New York - Der Börsenwert von BP ist in nur sieben Wochen um über 82 Milliarden Dollar abgestürzt. Der Ölkonzern ist damit nur noch halb so viel wert wie vor der Katastrophe im Golf von Mexiko. Am Mittwoch rutschte die Aktie an der Wall Street erneut um 16 Prozent ab und lag nur noch bei 29,20 Dollar, so niedrig wie zuletzt im August 1996. Die Marktkapitalisierung liegt jetzt unter dem Buchwert. In Einzelteilen wäre BP also mehr wert als im Ganzen.
Als Anlass für den Absturz gelten Drohungen der US-Regierung, BP müsse für Gehälter entlassener Ölarbeiter auch bei der Konkurrenz aufkommen. Das vorübergehende Verbot von Tiefseebohrungen nach der Ölpest hat zu Entlassungen von Ölarbeitern geführt, die Kosten für die Entschädigungen könnten in die Millionen gehen. Zudem fließt wohl weiterhin mehr Öl aus als vom Konzern angegeben.
Analysten glauben, dass BP für die Folgen der Ölpest bis zu 33 Milliarden Dollar zahlen muss. Zum Vergleich: 2009 hat der Konzern 16,6 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Bislang hat BP nach eigenen Angaben 1,4 Milliarden Dollar für den Kampf gegen die Ölpest ausgegeben.
Damit steht BP vor einem Horrorszenario. "Der Markt sieht die Zukunft des Konzerns gefährdet", sagte Oppenheimer-Analyst Fadel Gheit dem "Wall Street Journal". "Die Anleger glauben, dass BP-Chef Tony Hayward abgesetzt wird, die Dividende auf unbestimmte Zeit gestrichen wird und am Ende sogar die Abwicklung des Konzerns droht."
Hayward bemüht sich, die Panik der Anleger als ungerechtfertigt darzustellen: "Es gibt keine objektiven Gründe für diesen Börsenwert", sagte er im Krisenzentrum des Konzerns in Houston. "Wir bewältigen diese Lage als starkes Unternehmen und haben genügend Kapazitäten, um die Kosten des Unglücks zu bezahlen und berechtigte Forderungen zu erfüllen."
Damit macht er indirekt klar: Die neuen Forderungen der US-Regierung wird BP nicht so einfach hinnehmen. "Irgendwo muss auch Schluss sein", sagte ein namentlich nicht genanntes Mitglied der Konzernführung dem "Wall Street Journal". Es droht ein langjähriger Rechtsstreit - mit weiteren Kosten und neuen Problemen für die öffentliche Wahrnehmung.
Noch kann Hayward auf die Unterstützung des BP-Boards zählen. Man stehe zu der Führung und ihrem Krisenmanagement, heißt es. Doch wie lange das angesichts der neuen Hiobsbotschaften so bleibt, ist ungewiss.
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cte
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