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23.07.2010
 

Sendepause für Telekom-Mitarbeiter

Machen Sie jetzt Ihr Handy aus

Mann am Telefon: Zu viel Kommunikation ruiniert die Erholung - die eigene und die andererZur Großansicht
Corbis

Mann am Telefon: Zu viel Kommunikation ruiniert die Erholung - die eigene und die anderer

Das Handy macht uns zu Sklaven der Erreichbarkeit - am Abend, am Wochenende, im Urlaub. Die Telekom erklärt diese Zeiten jetzt für Blackberry-frei: Mitarbeiter sollen ab- und ausschalten. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht die Verantwortliche über den E-Mail-Fluch, Erwartungen und Erfahrungen.

SPIEGEL ONLINE: Frau Maier, der Telekom-Vorstand hat im Juni eine Richtlinie zum "Umgang mit mobilen Arbeitsmitteln außerhalb der Arbeitszeit" beschlossen. Das klingt bürokratisch...

Mechthilde Maier: ...behandelt aber ein Problem, das inzwischen viele Arbeitnehmer kennen. Unsere Mitarbeiter sind mit ihren Blackberrys und Handys ständig erreichbar - abends, am Wochenende, im Urlaub. Die meisten Angestellten und vor allem Führungskräfte fühlen sich dadurch verpflichtet, über ihre Arbeitszeit hinaus der Firma zur Verfügung zu stehen. Das wollen wir ändern.

SPIEGEL ONLINE: Wieso? Wirklich nur, damit die Mitarbeiter kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie ihr Handy ausschalten?

Maier: Ja. Ein Unternehmen darf und soll nicht komplett über die Zeit der Mitarbeiter verfügen. Sie brauchen garantierte Frei- und Ruheräume, in denen sie ungestört sind - in denen sie souverän sein können. Es wird für Konzerne immer wichtiger, dafür zu sorgen, dass sich Beruf und Privatleben besser vereinbaren lassen. Weil es in unserem Interesse ist, dass Menschen gern bei uns arbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Also, was haben Sie genau geregelt?

Maier: Wer wann per Handy erreichbar sein soll. Und dass Mitarbeiter in ihrer Freizeit und am Wochenende keine E-Mails beantworten müssen - dafür reicht der nächste Morgen oder der folgende Montag. Außer natürlich im Notfall. Aber der soll die absolute Ausnahme sein.

SPIEGEL ONLINE: Das funktioniert? Manager halten sich doch meistens für unentbehrlich…

Maier: Unsere leitenden Angestellten sind aufgerufen, mit gutem Beispiel voranzugehen und ihre Mitarbeiter zu sensibilisieren.

SPIEGEL ONLINE: Macht Konzernchef René Obermann jetzt auch mal Blackberry-frei?

Maier: Er hat die Initiative gefördert und allen Führungskräften klargemacht, dass das keine Schönwetter-Richtlinie ist.

SPIEGEL ONLINE: Nach den Erfahrungen der ersten Wochen: Halten sich die Mitarbeiter an die Regeln?

Maier: Natürlich braucht das Zeit. Aber um einen solchen Kulturwandel zu schaffen, muss ein Konzern Vorgaben machen. Nur wenn man verbindliche Regeln hat, können sich Mitarbeiter darauf berufen. Die Blackberry-Richtlinie ist ein Baustein von mehreren. Alle zielen darauf ab, unsere Arbeitsorganisation an die heutigen Notwendigkeiten wie die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf anzupassen.

SPIEGEL ONLINE: Wem fällt es schwerer, sich daran zu halten - dem Konzern oder den Mitarbeitern?

Maier: Letztlich ist es doch eine Frage der Verantwortung jedes Einzelnen. Ich muss mir einfach bewusst machen, was es für die anderen bedeutet, wenn ich am Wochenende E-Mails verschicke. Ich vermittle ihnen damit eine Erwartungshaltung, dass sie ebenfalls ihre Blackberrys kontrollieren. So nötigen Führungskräfte ihren Mitarbeitern häufig ungewollt den eigenen Rhythmus auf. Das dürfen sie aber nicht.

SPIEGEL ONLINE: Klingt fast utopisch.

