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27.07.2010
 

Neuer Konzernchef Dudley

BP-Weichspüler mit Südstaaten-Slang

Von Carsten Volkery, London

BP-Chefwechsel: "Deeply sorry"
Fotos
DPA

BP macht den Schnitt und ersetzt den umstrittenen britischen Konzernboss Tony Hayward durch Bob Dudley, einen netten Amerikaner aus Mississippi. Der Neue hat Erfahrung mit diplomatischen Krisen: Er wurde einst von Putin aus Russland verjagt.

Es war einer seiner ersten Auftritte im ölgeplagten Süden der USA, und Bob Dudley traf gleich den richtigen Ton. "Deeply sorry" sei er, sagte der frisch ernannte BP-Krisenmanager im Juni, als er den Strand am Golf von Mexiko sah. Dazu zeigte er ein betroffenes Gesicht. Sein Begleiter, der Gouverneur des US-Bundesstaates Louisiana, war angetan.

Der blonde Hüne Dudley weiß, wie man Leute für sich einnimmt. Das dürfte einer der wesentlichen Gründe gewesen sein, warum der BP-Aufsichtsrat sich nun für den 54-jährigen Amerikaner als neuen CEO des Konzerns entschieden hat. Am 1. Oktober soll er den Briten Tony Hayward an der Spitze ablösen.

Die Entwicklung war bereits seit Wochen absehbar. Mit zynischen Kommentaren zum Öldesaster hatte Hayward sich ins Abseits manövriert. Die amerikanische Öffentlichkeit forderte seinen Kopf. Und US-Präsident Barack Obama erklärte, er hätte ihn längst gefeuert.

Mitte Juni hatte das Unternehmen daraufhin Hayward das Krisenmanagement am Golf entzogen und in Dudleys Hände gelegt. Als "Außenminister des Management-Teams" hat Hayward den umgänglichen Dudley einmal bezeichnet. Diese diplomatischen Fähigkeiten soll der neue Chef nun einsetzen, um den Ruf des tief gefallenen Konzerns wieder aufzupolieren.

Nicht mehr als eine Übergangslösung

Ein neues Gesicht ist Dudley nicht. 1979 hatte der Chemie-Ingenieur beim US-Ölkonzern Amoco angefangen, seit der Fusion 1998 dann bei BP gearbeitet. Bereits 2007 war er einer der Kandidaten für den Top-Job, unterlag aber Hayward. Danach geriet er zunehmend aufs Abstellgleis, andere Namen drängten nach vorn. Jetzt gilt er nur noch als Übergangslösung - als idealer Mann für die Krise, aber nicht mehr.

In den Augen vieler Beobachter hat Dudley den Job vor allem der Tatsache zu verdanken, dass er Amerikaner ist. BP bekomme nun einen "amerikanischen Akzent", schrieb die "Financial Times". Seinen Platz in den Firmenannalen hat der Neue damit schon sicher: Er ist der erste Nicht-Brite an der Spitze des Traditionskonzerns, der bis 1998 "British Petroleum" hieß.

Die Personalie wird als Beweis gesehen, wie ernst BP die Krise auf dem Kernmarkt USA inzwischen nimmt. "Einem amerikanischen CEO wird es leichter fallen, die politische Beziehung zur US-Regierung zu verbessern", sagte US-Fondsmanager Tim Riley dem "Wall Street Journal".

Kollektives Aufatmen in den US-Medien

Dudley ist sogar in der Nähe der Golfküste aufgewachsen - in der Kleinstadt Hattisburg in Mississippi. Als Kind verbrachte er seine Ferien an den Stränden, die nun von der Ölpest bedroht sind. Ihm würde es wohl kaum einfallen, wie Hayward an der englischen Südküste segeln zu gehen, während im Golf die schwarze Suppe ans Ufer schwappt. Seine Ernennung sorgte daher für kollektives Aufatmen in den US-Medien.

Laut "Wall Street Journal" will Dudley als erste Amtshandlung das Weiße Haus anrufen und versichern, dass der Golf oberste Priorität für BP habe. Das würde ins Muster passen. Schon in den wenigen Wochen als Krisenmanager hatte er sich darauf konzentriert, die Stimmung zu verbessern. Er zeige Initiative, lobte Kenneth Feinberg, den unabhängigen Verwalter des BP-Entschädigungsfonds, in der "New York Times".

Dudley gilt nicht nur als talentierter Kommunikator, sondern auch als guter Manager. Seine Glanzzeit ist schon ein paar Jahre her. Zwischen 2003 und 2008 leitete er das russisch-britische Joint-Venture TNK-BP, das ein Drittel des gesamten BP-Öls fördert. In der Zeit erhöhte sich die Ölförderung um 26 Prozent und die Ölreserven um 138 Prozent.

Auch hier war Diplomatie unter erschwerten Bedingungen gefragt, und Dudley enttäuschte nicht. Lange widerstand er dem Drängen der russischen Partner, die Unternehmensführung an sie abzugeben. Schließlich half die russische Regierung unter Wladimir Putin nach - mit Razzien im BP-Büro und Drangsalierung der Mitarbeiter. Dudley selbst musste ausreisen, als sein Visum nicht mehr verlängert wurde. Bis heute darf er nicht ins Land, doch lassen seine früheren russischen Partner laut "Daily Telegraph" bereits erkennen, dass sie den alten Streit vergessen wollen. Sie wollen sich mit dem neuen BP-Chef gut stellen.

Marktwert seit Mai um 40 Prozent gefallen

Solche Willkür erwartet Dudley in der Londoner BP-Zentrale nicht. Die Aufgabe ist jedoch ungleich gewaltiger. Der Marktwert der Firma ist seit Mai um 40 Prozent gefallen, immer wieder gibt es Übernahmegerüchte. Die ersten Unternehmensteile wurden verkauft, um Geld für Aufräumarbeiten und Strafzahlungen zu beschaffen. Die Zahlen für das zweite Quartal sind mies ausgefallen - die Milliarden für das Öldesaster verhageln die Bilanz.

Politiker und Experten fordern eine Radikalkur für BP. Vor allem muss der neue Unternehmenschef endlich der Risikokultur Herr werden, die in den vergangenen fünf Jahren zu drei Unfällen geführt hat - einem Raffineriebrand in Texas, einem Pipeline-Leck in Alaska und der Explosion auf der Ölplattform. Damit könnte Dudley sich Respekt verschaffen. Er darf sich nur kein Beispiel an seinem Vorgänger nehmen: Mehr Sicherheit hatte Hayward auch schon versprochen - stattdessen kam es zur größten Ölkatastrophe in der Geschichte der USA.

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27.07.2010 von Realo: Bedeutet nichts gutes für BP !

Noch mehr ehemalige Amoco-Amis im Board bedeutet für die europäische BP und die Arbeitsplätze in Europa nichts gutes. Kaum hatte BP die Amoco übernommen ging es los mir Outsourcing, der 3 Mega-Data-Center-Idee, das Aufbröseln [...] mehr...

27.07.2010 von perpendicle: Neue Standards

Ich bin vor allem gespannt welche neuen technischen Maßstäbe Dudley beim nächsten BP projekt vor der Küste Lybiens setzt: ich erwarte mir: verbesserte BOPs. stärkere Rohre, downhole security valves + bessere+ ausgeführte [...] mehr...

27.07.2010 von TommIT: Und der Scheidendé

bekommt zur Strafe ein ordentlichen Handshclag und einen neuen Job ohne sich zu bewerben. Man muss eben nur konsequent Unterschiede machen auf ganzer Linie. mehr...

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