Wirtschaft



ThemaSolarenergieRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.08.2010
 

Unternehmer Krinner

Bayerns ungekrönter Sonnenkönig

Von Julia Kimmerle, Straßkirchen

Unternehmer Klaus Krinner: Bauer, Erfinder, Solarfachmann
Fotos
Julia Kimmerle

Klaus Krinner ist Landwirt, Christbaumständer-Erfinder und machte als Unternehmer ein Vermögen. Jetzt hat der 71-Jährige die größte Solaranlage Deutschlands errichtet - sie erstreckt sich über die Fläche von 190 Fußballfeldern.

Hinter den Maisfeldern glänzt es. "Fast wie ein See", sagt Klaus Krinner. Mit dem Geländewagen nimmt er Kurs auf den Silberstreif, der in der Sonne glitzert. Der Silberstreif ist kein See, sondern ein gigantischer Solarpark. Er liegt im niederbayerischen Straßkirchen, mit einer installierten Leistung von 54 Megawatt ist er die größte Photovoltaikanlage Deutschlands und die zweitgrößte der Welt. Insgesamt erstreckt sich der Solarpark über 135 Hektar - so viel wie 190 Fußballfelder.

Krinner ist Bauer, Erfinder, Unternehmer - und Solarfachmann. Er hat den Solarpark der Superlative auf die Beine gestellt und ist der ungekrönte "Sonnenkönig von Bayern". Auch wenn er das nicht gern hört.

Wenn Krinner erklären soll, warum ein bayerischer Landwirt ins Solargeschäft eingestiegen ist, dann muss er etwas ausholen. In seinem Büro am Firmensitz der Krinner GmbH in Straßkirchen hängt eine große Luftaufnahme des Parks. Vor 40 Jahren baute Krinner in der Gegend Erdbeeren an. Er war ein Landwirt, der den Hof der Eltern führte und schon früh erkannte, dass die Zukunft der bayerischen Landwirtschaft wohl nicht mehr mit Getreide zu tun haben würde. Die Idee mit den Erdbeerfeldern war neu und einträglich. Kilometerlang standen die Autos vor seiner Einfahrt, erzählt er, so begehrt waren seine Früchte. Bis Billig-Erdbeeren aus dem Ausland dieses Geschäft immer unattraktiver machten.

Doch da hatte der heute 71-Jährige schon die nächste Idee: ein Christbaumständer, der funktioniert. "Der alte, des war ein Glump", sagt er. Ein treffender Ausdruck für etwas, das einfach nichts taugt. Nach vier Monaten Nachdenken kam ihm der Einfall zur "Rundum-Ein-Seil-Technik". Krinner ließ sich die Erfindung patentieren. Bis heute wurden über 13 Millionen Stück der Ständer verkauft, die wie große grüne Hundenäpfe aussehen und per Pedal zu bedienen sind (siehe Fotostrecke oben).

Obwohl der Tüftler mittlerweile ein weltweit arbeitendes Unternehmen leitet und mit seinen Erfindungen Millionen umsetzt, sieht er sich als Landwirt. In seinem Firmenwagen liegt immer ein Paar Gummistiefel im Kofferraum. Krinners Motto: Immer nur in einfache Dinge investieren, die "gehen" und die "die Leut brauchen".

Insgesamt hat seine Firma mehr als hundert Patente angemeldet. Seine letzte Erfindung sind Schraubfundamente - überdimensionale Gewindedübel, manche mehrere Meter lang, aus Eisen oder Plastik, mit denen man von der Kinderschaukel bis zur Überlandleitung alles in kürzester Zeit im Boden befestigen kann.

70 Millionen Euro Umsatz mit 50 Mitarbeitern

Hinter der Lagerhalle der Firma liegt ein sportplatzgroßes Testgelände, mit Carports, Gartenzäunen, Werbeschildern, Fahnenstangen, Straßenlaternen und Autobahnschildern. Mit seinen Bodendübeln befestigt.

Bis Krinner mit dieser Idee Erfolg hatte, dauerte es ein paar Jahre. Der Durchbruch kam Anfang des neuen Jahrtausends, als die rot-grüne Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz auf den Weg brachte (siehe Kasten linke Spalte). Denn seither boomt die Solarbranche - und mit den Schraubfundamenten lassen sich Solarpaneele in kurzer Zeit aufbauen.

Mittlerweile ist die Krinner GmbH in über 40 Ländern vertreten. Solaranlagen werden auf Schraubfundamenten aus Straßkirchen befestigt, Holzhäuser in Sibirien und Pilgerpfade samt Tempel in Korea. Die Firma mit gerade mal 50 Mitarbeitern erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 70 Millionen Euro, doppelt so viel wie im Jahr davor.

Die Gewerbesteuer soll an die Heimatgemeinde gehen

Da lag es nahe, dass Krinner eines Tages auch selbst ein Solarprojekt vorantreiben wollte. Mit Klein-Klein allerdings hat sich der Allrounder noch nie zufriedengegeben. So entstand die Idee zum Straßkirchener Mega-Sonnenpark.

