurt nicht die erste, sondern bereits die 28. Auslieferung eines A380 gefeiert. Es geht nur um die erste Maschine für die Lufthansa.
Und trotzdem: Für die Luftfahrtbranche ist jede Übergabe des Giga-Airbus ein besonderes Ereignis. Lufthansa ist gerade einmal die fünfte Airline weltweit, die den A380 überhaupt in Betrieb nimmt. Und auch für Airbus ist dieser Mittwoch ein Festtag: Schließlich ist das Unternehmen angesichts zahlreicher technischer Probleme mit dem Flieger Jahre in Verzug. Bisher gibt es erst 202 Bestellungen. Mehr als doppelt so viel müssen es sein, bis das Unternehmen mit dem Superflieger Geld verdient. Ob das gelingt, ist bislang offen.
Noch setzt Lufthansa auf Boeing
Auch deshalb ist das 28. ausgelieferte Exemplar des A380 für Airbus ein Ereignis - und Werbung in eigener Sache. "Wir versuchen, von Mal zu Mal besser zu werden", sagt Konzernchef Thomas Enders. Bedeutsam ist der Tag für Airbus auch, weil die Lufthansa der wichtigste Kunde ist und in den vergangenen Jahrzehnten fast alle Modelle des europäischen Luftfahrtkonzerns im Angebot hatte. "Sie waren immer der Trendsetter für uns", sagt Enders in Richtung Mayrhuber.
Immerhin: Die deutsche Fluggesellschaft wird mit dem A380 deutlich schneller Geld verdienen als Airbus. Fast 350 Millionen Dollar muss das Unternehmen für die "Frankfurt am Main" laut Listenpreis hinblättern. Aber es gibt einen A380-Effekt bei den Passagieren. Laut Airbus lag die Auslastung des Prestigefliegers bei anderen Airlines im vergangenen Jahr im Schnitt bei rund 83 Prozent - und damit um bis zu vier Prozentpunkte höher als in anderen Maschinen.
Weil die Auslastung höher und gleichzeitig die Betriebskosten geringer sind - so sollen die Ausgaben für Sprit pro Passagier um 13 Prozent niedriger sein als beim Jumbojet von Boeing - verdienen die bisherigen vier Betreiber Emirates, Singapore Airlines, Qantas und Air France mit dem Airbus-Giganten bis zu 15 Millionen Euro im Jahr zusätzlich.
Luftfahrtbranche kriselt
Trotzdem dürfte die Lufthansa froh sein, dass sie ihr erstes Exemplar erst am Mittwoch erhalten hat - und nicht wie ursprünglich geplant vor zweieinhalb Jahren. Denn in der jüngeren Vergangenheit hat die Branche wie kaum eine andere unter der Wirtschaftskrise gelitten. Auch das deutsche Unternehmen rutschte im vergangenen Jahr in die roten Zahlen - nachdem es 2007 noch ein Rekordergebnis erzielt und auch 2008 passabel abgeschnitten hatte.
Das sind ganz gute Aussichten für die Lufthansa, die den Linienverkehr mit dem A380 ab dem 11. Juni nach Tokio starten wird und mit den anderen drei Exemplaren, die sie im Laufe des Jahres erhält, nach und nach auch Peking und Johannesburg bedienen will. Erst einmal fliegt sie am 6. Juni aber die deutsche Nationalmannschaft nach Südafrika. "Das ist ein gutes Symbol für eine friedliche und erfolgreiche WM", sagt Staatssekretär Hintze.
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