New Orleans - Die beispiellose Ölpest im Golf von Mexiko, das desaströse Krisenmanagement von Konzernchef Tony Hayward - BP steht seit Wochen im Kreuzfeuer der Kritik. Trotzdem schafft es der Konzern immer wieder, mit ungeschickten Aktionen auch noch unnötigen Spott auf sich zu ziehen.
Neueste PR-Panne: ein gefälschtes Foto, auf dem das Katastrophenzentrum zu sehen ist, von dem aus BP die Krise managt. Darauf zu sehen sind die Schattenumrisse von BP-Mitarbeitern vor gigantischen Videoschirmen, die Details von der Katastrophe im Golf von Mexiko abbilden.
Das Problem: Mehrere der Bildschirme waren eigentlich schwarz. Das räumte BP-Sprecher Scott Dean am Dienstag ein. Ein Fotograf des Konzerns habe mit Hilfe von Photoshop nachträglich Bilder der Katastrophe auf die Monitore retuschiert (siehe Fotostrecke oben). Er habe nur seine Kenntnisse des Bildbearbeitungsprogramms unter Beweis stellen wollen, beteuerte der Sprecher. Die Mitarbeiter hätten nun strikte Anweisung, Photoshop nur noch für Veränderungen wie Farbkorrekturen oder das Erstellen von Ausschnitten zu verwenden.
Das ist auch besser so. Denn weit her war es mit den Retuschekünsten des BP-Angestellten offenbar ohnehin nicht. Am Wochenende entdeckte der Blogger John Aravosis den Schmu, machte zahlreiche Screenshots von Details des bearbeiteten Fotos und markierte mit Rotstift jeweils die Stellen, an denen sich erkennen lässt, dass BP per Bildbearbeitung nachgebessert hat.
PR-Schlappen ohne Ende
Schnell griffen die "Washington Post" und andere Blogs das Thema auf. Am Montag zeigte BP auf seiner Web-Seite das Originalbild, auf dem zu sehen ist, dass mehrere der Bildschirme in Wahrheit schwarz sind. Auch das wurde hämisch kommentiert.
Bleibt die Frage, was sich BP von der Aktion versprochen hat? War es die Einzelaktion eines übereifrigen Mitarbeiters? Hatte der Konzern tatsächlich Angst, die drei schwarzen Bildschirme könnten als schlechtes Krisenmanagement ausgelegt werden? Verglichen mit dem Spott, den sich der Konzern jetzt anhören muss, wäre das wohl ein vergleichsweise kleines PR-Unglück gewesen.
Ohnehin ist der Vorfall nicht die erste PR-Schlappe, die BP in den vergangenen Wochen hinnehmen musste. So musste der Konzern wegen der Ölpest sein Sponsoring des Bundespräsidenten-Sommerfests abgeben. Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, sie fände es "obszön", dass vom Energiemulti bezahlte Häppchen verspeist werden, "während Vögel und Meerestiere in klebriger Ölschlacke verenden".
Zuvor hatte Konzernchef Tony Hayward mit zahlreichen Verbalausfällen für Negativschlagzeilen gesorgt. Am 14. Mai etwa sagte der BP-Chef: "Der Golf von Mexiko ist ein sehr großer Ozean." Die Menge an Öl und Chemikalien, "die wir dort hineintun, ist winzig im Vergleich zur gesamten Wassermenge".
Außerdem schockierte Hayward mit taktlosen Äußerungen über Leben und Tod. Elf Menschen kamen bei der Explosion der "Deepwater Horizon" vermutlich ums Leben, zahllose Vögel, Fische, Pelikane, Meeresschildkröten und Delfine starben im Ölteppich. Hayward hielt das nicht davon ab zu sagen: Es gebe niemanden, der sich stärker wünsche, dass die Ölkatastrophe ein Ende finde. "Ich möchte mein Leben zurück." Später entschuldigte er sich.
Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil
ssu
Auf anderen Social Networks posten:
Also lieber Spiegel. Ich würde es nicht Panne nennen. Es handelt sich hier um eine Art Vertuschung und Betrug. Sorry aber wenn eine Firma für die größte Umweltkatastrophe aller Zeiten verantwortlich ist und dann gefälschte Fotos [...] mehr...
Wobei liegt denn hier der Unterschied? Geht es im Grunde nicht um genau die selbe Sache? Man verarscht die Leute, mal mehr oder weniger gut. Und das seltsame ist, der Großteil weiß das auch. Genau bei dieser [...] mehr...
Das neue Motto von BP lautet vermutlich: "Tanken Sie ruhig, wir kümmern uns um die Details." Flankiert wird das Ganze von der US-Regierung und den örtlichen Behörden, die Badestrände als unbedenklich einstufen und [...] mehr...
Dass Pressemeldungen geschönt sind, weiß jedes Kind. Dass das kopieren des Inhaltes von einem eingeschalteten Bildschirm in einen ausgeschalteten Bildschirm die Information des Bildes nicht wirklich ändert, sieht jeder. Also was [...] mehr...
...ist ja noch alles in Ordnung. Schlimm wird es, sobald man den Betrug nicht mehr erkennen kann. mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema BP | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH