Essen - Die Verhandlungen waren zäh, mehr als acht Stunden beriet der Gläubigerausschuss - am Ende steht die Übernahme der maroden Kaufhauskette Karstadt durch den Investor Nicolas Berggruen. Dies bestätigte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Abend. Der Ausschuss hatte seit dem Vormittag über die Offerten der Bieter Berggruen, Highstreet und Triton beraten.
Görg sagte, der Kaufvertrag solle "umgehend" unterzeichnet werden und im Spätsommer in Kraft treten. Der Gläubigerausschuss habe mit neun von elf Stimmen für Berggruen votiert. "Wir hatten von Anfang an die Zielsetzung, Karstadt als eines der ganz großen deutschen Unternehmen zu erhalten", so Görg.
Nach den bisherigen Planungen soll der Investor bis spätestens Mittwoch den Kaufvertrag für die Übernahme der bundesweit 120 Läden unterschreiben. Einen Tag später soll das Essener Amtsgericht über den Insolvenzplan entscheiden.
Die drei Interessenten Berggruen, das Immobilienkonsortium Highstreet und der deutsch-skandinavische Investor Triton hatten ihre Angebote kurzfristig nachgebessert. Vertreter der Bieter nahmen an der Sitzung zwar nicht teil. Alle Interessenten hätten jedoch angeboten, für Fragen zur Verfügung zu stehen. Ein vollständiges Angebot eines russischen Konsortiums unter Führung des Petersburger Unternehmers Artur Pachomow wurde offenbar nicht rechtzeitig vorgelegt.
Die Gewerkschaft Ver.di, die mit einer Stimme an der Entscheidung beteiligt war, hatte bereits vor den finalen Verhandlungen angekündigt, sich für Berggruen aussprechen zu wollen. Eine Sprecherin begründete dies mit dem von Berggruen vorgelegten Konzept, das offenbar keine Einschnitte bei den rund 25.000 Karstadt-Beschäftigten vorsieht.
Zahlungskräftiger Investor verlangt nur Mietminderung
Berggruen hatte lediglich Mietsenkungen für die 120 Warenhausstandorte gefordert, Highstreet und Triton dagegen auch Zugeständnisse der Belegschaft verlangt. Außerdem spreche für den Sohn des 2007 verstorbenen Kunstsammlers Heinz Berggruen die Nachhaltigkeit des Engagements. Darüber hinaus sei der 48-Jährige nicht auf Banken angewiesen, weil er selbst genug Geld besitze. Berggruen hatte im Vorfeld angekündigt, dem Konzern ein moderneres Image verpassen zu wollen.
Berggruen sagte, er sei glücklich, dass es nun vorwärts gehe mit dem Unternehmen. In einem Jahr sei Karstadt mit 130 Jahren zwar schon eine ältere Dame, aber hoffentlich im gewissen Sinn auch eine jüngere Dame - erneuert und interessanter.
"Wir danken für das uns entgegengebrachte Vertrauen und sind überzeugt, dass die Entscheidung richtig war, denn wir präsentierten das beste Geschäftskonzept, die am stärksten unternehmerisch ausgerichtete Strategie, und wir bieten die höchsten Chancen für nachhaltigen Erfolg", sagte Berggruen. "Zugleich möchte ich es nicht versäumen, den mehr als 25.000 Mitarbeitern für ihre Geduld und ihren Einsatz sowie allen Karstadt-Kunden für ihre Treue zu danken und hoffe, gemeinsam mit ihnen Karstadt erfolgreich weiter zu entwickeln."
Das Handels- und Touristikunternehmen Arcandor hatte am 9. Juni 2009 Insolvenz angemeldet, womit auch die Konzerntöchter Karstadt und das Versandhaus Quelle in die Pleite rutschten.
jok/Reuters/dpa-AFX/APN/AFP
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Karstadt-Vermieter droht Investor Berggruen http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,699401,00.html Jetzt kommen die Daumenschrauben noch vor der Unterschrift, nachdem der Vermieter erfuhr, dass Berggrün nur [...] mehr...
alternder playboy sucht nach sinnvoller beschaeftigung (?) und selbst wenn die vermieter jetzt die mieten senken. bei der naechsten erhoehung wird dann zugeschlagen. es gibt einfach 60 bis 80 kaufhaeuser zuviel in dtld. aber [...] mehr...
ich halte diese Entscheidung für absolut richtig, weil hier Kapital- und Mitarbeiterinteressen gleichberechtigt behandelt werden. Mit Den Immobilienrisiken wird Herr Berggruen fertig werden, denn da kommt er her und deshalb wird [...] mehr...
Es ist schade, dass solche Menschen wie Nicolas Berggruen nicht in der Politik zu finden sind! Statt dessen besteht unsere Regierung (meiner Meinung nach) aus selbstsüchtigen, machtgierigen, überbezahlten Populisten die nicht das [...] mehr...
wie lange sich Bergrün die hohen Mieten und vor allem die unglaublichen Personalkosten (bei übelest unmotiviertem und veraltetem Personalstamm)antun wird. Hier ist richtig was zu tun. Vom investionsstau möchte ich gar nicht [...] mehr...
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