London/Berlin - "BP sucht Hilfe bei Investoren aus dem Nahen Osten", "Britische Regierung bereitet sich auf Kollaps von BP vor": Dramatischer könnten die Schlagzeilen für den britischen Ölkonzern kaum sein - doch was für BP ein Problem darstellt, beflügelt Börsianer. Anleger langten am Dienstag wieder kräftig bei BP-Papieren zu. Die Aktie notierte am Vormittag zeitweise mehr als drei Prozent im Plus.
Allerdings hatten BP-Aktionäre es in den vergangenen Monaten auch nicht leicht: Seit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat sich der Aktienkurs des Krisenunternehmens nahezu halbiert - der Konzern ist an der Börse inzwischen hundert Milliarden Dollar weniger wert.
Nun spekulieren Marktteilnehmer offenbar darauf, dass BP von außen aus dem Schlamassel gezogen wird. BP könne sich einen potenten Investor an Bord holen, um sich gegen eine mögliche Übernahme zu schützen, hatten britische Zeitungen bereits in den vergangenen Tagen berichtet. Gleichzeitig könne ein solcher Investor helfen, Mittel einzusammeln, um die Kosten der Ölkatastrophe zu stemmen.
Auch Libyen soll Interesse an dem Konzern haben
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat der Konzern inzwischen Kontakt zu mehreren Staatsfonds im Nahen Osten und Asien aufgenommen. BP-Führungskräfte hätten Gespräche mit Vertretern von Staatsfonds in Abu Dhabi, Kuwait, Katar und Singapur geführt, sagte eine hochrangige Person aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die nicht genannt werden wollte. "BP sucht einen strategischen Partner, damit es nicht von anderen großen Ölgesellschaften wie Exxon und Total übernommen wird", sagte die Person weiter.
Das "Wall Street Journal Europe" heizte die Spekulationen mit einem Bericht über ein mögliches Interesse Libyens nun weiter an. So habe ein führender Ölmanager des Landes die Aktien als Schnäppchen bezeichnet.
Ein weiteres Szenario ist, dass die Regierung in London BP beispringt. Wie die "Times" berichtet, bereitet sie sich auf einen Zusammenbruch des Konzerns vor. Derzeit werde bereits diskutiert, ob sich die Regierung im Ernstfall und unter strengen Bedingungen an einer Hilfsaktion beteiligen könnte, sagte ein mit den Beratungen Vertrauter der Zeitung. Ein zweiter sagte, es sei "noch nicht klar, wie schlimm es wird, aber die Regierung muss auf alles vorbereitet sein".
yes/dpa/Reuters
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