New York - Die US-Investmentbank Goldman Sachs
hat im zweiten Quartal einen Dämpfer erhalten: Ein schleppend laufendes Geschäft, die britische Bonussteuer und die Rekordstrafe der Börsenaufsicht SEC haben den Gewinn auf 453 Millionen Dollar schrumpfen lassen. Vor einem Jahr hatte die profitabelste aller Wall-Street-Banken noch 2,7 Milliarden Dollar verdient.
An der Börse kam das Ergebnis nicht gut an: Die Aktie fiel im vorbörslichen Handel um mehr als zwei Prozent. Analysten hatten nicht mit den Sonderbelastungen gerechnet und einen höheren Gewinn prognostiziert.
"Das Marktumfeld ist während des zweiten Quartals schwieriger geworden", sagte Bankchef Lloyd Blankfein am Dienstag. Die Erträge lagen mit 8,8 Milliarden Dollar deutlich niedriger als im Vorjahr und auch als im ersten Quartal. Auch das Investmentbanking warf deutlich weniger ab als im Vorjahr, die Erlöse gingen um mehr als ein Drittel zurück. Der Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen lief ähnlich schlecht. Der Aktienhandel brach sogar um zwei Drittel ein.
Goldmans Konkurrenten mussten teilweise auch Gewinnrückgänge hinnehmen
Hinzu kamen die Sonderbelastungen: Mit der Bonussteuer will die britische Regierung die Finanzmärkte zügeln. Goldman Sachs kostete das 600 Millionen Dollar. Für den Vergleich mit der SEC muss die Bank 550 Millionen Dollar zahlen.
Die Börsenaufsicht hatte Goldman vorgeworfen, Anleger beim Verkauf von Hypothekenpapieren getäuscht zu haben. Bei den Titeln handelte es sich um das Derivat Abacus 2007-AC1. Besonders missfiel der SEC dabei die Rolle des Hedgefonds-Managers John Paulson. Er hatte an dem Produkt mitgearbeitet und anschließend mit einer Gegenwette Milliarden gemacht, indem die Bank ihnen die Rolle eines großen Hedgefonds verheimlichte, der gegen die Wertpapiere wettete.
Goldmans Konkurrenten konnten ein besseres Ergebnis vorweisen, allerdings mussten auch sie teilweise Gewinnrückgänge hinnehmen. Die Bank of America
, die in der Finanzkrise heftig ins Straucheln geraten und mit Staatshilfen gerettet worden war,
brachte es im ersten Quartal auf 3,1 Milliarden Dollar - im Vorjahr waren es 3,2 Milliarden Dollar. Die Citigroup
verdiente 2,7 Milliarden Dollar nach 4,3 Milliarden Dollar im Vorjahr.
JP Morgan veröffentlichte einen Quartalsgewinn von 4,8 Milliarden Dollar - 76 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
yes/dpa/Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
Warum gibt es eigentlich Banken und was passiert wenn das BIP zu einem Großteil über Investmentbanken erwirtschaftet wird und von der realen Wirtschaft abgekoppelt ist? Alternativlose Zwangsinflation? Systemfehler? Hat das [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema SEC | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH