Von Stefan Schultz
Hamburg - Meisterreformer, Macher, goldener Junge: Noch vor wenigen Monaten hatte Tony Hayward viele wohlwollende Spitznamen. Er galt als Lichtgestalt der Energiebranche, als Über-Manager, der BP, dem Ex-Konzern des British Empire, eine große, strahlende Zukunft eröffnet.
Inzwischen gibt es für Hayward neue Spitznamen. Man nennt ihn jetzt den Katastrophenchef, Amerikas Sündenbock, das Gesicht der schwarzen Pest. Niemand personifiziert die Ölpest im Golf von Mexiko so sehr wie er. Politiker, Medien und all die Menschen, deren Lebensgrundlage unter BPs Ölteppich erstickt, dreschen auf ihn ein.
Nun zog BP Konsequenzen aus der Katastrophe: Der Aufsichtsrat segnete Haywards Rücktritt zum 1. Oktober ab, der Wechsel wurde am frühen Dienstag vor Öffnung der Londoner Börse bekannt gegeben.
Tony Haywards Niedergang ist in vieler Hinsicht beispiellos. Sein Ruf: ruiniert. Seine Konzernvision: spektakulär gescheitert. Seine Karriere bei BP, die er seit 1982 mit eben so viel Esprit wie Ellenbogenarbeit aufbaute: binnen Monaten zerstört. Der Absturz vom Meisterreformer zum Mega-Versager dauerte gerade ein Geschäftsquartal:
SPIEGEL ONLINE zeigt Aufstieg und Absturz des Tony Hayward:
Haywards BP ist wohl nicht zuletzt daran gescheitert, dass der Boss selbst nicht mit dem Schlimmsten rechnete. Hunderte Kilometer vor der Küste, Tausende Meter in der Tiefe bohrt BP nach Öl - es ist ein Rohstoff-Roulette in der Tiefsee. Doch aus dem Konzern ist zu hören, dass eine Katastrophe wie die der "Deepwater Horizon" als fast unmöglich galt. Offenbar hatte diese Denkweise negative Auswirkungen auf die Sicherheitspolitik.
Schon unter Haywards Vorgänger Lord Browne verletzte BP Sicherheitsstandards, und Hayward selbst erlebte bei dem Desaster im größten Ölfeld Alaskas, der Prudhoe Bay, welch verheerende Folgen das für den Konzern hat. 800.000 Liter Öl versickerten 2006 wegen mangelhafter Pipelines im Boden. "Mit der Genauigkeit eines Lasers" versprach Hayward, die Probleme nach seinem Amtsantritt auszumerzen. Es blieb ein reines Lippenbekenntnis.
So geht aus einer Anhörung der US-Regierung hervor, dass auf der "Deepwater Horizon" schon Monate vor dem Unglück ein wichtiger Alarm außer Funktion gesetzt wurde. Laut "Wall Street Journal" verwendet BP in jedem dritten Tiefseebohrloch Technologien, die US-Behörden als riskant einstufen. Und laut "Newsweek" hat BP in den vergangenen drei Jahren insgesamt mit 760 Verletzungen von Sicherheitsstandards für Schlagzeilen gesorgt.
Auch erschloss Hayward keine neuen Geschäftsbereiche. Sein Vorgänger Browne hatte noch Investitionen in den Bereich der erneuerbaren Energien vorangetrieben, um sich langfristig vom Geschäftsfeld der fossilen Energieträger zu lösen. Motto: "beyond petroleum". Hayward verfolgte diese Strategie nur halbherzig weiter. Unter seiner Ägide stand BP eher wieder für "British Petroleum" - für den Öldurst der westlichen Welt, der letztlich zur bisher größten Ölkatastrophe Nordamerikas führte.
Nachfolger Robert Dudley muss nun Folgen der Krise managen, US-Regierung und Aktionäre beruhigen - und er wird wohl bald die Post-Hayward-Ära einläuten, indem er eine neue Konzernstrategie präsentiert.
Hoffentlich spielen Sicherheit und Nachhaltigkeit dann eine größere Rolle.
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Ich hatte diesen Hayward wie folgt kritisiert: 1. Geldgeil. Jemand der einen derartigen Schaden angerichtet hat und dann bei seinem Rauswurf nichts anderes zu tun hat, als um seine Abfindung zu feilschen kann man schon als [...] mehr...
http://people.forbes.com/profile/a-b-tony-hayward/13022 Wenn ich mir hier die Zahlen anschau glaube ich nicht dass Herr Hayward auf irgendeinen Job angewiesen ist um zu überleben ... Selbst wenn er nicht innerhalb [...] mehr...
Anscheinend haben Sie nicht *richtig* gelesen um was es geht. Es geht nicht darum das man keine Kritik üben kann, *sondern darum, wie sie geübt wird*. "XXX ist ein geldgeiler, idiotischer, arroganter, was-weiß-ich" ist [...] mehr...
Hayward braucht man aber nicht persönlich kennen, um die Unfähigkeit dieses Mannes zu erkennen. Wenn man Berichten glauben kann und ich sehe keinen Grund warum dies nicht der Fall sein soll, wurden auf der betreffenden [...] mehr...
wäre doch jetzt auch schön und angebracht, wenn Royal Dutch Shell so 10 Mrd für die Reinigung des Nigerdeltas bereitstellen würde und Exxon noch nachträglich die anwohner Alaskas entschädigen müsste. Was die damals zahlen [...] mehr...
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