München/Ingolstadt - Sie sind wieder da, die deutschen Premium-Autohersteller. Wie Daimler
profitieren auch BMW
und Audi
von der unerwartet raschen Nachfrageerholung und fuhren im Juni deutliche Zuwächse beim Absatz ein. Allerdings bleibt der Heimatmarkt Deutschland weiter schwach.
Im Juni verkaufte BMW weltweit 143.000 Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce und damit 12,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr lief damit ein Absatzplus von 13,1 Prozent auf 696.026 Fahrzeuge auf.
Bei Audi legte der Absatz im Juni um fast neun Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 99.250 Fahrzeuge zu. Zwischen Januar und Juni betrug das Plus sogar gut 19 Prozent auf 554.950 Fahrzeuge. "Das erste Halbjahr ist vor allem in den europäischen Märkten und den USA deutlich besser gelaufen, als wir erwartet hatten", sagte Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer.
So gut sich die Absätze der Premium-Hersteller auch entwickeln - sie wachsen vor allem im Ausland. Denn die deutschen Pkw-Zulassungen sind im ersten Halbjahr auf die schwächste Sechs-Monats-Bilanz seit der Deutschen Einheit eingebrochen. Die 1,47 Millionen Neuanmeldungen liegen noch unter den 1,58 Millionen Pkw von 2007, die bislang als niedrigster Halbjahreswert bei den gesamtdeutschen Zulassungen zu Buche standen. Im Abwrackprämien-Boomjahr 2009 waren es 2,06 Millionen Pkw, im davor liegenden Krisenjahr 2008 nur 1,63 Millionen.
Deutliches Minus bei Kleinwagen
Hatten vor Jahresfrist - vor allem durch die Abwrackprämie bedingt - Klein- und Kompaktwagen deutscher Hersteller die Zulassungen am heimischen Pkw-Markt deutlich dominiert, normalisiert sich ihr Marktanteil laut Branchenverband VDA wieder. Aktuell liegt er bei gut 50 Prozent (2009: 62 Prozent). Zugleich gewinnt das Mittelklasse-Segment Marktanteile zurück. Dazu tragen auch die wieder gestiegenen gewerblichen Neuzulassungen bei. Der durch die Umweltprämie forcierte Anteil privater Neuwagenkäufer fiel von 63 Prozent im Vorjahr auf jetzt 44 Prozent zurück.
Die Nachfrage nach Minis und Kleinwagen fiel im ersten Halbjahr um fast die Hälfte (47 Prozent) gegenüber dem Boomjahr 2009. Auch die Kompaktklasse als traditionell absatzstärkstes Segment verzeichnete mit 411.229 neuen Pkw 26,8 Prozent weniger Zulassungen als vor Jahresfrist.
Daran konnte auch der weiterhin ungefährdete Bestseller VW Golf nichts ändern. Er kam mit 136.928 Neuanmeldungen allein auf ein Drittel aller Verkäufe in seinem Segment und ließ den Erzrivalen Opel Astra um 100.000 Zulassungen hinter sich. Dennoch verzeichnet auch der Golf nach einem Juni-Einbruch um 50 Prozent in der Sechs-Monats-Bilanz 21 Prozent weniger Neuzulassungen. Aber auch alle anderen Modelle in den Top Ten mussten zweistellige Einbußen in der Halbjahresbilanz hinnehmen.
| Top Ten der Neuzulassungen in Deutschland (1. Halbjahr 2010) | ||
| Modelle | Anzahl (Entwicklung zum Vorjahr in %) | |
| 1. | VW Golf | 136.928 (-21,0) |
| 2. | VW Polo | 51.008 (-22,7) |
| 3. | Opel Astra | 36.898 (-33,2) |
| 4. | VW Passat | 36.206 (-23,5) |
| 5. | BMW 3er | 35.333 (-10,2) |
| 6. | Opel Corsa | 33.438 (-42,8) |
| 7. | Audi A3 | 32.214 (-14,2) |
| 8. | Mercedes C-Klasse | 32.103 (-19,6) |
| 9. | Audi A4 | 31.119 (-25,0) |
| 10. | BMW 1er | 30.219 (-24,0) |
böl/dpa/ddp/Dow Jones
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