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10.06.2010
 

Rüge vom US-Kongress

Goldman Sachs lieferte Daten zum Raten

Proteste gegen Bankenhilfe: Längst sind die Vorwürfe zum Selbstläufer gewordenZur Großansicht
REUTERS

Proteste gegen Bankenhilfe: Längst sind die Vorwürfe zum Selbstläufer geworden

Ein Affront gegen den Finanzausschuss des US-Kongresses bringt Goldman Sachs erneut in die Schlagzeilen. Mit mehreren Terabyte an Daten hatte die Investmentbank die Parlamentarier überhäuft - nun wird ihr Verschleierung brisanter Informationen vorgeworfen.

New York - Ein paar Wochen war Ruhe. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko beherrschte die Nachrichten, und mit ihnen der Ölkonzern BP. Doch inzwischen konzentrieren sich die amerikanischen Hauptnachrichten wieder auf die US-Investmentbank Goldman Sachs Chart zeigen: Deren Geschäftsführung hat die Ausschussmitglieder des US-Kongresses mit einer speziellen Art von Hinhaltetaktik gegen sich aufgebracht.

Der Ausschuss des US-Kongresses zur Aufarbeitung der Finanzkrise hatte Goldman Sachs um Dokumente gebeten - und anschließend mehrere Terabyte an Daten erhalten. Die Sichtung hätte Wochen und Monate in Anspruch genommen. "Wir haben sie nicht gebeten, mit dem Kipplaster vor unsere Büros zu fahren und einen Haufen Müll abzuladen", ereiferte sich der Abgeordnete Phil Angelides zu Wochenbeginn.

Doch die Politiker ließen sich nicht einschüchtern: Sie verdonnerten Goldman Sachs dazu, ihnen die angefragten Unterlagen sauber sortiert zu übergeben. Und das vor aller Öffentlichkeit. Eine schwere Schmach für die Bank, die eiligst beteuerte, sie tue alles, um den Ausschuss mit Informationen zu versorgen. Nun müssen demnächst (wieder einmal) die Bankspitzen zum Rapport erscheinen.

Es sind diese medialen Demütigungen, die Goldman Sachs so schwer schaden. Sie verunsichern die Mitarbeiter genauso wie die Geschäftspartner. Der Ruf als zwar harter, aber vertrauenswürdiger Spieler am Finanzmarkt ist dahin. Das zeigt eine Umfrage des Finanzdienstleisters Bloomberg unter 1001 Investoren. Fast zwei Drittel davon glauben, dass das Wall-Street-Haus zu Recht ins Visier der US-Börsenaufsicht SEC geraten ist.

Politiker nutzen Stimmung gegen die Wall Street

Mit der im April veröffentlichten Klage der SEC hatte der Spießrutenlauf begonnen. Die Börsenwächter werfen Goldman Sachs vor, Anleger bei einem Geschäft mit Hypothekenpapieren über den Tisch gezogen zu haben. Der Gesamtschaden liegt ihrer Meinung nach bei mehr als einer Milliarde Dollar. Eines der Opfer soll die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB sein.

Die Goldman-Sachs-Bosse beteuern ihre Unschuld, doch längst sind die Vorwürfe zum Selbstläufer geworden. Erst am Mittwoch hängte sich ausgerechnet einer der berüchtigten Hedgefonds an die SEC-Klage an. Die für ihre hochriskanten Geschäfte bekannten Investoren werfen der Investmentbank ebenfalls vor, sie hinters Licht geführt zu haben und verlangen mehr als eine Milliarde Dollar Wiedergutmachung. Überdies schaut sich die SEC laut US-Medien ein weiteres Goldman-Geschäft genauer an.

Vielen Politikern kommen die Vorwürfe gelegen. Sie nutzen den Fall Goldman Sachs, um einen Sittenverfall in der Finanzbranche plakativ anzuprangern. Mehr als einmal mussten Bankchef Lloyd Blankfein und seine Mannen schon vor Ausschüssen des US-Kongresses aussagen. Die Parlamentarier hielten ihnen vor laufenden Kameras genüsslich Passagen aus bankinternen E-Mails vor, in denen Mitarbeiter von "dreckigen Geschäften" sprachen.

Der Finanzmarktreform von Barack Obama gab das zweifellos Auftrieb. Der US-Präsident will mit ihr den Banken engere Grenzen setzen und eine neue Krise verhindern. Die oppositionellen Republikaner gaben im Senat ihren Widerstand auf. Noch vor Juli könnte das Gesetz unterschriftsreif sein. Dann, so glauben Goldman-Mitarbeiter, wird auch in ihrem Hause wieder Ruhe einkehren.

mik/dpa

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Die Akteure in der Goldman-Affäre

Goldman Sachs

REUTERS
Die US-Investmentbank soll Investoren um eine Milliarde Dollar geprellt haben. Die Börsenaufsicht SEC hat eine Zivilklage gegen die Bank eingereicht. Im Zentrum der Klage: Sogenannte "collateralized debt obligations" (CDO). Die fragliche CDO trug den Namen "Abacus 2007-AC1". Dieses "synthetische" Spekulationsvehikel war nichts anderes als ein Portfolio aus weiteren Kunstprodukten: "Credit default swaps" (CDS) - virtuelle Versicherungsverträge, mit denen sich Großbanken gegen Verluste auf dem Immobilienmarkt absicherten.

Der Hedgefonds-Milliardär John Paulson soll von Anfang an auf ein Scheitern von "Abacus" spekuliert haben - und zwar mit dem Wissen der Goldman-Sachs-Verantwortlichen. Die Bank streitet die Vorwürfe als "völlig haltlos" ab und will sich und die eigene Reputation "energisch verteidigen".

Fabrice Tourre

John Paulson

Börsenaufsicht SEC

Finanzmakler ACA

IKB


Interaktive Grafik

Sie waren die Götter des Geldes, jetzt trifft die Goldman-Sachs-Banker der geballte Zorn. Interne Mails belegen das zynische Geschäftsgebaren der Finanzmanager. SPIEGEL ONLINE hat die krassesten Schreiben dokumentiert.





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