Von Stefan Schultz
Hamburg - Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva spricht von einem "Geschenk Gottes", seine mögliche Nachfolgerin Dilma Rousseff von einem "Weg in die Zukunft". Gemeint sind die gewaltigen Rohstoffschätze, die in der Tiefsee vor Brasiliens Küste schlummern. Seit ihrer Entdeckung träumt das Land vom Aufstieg zur Wirtschaftsgroßmacht.
Realisieren soll diesen Traum Petroleo Brasileiro, genannt Petrobras. Schon jetzt ist das Unternehmen, an dem der Staat gut ein Drittel des Gesamtkapitals hält, ein Ölgigant: 2009 erzielte der Konzern einen Gewinn von umgerechnet gut 16,6 Milliarden Dollar, er produziert rund ein Fünftel des weltweit vor den Küsten gewonnen Öls und gilt als Technologieführer für Tiefseebohrungen.
Dabei ist das noch bescheiden im Vergleich zu den Vorhaben, die Petrobras in den kommenden Jahren umsetzen möchte. Laut aktuellem Business-Plan will der Energieriese bis 2014 sagenhafte 224 Milliarden Dollar in die Erkundung und Förderung neuer Tiefsee-Ölfelder investieren, gut 45 Milliarden Dollar pro Jahr.
An diesem Dienstag geht es los. Auf einem außerordentlichen Treffen sollen die Petrobras-Aktionäre zwei gigantische Kapitalerhöhungen absegnen - und so den Grundstein für Brasiliens Energiezukunft legen. Konkret sind folgende Maßnahmen geplant:
Die Zustimmung der Aktionäre gilt als sicher, da die brasilianische Regierung über einen Großteil der Stimmrechte verfügt. Die Kapitalerhöhung ist eine der gewaltigsten überhaupt. Die bislang größte schaffte laut "Börsenzeitung" der japanische NTT-Konzern im Jahre 1987 - mit 36,8 Milliarden Dollar.
Trotz der riesigen Dimension hat die Aktienplatzierung gute Chancen. Ein Regierungsvertreter habe signalisiert, dass der Staat alle Aktien kaufen werde, die Petrobras nicht an Privatanleger verkaufen kann, berichtet die Zeitung "O Estado de São Paulo". Präsident Lula käme das entgegen: Er will Brasiliens Energiesektor, der in den neunziger Jahren privatisiert wurde, wieder stärker staatlich kontrollieren. Petrobras wird dadurch für Brasilien immer stärker zu dem, was Gazprom für Russland ist.
"Doch auch für private Investoren ist Petrobras ein attraktives Anlageziel", sagt Bill Farren-Price, Chef der Londoner Firma Petroleum Policy Intelligence und seit 15 Jahren Beobachter der Branche. "Die Geschäftsaussichten des Konzerns sind stabil - trotz des Desasters im Golf von Mexiko."
Riskantere Bohrungen als bei BP
Tatsächlich dürfte die Havarie von BPs Ölbohrplattform "Deepwater Horizon", deren Explosion eine der verheerendsten Umweltkatastrophen aller Zeiten verursachte, Brasiliens ehrgeizige Energiepläne nicht stoppen. Zwar hat US-Präsident Barack Obama nach dem Desaster neue Tiefseebohrungen für ein halbes Jahr verboten - Brasilien jedoch sendet keinerlei Signale, Konsequenzen zu ziehen. Petrobras schweigt auf seiner Web-Seite zu dem Unglück.
Dabei sind die Projekte, die Petrobras plant, noch viel riskanter als die von BP im Golf von Mexiko. Der Konzern stößt bei der Erschließung des Pré-Sal-Gebiets in bislang unerschlossene Tiefen vor: Bis zu 2000 Meter unter dem Meeresspiegel will sich der Konzern durch eine kilometerdicke Salzschicht bohren, manche Vorkommen liegen 7000 Meter tief.
Petrobras versichert, bei der Förderung internationale Richtlinien, Normen und Praktiken zu befolgen. Doch auch der Offshore-Technologieführer hat schon gewaltige Umweltkatastrophen mitverursacht. Am 15. März 2001 explodierte die seinerzeit größte Ölbohrplattform P-36 im Roncador-Ölfeld, rund 125 Kilometer vor der brasilianischen Küste ( Abschlussbericht der Untersuchung...). Elf Menschen kamen ums Leben - wie beim "Deepwater Horizon"-Unglück. Am Morgen des 20. März versank P-36 im Meer und hinterließ einen gewaltigen Ölteppich - den die Strömung aufs offene Meer hinaustrieb.
Brasiliens Traum vom Aufstieg zur Wirtschaftsgroßmacht
Brasiliens Politiker werden sich den Traum vom Aufstieg zur Ölgroßmacht trotzdem nicht vermiesen lassen. Zu viel steht für sie auf dem Spiel:
Es ist daher unwahrscheinlich, dass Brasilien seine Offshore-Ambitionen herunterschraubt - selbst die Katastrophe im Golf von Mexiko wird daran wohl nichts ändern. "In den USA ist der Offshore-Ölboom vorerst gestoppt, in anderen Teilen der Welt ist die Euphorie ungebrochen", sagt Bukold. "Brasilien eröffnet gerade die nächste Front."
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Da gebe ich Ihnen Recht, dass nicht ganz Brasilien Curitiba oder Sao Paulo ist. Ebensowenig ist aber ganz Brasilien Recife oder Belém. Und auch im Nordosten hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Die Wirtschft wächst dort [...] mehr...
Zum grössten Teil d'accord was die Überheblichkeit des Westens zu Schwellenländern im allgemeinen und Brasilien im speziellen betrifft. Nur sind die von Ihnen genannten Beispiele ( Umweltschutz etc. ) zwar äusserst [...] mehr...
Als Brasilianer kann ich diese deutschen 3.-Welt-Klischees nicht mehr lesen. Kaum versucht ein Schwellenland, Wohlstand zu generieren, wird gleich darauf herumgehackt. In Brasilien baut man in Städten Achsen, an denen man schicke [...] mehr...
Du regst dich darüber auf, wie wir uns über die Naturgesetze hinwegsetzen, das tun wir aber nicht. Niemand kann das, außer Gott vielleicht! Es gab mal eine Spezies, die vernichtete alles Leben dieser Welt, sie hat als [...] mehr...
Der Wüstenstrom hat nicht viel mit Öl zu tun... Öl wird zur Stromgewinnung in Deutschland faktisch überhaupt nicht verwendet. In der Sahara wird aber nur Strom gewonnen werden, von Wasserstoff als Energieträger redet heute (zu [...] mehr...
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