Maier: Dann lassen Sie es uns konkret machen. Wenn ich am Wochenende meinen Blackberry anmache, bearbeite ich Mails, die ich gern erledigt haben möchte, die gerade gut in mein Tagesraster passen. Damit nichts liegenbleibt, was mir wichtig ist, fühlen sich meine Kollegen und Mitarbeiter gezwungen, ebenfalls tätig zu werden. So löse ich gewollt oder ungewollt eine Kettenreaktion aus - und hole viele andere aus ihrer verdienten arbeitsfreien Zeit, die dadurch oft entwertet wird. Unsere neue Regelung durchbricht diesen Kreislauf. Ich überlege mir einmal mehr, ob ich die Mail wirklich zu diesem Zeitpunkt schreibe.

SPIEGEL ONLINE: Bieten Sie jetzt auch Blackberry-Entwöhnungskuren an?

Maier: Noch nicht. Im Ernst, mein Eindruck ist, dass die Richtlinie ein wichtiger Denkanstoß war. Letztlich nehme ich ja nicht nur Rücksicht auf Kollegen, wenn ich mir überlege, ob eine Mail noch warten kann. Ich nehme auch Rücksicht auf mich. Etwas Muße hat noch keinem geschadet.

Interview: Sven Böll

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insgesamt 47 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
24.07.2010 von zulthak: .

So ist es, das ist allerdings etwas was die meisten Arbeitnehmer nicht einnehmen wollen. Dickes Gehalt und so wenig wie möglich dafür tun. mehr...

24.07.2010 von a.weishaupt: Vordenker??

...die lächerlich und unsinnig ist, da in diesem Land seit vielen Jahrzehnten jede(r) unabhängig vom Geschlecht die Möglichkeit zum Aufstieg hat, was man aber eben auch wollen muss trotz der großen Opfer, die dafür zu erbringen [...] mehr...

24.07.2010 von josha_de: Selber schuld, wer in der Freizeit zum Briefkasten rennt

Richtig. Aus diesem Grund gibt es auch keinen Betrieb, der im Recht wäre, wenn er von seinen Arbeitnehmern diese Erreichbarkeit verlangte. Daraus aber den Umkehrschluss zu ziehen, man müsse den Mitarbeitern nunmehr auch noch [...] mehr...

24.07.2010 von lenitas: Topmanager gehören an die kurze Leine

Alle Aufsichtsräte und Führungskräfte im Geldwesen und anderen kritischen Bereichen bitte Laptoppflicht und ständige Erreichbarkeit, damit sie ihr Geld (einschließlich Abfindung) auch Wert sind. Mobilfunkmasten gehören auf jeden [...] mehr...

24.07.2010 von fleischwurstfachvorleger: Was war zuerst da: Huhn oder Ei?

Natürlich haben Sie vollkommen recht, Systeme und oder Geräte haben selten ein Problem gelöst, aber oft neue entstehen lassen. Nur sagen Sie selbt, dass Sie permanent Informationen löschen, die Ihnen übereifrige oder schlecht [...] mehr...

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Zur Person

Deutsche Telekom
Mechthilde Maier ist seit 1990 bei der Deutschen Telekom. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre begann sie ihre Karriere zunächst noch bei der Bundespost. Vor allem im Personalbereich tätig, wurde Maier 2008 Leiterin "Group Diversity Management". Damit ist sie eine Art Vielfältigkeitsbeauftragte der Telekom und für die Integration der verschiedenen geschlechtlichen, religiösen und kulturellen Hintergründe der weltweit 260.000 Mitarbeiter verantwortlich.

Mehr dazu im SPIEGEL

Illustration Marco Ventura für den SPIEGEL
Heft 29/2010:
Ich bin dann mal off
Über die Kunst des Müßiggangs im digitalen Zeitalter

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Die Deutsche Telekom AG ist Europas größtes Telekommunikationsunternehmen. Weltweit betreut sie fast 200 Millionen Kunden in rund 50 Ländern und beschäftigt etwa 260.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen mit Sitz in Bonn entstand 1995 aus den Bereichen für Telekommunikation und Fernmeldedienst der öffentlich-rechtlichen Deutschen Bundespost, als diese privatisiert wurde. 1996 ging die Telekom an die Börse. Im Sommer 2010 hielt die Bundesrepublik rund 15 Prozent der Aktien direkt und weitere knapp 17 Prozent indirekt über die KfW Bankengruppe. 2009 hatte die Telekom einen Umsatz von knapp 65 Milliarden Euro.

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