Wirtschaft



ThemaLove Parade 2010RSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
25.07.2010
 

Love-Parade-Organisator Schaller

Die Katastrophe und der Mann von McFit

Von Christian Teevs

Rainer Schaller: "Betroffen von dem tragischen Unglück"Zur Großansicht
ddp

Rainer Schaller: "Betroffen von dem tragischen Unglück"

Bisher kannte ihn kaum jemand, doch Rainer Schaller ist einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes. Er baute die Fitnesskette McFit auf und rettete die Love Parade. Nach dem Todesdrama von Duisburg sind alle Augen auf ihn gerichtet. Wer ist der Mann, der das Techno-Fest organisierte?

Hamburg - Bislang war sein Leben eine Erfolgsgeschichte. Rainer Schaller hat die Fitnesskette McFit gegründet und zum Marktführer in Deutschland gemacht. Genauso konsequent holte er vor ein paar Jahren die Love Parade ins Ruhrgebiet und machte aus dem Techno-Event ein Volksfest.

Doch am Sonntagmittag sitzt ein Mann vor der Presse, der überhaupt nicht wie ein Macher wirkt. Es ist kurz nach 12 Uhr, als Schaller das Aus für die Love Parade verkündet. Seine Sätze liest er ab, die Stimme ist tonlos. "Die Love Parade war immer eine friedliche Veranstaltung und fröhliche Party", sagt Schaller. Man werde sie nun aber für immer mit den tragischen Ereignissen verbinden und sie könne daher nicht mehr stattfinden.

Bei der Massenpanik starben am Samstag am Rande der Love Parade 19 Menschen, über 300 wurden verletzt. Die Ursachen für das Drama werden noch untersucht, die Staatsanwaltschaft prüft die Sicherheitsvorkehrungen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hatten Polizei und Feuerwehr in Duisburg eine eigene, weiterreichende Planung für die Millionenparty entwickelt - mit der sie sich allerdings gegen die Stadt nicht durchgesetzt haben. Die Menschen seien "Opfer materieller Interessen" geworden, sagt der Vizelandeschef der Polizeigewerkschaft.

Neben den Verantwortlichen der Stadt steht vor allem er im Fokus der Kritik: Rainer Schaller, 41-jähriger Gründer der Fitnesskette McFit und seit 2006 treibende Kraft der Love Parade. Vor vier Jahren investierte der Unternehmer erstmals rund drei Millionen Euro in das Event. Seitdem war das Sponsoring der Parade - neben den Boxern Wladimir und Vitali Klitschko - Kernbestandteil seiner Werbeoffensive für McFit. Schaller ist Geschäftsführer des Veranstalters Lopavent, sein Unternehmen der "Hauptsponsor der größten Party der Welt", wie es auf der Mc-Fit-Homepage heißt. Am Sonntag steht dort, "die Menschen und Macher von McFit sind erschüttert und zutiefst betroffen von dem tragischen Unglück, welches sich auf der Love Parade in Duisburg ereignet hat".


Auch in diesem Jahr steckte Schaller mindestens drei Millionen Euro in die Love Parade: "Mit dem Geld werden die Planung und Umsetzung der Parade finanziert", heißt es auf der Homepage der Stadt Duisburg. "Dazu zählen unter anderem Kosten für die Reinigung der Veranstaltungsfläche und für rund 2000 Mitarbeiter, die am Tag der Parade im Einsatz sind." McFit leiste zudem noch "einen zusätzlichen Beitrag zum Finanzierungskonzept der Stadt Duisburg", heißt es weiter. In welcher Höhe, ist bislang unklar.

Den Grund für sein Engagement bei der Love Parade erklärte Schaller 2009 im "Handelsblatt" so: "Wir wollten mit einem relativ kleinen Budget einen hohen Bekanntheitsgrad (für McFit) erzielen. Wir haben uns lange überlegt, was wir denn Verrücktes machen können, um bekannter zu werden. Wir haben uns für die Love Parade entschieden."

