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28.05.2010
 

Schuldenkrise

Rating-Agentur Fitch straft Spanien ab

Börse in Spanien: Experten fürchten neue TurbulenzenZur Großansicht
dpa

Börse in Spanien: Experten fürchten neue Turbulenzen

Spanien spart - doch die Märkte bleiben skeptisch. Die Rating-Agentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des Landes gesenkt. Anleger reagierten nervös: Die US-Börse erlitt Verluste, auch der Euro verliert an Wert. Schon fürchten einige Experten neue schwere Turbulenzen.

New York - Spanien spart und versetzt damit die Märkte in Aufregung: Die Rating-Agentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Spaniens um eine Note heruntergestuft. Das Rating wurde von AAA auf AA+ zurückgenommen.

Als Grund nannte die einflussreiche Agentur am Freitag die drastischen Sparvorhaben der Regierung zur Senkung des Haushaltsdefizits. Diese werden sich mittelfristig negativ auf das Wirtschaftswachstum in Spanien auswirken. Ein geringeres Wachstum wiederum führt zu niedrigeren Steuereinnahmen.

Der Ausblick bleibe aber stabil, erklärte Fitch weiter. Spaniens wirtschaftlicher Anpassungsprozess werde allerdings schwieriger und dauere länger als bei anderen mit der Bestnote AAA bewerteten Staaten, hieß es.

Erst am Donnerstag hatten die Abgeordneten im spanischen Parlament mit nur einer Stimme Mehrheit einem milliardenschweren Sparpaket zugestimmt. Es sieht Kürzungen von 15 Milliarden Euro vor, darunter Lohnsenkungen im öffentlichen Dienst.

Für den Haushalt 2011 werde die Ausgabengrenze im Vergleich zu diesem Jahr um 7,7 Prozent auf rund 122,3 Milliarden Euro gesenkt, beschloss das Kabinett am Freitag. Die Regierung senkte zudem ihre Wachstumsprognosen für 2012 und 2013 um je 0,4 Prozentpunkte auf 2,5 beziehungsweise 2,7 Prozent. Nach Ansicht einiger Analysten bleiben die Schätzungen weiterhin zu optimistisch. Zuletzt hatte die Regierung bereits ihre Wachstumsprognose für 2011 auf 1,3 Prozent gesenkt.

Euro fällt auf Tagestief

Die Märkte reagierten nervös auf das Fitch-Urteil: Der Euro fiel nach der Herunterstufung auf ein Tagestief von 1,2292 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs gegen Mittag noch auf 1,2384 Dollar festgesetzt.

Auch die Aktienmärkte reagierten mit Verlusten. In den USA verlor der Dow-Jones-Inex Chart zeigen bis zum Handelsschluss 1,2 Prozent auf 10.136 Punkte. Auch der S&P-Index büßte 1,2 Prozent auf 1089 Zähler ein, der Index der Technologiebörse Nasdaq 0,9 Prozent auf 2257 Zähler.

Experten fürchten bereits neue Finanzturbulenzen. Mit der Fitch-Entscheidung werde der Sturm zurück an die Märkte gebracht, erklärte Sterling Smith von Country Hedging. Andere sagten indes, der Schritt von Fitch komme nicht völlig überraschend. Nun sei entscheidend, ob auch die anderen Agenturen Moody's oder S&P Spanien herabstufen. "Dann würden wir wahrscheinlich eine sehr negative Reaktion (der Märkte) haben", sagte John Praveen von Prudential International Investments Advisers.

S&P hatte Spaniens Bonitätsbewertung Ende April bereits auf AA+ mit einem negativen Ausblick gesenkt. Moody's hat Spanien als einzige Agentur noch nicht heruntergestuft. Die Benotung liegt bei AAA. Fitch hatte im Frühjahr bereits die Ratings für Griechenland und Portugal reduziert und damit die Sorgen vor einer Ausweitung der Schuldenkrise in Europa geschürt.

"Im Kern gesund"

Die Agentur versicherte jetzt, dass Spanien in den kommenden zwölf Monaten nicht weiter heruntergestuft werde. "Spaniens Kreditprofil bleibt sehr stark und wird von einem hohen Einkommen und einer breit aufgestellten Volkswirtschaft unterstützt. Der Finanzsektor ist im Kern gesund. Zudem verfügt Spanien über eine relativ hohe nationale Sparquote", hieß es in der Mitteilung der Agentur.

Die Leiterin der Abeilung Staatskasse und Finanzpolitik, Soledad Nunez, sagte, dass das Rating Spaniens trotz der Herabstufung noch immer hoch sei. Man müsse die Senkung im weiteren Zusammenhang mit den Strukturanpassungen sehen, die die spanische Wirtschaft gerade durchläuft.

Das in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnte Spanien wurde von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen, weil ähnlich wie in den USA eine Immobilienblase platzte. 2009 stieg die Neuverschuldung auf 11,2 Prozent. Die Gesamtverschuldung lag mit 53,2 Prozent aber unter dem EU-Durchschnitt. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei rund 20 Prozent.

Die Einstufung von Ratingagenturen entscheidet darüber, zu welchen Konditionen Konzerne, Banken und auch Länder auf den Kapitalmärkten Geld leihen können - je besser das Rating, desto niedriger die Zinsen. Eine Herabstufung, wie sie seit einiger Zeit bei Griechenland stattgefunden hat und jetzt bei Spanien für Aufsehen sorgt, bedeutet für den Kreditnehmer höhere Zinsen.

lgr/Reuters/dpa/AP/AFP

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Wie Rating-Agenturen arbeiten

Geschichte

Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.

Standard & Poor's

Moody's

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Wie die Agenturen arbeiten

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