Etwa 160 Millionen Euro hat die Anlage gekostet, finanziert von einem Joint Venture und jetzt im Besitz des Hamburger Emissionshauses Nordcapital. Krinner selbst gehört der Park nicht, aber er hat ihn ermöglicht. Weil die Anlage auf seinem Grund steht. Und weil er Anwohnerprotesten von vorneherein entgegenwirkte: Er konnte den Nachbarn versichern, dass auch sie etwas davon haben - denn bevor der Investor Anteile des "Solarfonds" an Anleger verkaufen konnte, musste er seinen Firmensitz nach Straßkirchen verlegen. Die Gewerbesteuer, das war Krinner wichtig, sollte an seine Heimatgemeinde gehen. Der Landwirt selbst verdient durch die Verpachtung des Landes 200.000 Euro im Jahr.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 24 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
04.08.2010 von gbl: Google Earth veraltet

Die Daten von Google Earth sind deutlich zu alt (obwohl ein Copyright 2010 dransteht). Sie sehen das beispielsweise wenn Sie Straßen einschalten, dann von Strasskirchen nach Westen die B8 entlang bis Aiterhofen scrollen und die [...] mehr...

04.08.2010 von Bärthold: Hier könnte Ihr Titel stehen

Die Bilder dort sind tw bis zu zehn Jahre alt. An der Stelle, an der ich gerade gut überdacht diesen Text tippe, ist auf GE auch nur Wiese zu sehen. Also noch ein paar Jahre Geduld... ;-) mehr...

04.08.2010 von gerlanbiken: Weil die Akzeptanz....

... für die Förderung der PV durch Steuergelder nur dann erhalten werden kann und einen Sinn hat, wenn neben der technologischen Entwicklung auch Arbeitsplätze in Deutschland entstehen. Deutsche Module haben m.W. auch einen [...] mehr...

04.08.2010 von Kursspion: Google Earth Koordinaten?

Verflixt! 190 Fussballfelder gross, Nähe Strasskirchen, aber bei Google Earth finde ich den Solarpark nirgends ... Ob mir hier vielleicht einer auf die Sprünge helfen könnt? Thx - KS mehr...

04.08.2010 von cha cha: solargo

Warum sollte das im Land des Exportweltmeisters irgend jemanden interessieren? Irgend wie muss das Ausland uns für unsere exportierten Autos und Maschinen bezahlen. Warum nicht in Form billiger PV-Module? mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema Solarenergie

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Die größten Photovoltaikanlagen der Welt
Leistung (MWp) Ort Namen
60 MW Spanien, Olmedilla(Castilla-La Mancha) Parque Fotovoltaico Olmedilla de Alarcón
54 MW Deutschland, Straßkirchen Solarpark Straßkirchen
53 MW Deutschland, Turnow-Preilack Solarpark Lieberose
50 MW Spanien, Puertollano(Castila-La Mancha) Parque Fotovoltaico Puertollano
46 MW Portugal, Moura(Alentejo) Moura photovoltaic power plant
45 MW Deutschland, Köthen Solarpark Köthen
42 MW Deutschland, Finsterwalde Solarpark Finsterwalde
40 MW Deutschland, Brandis Solarpark Waldpolenz
34.5 MW Spanien, Trujillo(Cáceres) Planta Solar La Magascona & La Magasquila
Stand: Juli 2010, Quelle: SPIEGEL ONLINE

Eckpunkte der Solarförderung

Die Koalition hat sich auf ein Paket geeinigt, mit dem die Förderung von Solarstrom gekürzt werden soll - die Eckpunkte im Überblick (Stand: 24 April 2010)

Dachanlagen

Eigenverbrauch

Ackerflächen

Freiflächen

Deckelung ab 2011

Deckelung ab 2012


Was Solarstrom kostet

Welche Kosten anfallen

REUTERS
Im Jahr 2009 gingen in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 3000 Megawatt ans Netz. Dies entspricht 3.000.000 Kilowatt. Pro Kilowatt liegt der durchschnittliche Stromertrag - konservativ gerechnet - bei 900 Kilowattstunden im Jahr. Die Vergütung laut Erneuerbare-Energien-Gesetz ist für 20 Jahre garantiert. Sie beträgt - je nach Anlagengröße - 32 bis 43 Cent pro Kilowattstunde. Im Durchschnitt sind es rund 36 Cent.

Solarstrom 27 Cent teurer

10,4 Milliarden Euro Vergütungskosten

Explodierender Zubau

Was sind Solarschulden?

Der Preis

AP
Wer eine Solaranlage betreibt, darf seinen Strom unabhängig vom tatsächlichen Bedarf jederzeit ins Netz einspeisen. Die Vergütung wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt. Seit 1. Januar 2010 erhält man für Dachanlagen 29,37 bis 39,14 Cent pro Kilowattstunde, je nachdem, wie groß die Anlage ist.

Seit 1. Juli 2010 erhält man für Dachanlagen 25,55 bis 34,05 Cent pro Kilowattstunde, je nachdem, wie groß die Anlage ist. Ab 1. Oktober werden die Vergütungen auf 24,79 bis 33,03 Cent reduziert.

Zum Vergleich: Der Preis für konventionellen Strom schwankt an der Energiebörse zwischen fünf und acht Cent. Die Differenz, also die Mehrkosten, tragen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.

Die Laufzeit

Die Kosten

Der Schuldenberg





TOP



TOP