Im Schnitt zehn Trainer für 7000 Kunden

Gegründet hat Schaller McFit 1997. Das Konzept: ein Fitness-Studio, das 24 Stunden am Tag geöffnet hat und seine Mitglieder nur 16,90 Euro pro Monat kostet. Einen "Kampfpreis" nennt das Schaller. Er kann ihn bieten, weil seine Studios ohne Sauna und andere Wellnessangebote auskommen - und im Schnitt zehn Trainer auf 7000 Kunden kommen, wie die Wirtschaftsprüfer von Deloitte ausgerechnet haben. Fünf Minuten Duschen kostet 50 Cent extra.

Ein guter Verkäufer war Schaller schon immer: Seinen ersten Laden preist er 1997 mit dem Slogan "McFit - jetzt auch in Würzburg" an. Als sei es eine riesige amerikanische Fitnesskette, die nun auch nach Unterfranken komme. Seine Familie und die Banken hätten ihn für verrückt erklärt, sagt Schaller. Immerhin gehörten ihm zur damaligen Zeit vier Edeka-Filialen - und das Fitness-Geschäft galt als wenig lukrativ.


Doch der Fan von Arnold Schwarzenegger beißt sich durch: Er verkauft zwei seiner Edeka-Läden, erwirbt eine 700 Quadratmeter große Möbelhalle in Würzburg und managt seinen ersten McFit als One-Man-Show. "Einfach gut aussehen" lautet der Slogan des Unternehmens. Schaller ist anfangs Empfangschef, Trainer, Putzkraft und Buchhalter in einem.

Mittlerweile hat McFit über 120 Filialen, 3000 Mitarbeiter und über 800.000 Kunden. Es gibt Studios in Österreich und auf Mallorca - und Schaller will weiter expandieren. 134 Millionen Euro Umsatz hat die Fitnesskette im vergangenen Geschäftsjahr gemacht, wie viel Gewinn davon bleibt, hält er geheim. Laut Bundesanzeiger hat McFit im Geschäftsjahr 2008 bei einem Umsatz von rund 110 Millionen Euro 10,3 Millionen Euro Jahresüberschuss erzielt.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 55 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
27.07.2010 von MonaM: Auf der Münchner Wies'n gibt es keine Zäune und Mauern

Beim Oktoberfest gab es auch einmal eine Katastrophe, das Oktoberfestattentat von 1980 (http://de.wikipedia.org/wiki/Oktoberfestattentat). Es löste allerdings keine Massenpanik in dem Sinne aus, dass Menschen überrannt oder zu [...] mehr...

27.07.2010 von rkinfo: 1,4 Mill. vs. 250-400.000 Kapazität

Wobei es eher am Ende gar keine strafrechtlich zuordenbare Schuldigen geben dürfte. Bei Schaller ist im wesentlichen zu kritisieren dass er nicht gleich 'Kleine Love Parade' wg. begrenzten Platz in Duisburg kommunizierte. [...] mehr...

27.07.2010 von pfälza: Wow....

Waaaahnsinn, ganze 24 Stunden haben Sie sich damit beschäftigt? Is ja unglaublich, dass da überhaupt noch andere mitarbeiten, die sollen doch direkt alle Informationen und Beweise bei Ihnen abholen. Ich verstehe auch nicht, wie [...] mehr...

27.07.2010 von khid: Von Moral, Courage und Wirtschaft

"Keiner will es gewesen sein!" - eine Schlagzeile der letzten Tage. Es geht hier um zwei Dinge: Um Schuld. Um Verantwortung. Wer trägt persönliche Schuld? Eine Frage, die sich wohl nur vor Gericht klären lässt. [...] mehr...

27.07.2010 von BUwe: Schuld

Sind: Politiker - allen voran der OB Duisburgs, Adolf Sauerland. Sicherheitsbehörden wie Polizei, die teilweise aus Unfähigkeit und Unerfahrenheit falsch handelten und Veranstalter. Man konnte in 19 Jahren 18 mal [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema Love Parade 2010

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Karte

Love-Parade-Gelände in Duisburg - vergrößern...

Google Map von der Gegend


Die Love Parade

Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.

Die Anfänge

Die Flaute

Die Rückkehr

Die Katastrophe






TOP



TOP