Von Christian Teevs
Hamburg - Da ist es wieder, das Feindbild Bahn: "Klimaanlagen, die nur im Winter funktionieren, sind ein schlechter Witz", sagt Erik Schweickert, Bundestagsabgeordneter der FDP. Auch beim Koalitionspartner CSU gibt man sich empört: "Ein ICE muss bei minus 40 Grad laufen und bei plus 40 Grad auch", lässt Verkehrsminister Peter Ramsauer seinen Staatssekretär verkünden.
Überraschend kommt das nicht. Kaum steht die Bahn in der Kritik, folgt unweigerlich die Schelte durch Politiker. Dieses Mal ist es das Hitzechaos.
Seit am Samstag neun Schüler in einem ICE einen Kollaps erlitten, vergeht kein Tag ohne neue Berichte über Bratröhren-Züge. Und über Menschen, die ärztlich versorgt werden müssen. "Die Situation macht uns sehr betroffen", sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Donnerstag in Berlin. Jeder Reisende, dessen Gesundheit beeinträchtigt werde, sei einer zu viel. Seit Freitag vergangener Woche sei bei 5500 Fernzugfahrten in 48 Fällen die Klimaanlage ausgefallen - warum es vor allem in ICE-2-Zügen passiere, sei immer noch nicht klar. Der Konzern tue alles, um zu ergründen, worin das Problem bestehe.
Inzwischen ist klar, dass die Klimaanlagen in den ICE-1- und -2 nur bis 32 Grad einwandfrei laufen, danach kühlen sie nicht mehr richtig. Bei neueren Modellen sind es 35 Grad. Sollte dies zutreffen, werfe dies ein schlechtes Licht auf die Bahn-Manager, sagt dazu FDP-Politiker Schweickert. Die Bahn müsse nun "dringend handeln" und ihre Klimaanlagen "sommerfest machen".
Klingt gut. Das Problem ist nur: Die Koalitionspolitiker unterschlagen, dass die aktuelle Bundesregierung und ihre Vorgänger an den Problemen eine Mitschuld tragen.
Denn die Bahn sollte sparen, um fit für einen Börsengang zu sein.
Der fiel dann zwar wegen der Finanzkrise aus. Aber der Staatskonzern durfte trotzdem nicht mehr Geld ausgeben - im Gegenteil. Erstmals fordert die Regierung nun sogar Geld zurück. 500 Millionen Euro jährlich, für die Bahn ist das angesichts von 15 Milliarden Euro Schulden und der teuren Übernahme des britischen Konkurrenten Arriva ein Batzen Geld.
Für den Börsengang sei "unglaublich bei den Kosten gespart" worden, kritisiert Winfried Hermann, Grünen-Politiker und Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestages. Zudem seien die Reservekapazitäten abgebaut worden, sprich, es gibt weniger Ersatz, wenn Züge ausfallen. Das räche sich natürlich bei hohen Belastungen, sagt Hermann.
Auch die Gewerkschaft der Lokführer GDL erhebt schwere Vorwürfe gegen Bahn und Politik. So sei auch eine "nicht voll umfängliche Wartung aller Komponenten" Grund für den Ausfall der Klimaanlagen. "Diese wurde früher gewährleistet, ist aber durch den Spar- und Börsenkurs zunehmend verlorengegangen", sagt GDL-Chef Claus Weselsky. Es sei "ein Unding, dass Zugbegleiter oder Lokomotivführer nach solchen Vorfällen angeklagt werden".
Wie will die Bahn nun ihre Probleme lösen? Kann sie von anderen Ländern lernen? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.
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Meine ERrfahrungen mit der Bahn sind gut. Aber scheinbar versuchen jetzt Politiker, sich an dem Problem hochzuangeln. Das Kuehlsystem der Bahn ist auf "normale" Tempaturen in unseren Breitengraden ausgelegt. Auf [...] mehr...
Die Bahn hatte schon wieder ein größeres Problem? Ist an mir vorübergegangen. Aber auch egal - dass da fortlaufend Probleme sind, wissen wir ja alle schon. mehr...
nichts mehr los hier? am WE viel doch wieder die Klima im Tunnel vor Stuttgart aus und das Abendland ging nicht unter? :LOL mehr...
Der Abbruch des Themas ist wohl tatsächlich das Beste, weil es keinen Sinn macht, sich auf Nebenschauplätzen zu tummeln. Es ist aber symptomatisch für die Strukturprobleme unseres Verkehrswesens, wie sich Verantwortliche [...] mehr...
Glauben sie mir: Mein Blutdruck und auch mein Adrenalinspiegel sind vollkommen in Ordnung. Sie werden mir hoffentlich gestatten, zu Pauschalanwürfen Ihrerseits weiterhin Fragen zu stellen. Warum sollte mir wat wundern? Ich [...] mehr...
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