Wirtschaft



ThemaMittelstandRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
24.07.2010
 

Branchensterben

Jeden Tag macht eine Bäckerei dicht

Traditionsbäckerei: Die Branche hat fast 70.000 MitarbeiterZur Großansicht
DPA

Traditionsbäckerei: Die Branche hat fast 70.000 Mitarbeiter

Siechtum eines Handwerks: Vor 50 Jahren gab es in Deutschland noch etwa 55.000 Bäckereien. Inzwischen sind es nur noch rund 14.500. Und angesichts der Konkurrenz von Discountern und fehlendem Nachwuchs machen noch immer mehr als 400 Betriebe pro Jahr den Ofen aus.

Bochum - Eine Branche verschwindet langsam, aber anscheinend sicher: Jeden Tag schließt nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks statistisch gesehen irgendwo in Deutschland eine Bäckerei. Rund 14.500 traditionell arbeitende Betriebe gebe es zur Zeit noch. Das sagte Heribert Kamm, der Vorsitzender des Bäckerinnungs-Verbands Westfalen-Lippe ist.

Vor einem halben Jahrhundert existierten noch fast viermal so viele Bäckereien in Deutschland - etwa 55.000. Jährlich verschwinden rund drei Prozent der Betriebe - statistisch also 1,2 Bäckereien jeden Tag.

Die Ursachen seien vielfältig und lägen zum Beispiel in den veränderten Einkaufs- und Verzehrgewohnheiten der Deutschen, sagte Kamm. "Was früher das Abendbrot war, ist heute eben vielerorts die gelieferte Pizza oder Fast Food". Außerdem hätten viele Betriebe wirtschaftliche Probleme und Nachwuchssorgen. "Wenn ich meinem Sohn nicht nachweisen kann, dass er einen wirtschaftlich profitablen Betrieb bekommt, dann sagt der doch, ich mache etwas anderes, wo ich Freitagmittag nach Hause gehen kann."

"Es findet ein Backvorgang statt"

Auch die Konkurrenz von Supermärkten und Discountern nehme immer stärker zu. Gegen den Discounter Aldi Süd hatte der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks vor wenigen Tagen Klage wegen irreführender Werbung eingereicht. Die Werbung für gebackenes Brot und Brötchen frisch aus dem Ofen sei eine Verbrauchertäuschung. Aldi weist die Kritik zurück. In dem "Backofen", mit dem schrittweise mehr als 1780 Filialen in Süd- und Westdeutschland ausgerüstet werden sollen, finde "ein Backvorgang statt", heißt beim Lebensmitteldiscounter.

"Backen bedeutet, dass es bei einer Kerntemperatur von rund 70 Grad zu einer Verkleisterung von Eiweiß kommt. Das ist nach unseren technologischen Vorstellungen in drei Minuten nicht möglich", widersprach Kamm. "Einen Kuchen holt man doch auch nicht nach drei Minuten aus dem Ofen."

Trotz aller Schwierigkeiten ist sich der Verbandschef sicher: Das Bäckerhandwerk hat Zukunft. 69.500 Mitarbeiter und 7300 Auszubildende sind in der Branche beschäftigt. "Mir hat man schon vor 40 Jahren gesagt, dass sei ein sterbendes Handwerk, und ich bin immer noch da", sagte Kamm, der in Hagen selbst einen Betrieb mit rund 30 Mitarbeitern leitet. Den Supermärkten und Discountern müsse man Qualität entgegensetzen. "Wir müssen einfach immer besser werden, damit es die Anderen immer schwerer haben."

böl/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 117 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
07.12.2010 von brotliebhaber: meine Lieblingsbaeckerei macht dicht :-(

Tja, und dann war sie zu... Kann nicht mal jemand anfangen, unsereren Baeckereien ein Denkmal zu setzen? Das wir eine Liste bekommen, mit Fotos natuerlich, fuer jede Stadt. Was ist in dieser Stadt die beste Baeckerei - die man [...] mehr...

29.07.2010 von happy2009: .

Das "gesunde" Bergwurzelbrot besteht aus Weizenmehl, richrig? Körneranteil: Obendrauf, die Körner dürfen zumindest nach Gesetzeslage aus x% gepresstem Mehl bestehen Was ist an dem Brot besonders? Es suggeriert [...] mehr...

29.07.2010 von Harp: Bergwurzelbrot

Ja und? Wo genau ist das Problem? Besagtes Bergwurzelbrot besteht aus einem speziell (= sehr fein) vermahlenem Mehl, welches wirklich aus der Schweiz kommt. Zusätzlich sind in dieser Mehlmischung Weizenkleber, Traubenzucker, [...] mehr...

28.07.2010 von happy2009: .

Das gibt es eben nicht Nur zum Bsp LKR Stuttgart Bergwurzelbrot, schweizer Originalrezept, handgemacht Wird verkauft von dutzenden verschiedener Bäckereien Besteht aus gefärtem Weizenmehl, auf massive Nachfrage kam [...] mehr...

27.07.2010 von tweet4fun: Vielleicht ein Generationenproblem?

Hier wurde von Backmischungen geredet, von Steinöfen und Aufwärmern, von Arbeitszeiten und Bäckernachwuchs usw. Einige sagen, daß früher alles besser war, die anderen bestreiten das. Das mag ja alles gut und schön sein. Und neu [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema Mittelstand

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Die Discounter in Deutschland

Aldi

Die unangefochtene Nummer eins der Lebensmittel-Discounter in Deutschland, Aldi , ist ebenso erfolgreich wie verschwiegen. Branchenexperten schätzen, dass Aldi Süd 2009 rund 28 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat, Aldi Nord etwa 25 Milliarden Euro. Insgesamt betreibt der Marktführer in Deutschland etwa 4400 Filialen.

Lidl

Netto

Penny

Norma







TOP



TOP