Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Der smarte Investmentbanker Anshu Jain hatte eigentlich einen Lauf. Als die Deutsche Bank vor drei Monaten ihr Quartalsergebnis vorlegte, das zweitbeste in ihrer Geschichte, hatte er großen Anteil an der Erfolgsmeldung. 2,7 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern machte sein Bereich damals - mehr als 90 Prozent des Gesamtergebnisses. "Goldjunge" nannte das "Handelsblatt" den gebürtigen Inder kürzlich euphorisch. Nach dem Ausscheiden von Co-Chef Michael Cohrs ist der 47-Jährige außerdem Alleinherrscher in seiner Sparte, und als potentieller Nachfolger von Bank-Chef Josef Ackermann gilt der Vorstand ohnehin seit längerem.
Doch nun hat die Deutsche Bank wieder ein Quartalsergebnis vorgelegt - und es ist ein Dämpfer für Anshu Jain.
Insgesamt machte die Bank 1,2 Milliarden Euro Gewinn. Im Investmentbanking sank der Vorsteuergewinn auf 1,3 Milliarden Euro. Ein Minus von mehr als als 50 Prozent gegenüber den Zahlen vor drei Monaten.
Das miese Ergebnis ist nicht nur für Jain hart - es dürfte auch seinem Chef Ackermann ganz und gar nicht gefallen. Er setzt nach wie vor stark auf Jains Investmentsparte.
Analysten warnen, die Abhängigkeit der übrigen Deutschen Bank von Jain und seinen Leuten sei nach wie vor zu hoch. "Die Ergebnisse außerhalb der Investmentbank sind weiter zu gering", sagt Konrad Becker von Merck Finck. Ackermanns ehrgeiziges Ziel, 2011 einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro zu erreichen, scheint immer weniger sicher.
Sondereffekte verantwortlich für den Gewinn
Natürlich - auf den ersten Blick war dieser Bilanztag erfreulich. Schließlich stand unter dem Strich alles in allem ein Plus. Die Bank meldete einen Nettogewinn von insgesamt 1,2 Milliarden Euro, immerhin neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, und der Aktienkurs schoss um fast vier Prozent nach oben. Die Zahlen seien besser als erwartet, sagten Börsianer.
Doch "besser als erwartet" heißt nun mal nicht "richtig gut". Für die soliden Zahlen waren Sondereffekte mitverantwortlich: Die Übernahme von Teilen der niederländischen ABN Amro etwa erfolgte unter dem Buchwert, was zu einem Einmalgewinn von mehr als 200 Millionen Euro führte. Auch für die Risikovorsorge mussten weniger Mittel aufgewendet werden. Im Vorjahr hatten Probleme mit zwei Großkunden in diesem Bereich zu hohen Kosten geführt.
Deshalb gibt es nun Warnungen, dass sich das Blatt bald wenden könnte, sollte das Investmentbanking weiter schwächeln. Die Deutsche Bank ist nicht die einzige Bank mit Problemen in dem Bereich. Unter anderem mussten JP Morgan, Goldman Sachs
und Credit Suisse
herbe Einbrüche im Investmentbanking verkraften. Die Schuldenkrise in Europa hat Investoren und Firmen verunsichert - und das bis dahin boomende Geschäft mit Anleihen, Wertpapieren, der Begleitung von Fusionen und Übernahmen (M&A) weltweit abrupt abgebremst.
"Investmentbanking ist volatil", sagt Analyst Michael Seufert von der Nord/LB. Die Hoffnung ist, dass sich der Trend bald wieder umkehrt. Wenn der wirtschaftliche Aufschwung nachhaltig sei, werde das M&A-Geschäft wieder wachsen. Auch bei der lukrativen Begleitung von Börsengängen gebe es noch viel Spiel nach oben. Seit Beginn der Finanzkrise darbe der Bereich, das könne sich allmählich ändern.
Bonussteuer und Derivate-Reform werden die Renditen drücken
Drei größere Probleme gibt es trotzdem. Erstens wurden die blendenden Geschäfte bis zu Jahresbeginn unter anderem von den Massen an Geld gespeist, das die Europäische Zentralbank (EZB) nach der Finanzkrise quasi zum Nulltarif zur Verfügung stellte. Diese goldenen Zeiten werden über kurz oder lang zu Ende gehen. Zweitens war die Konkurrenz zwischen Banken nach Ausbruch der Krise ziemlich schwach. Den Überlebenden war es ein Leichtes, Marktanteile zu gewinnen. Auch das wird sich wieder ändern.
Drittens drohen den Banken härtere Regeln, die vor allem auf Investmentbanking ausgelegte Geldinstitute hart treffen könnten. Unter der Überschrift Basel III werden derzeit neue Regeln für die Spieler auf dem Finanzmarkt ausgearbeitet. Hintergrund: Damit die Banken in der nächsten Krise nicht wieder auf Hilfe der Regierungen angewiesen sind, sollen sie ihre Geschäfte mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen. Das Gesamtpaket soll im September stehen. Die neuen Regeln dürften das Investmentbanking weniger rentabel machen.
Weltweit wird an Regeln gearbeitet, die mehr Sicherheit bringen sollen, gleichzeitig aber mächtig auf die Rendite von Instituten wie der Deutschen Bank drücken. So haben die USA eine Finanzmarktreform beschlossen, nach der zum Beispiel der Handel mit Derivaten künftig erstmals über Handelsplattformen erfolgen muss. In Europa gibt es Pläne, den völlig ungezügelten An- und Verkauf auf dem Multimilliardenmarkt ähnlich zu regulieren. Außerdem wird in vielen Ländern über Bonussteuer und Bankenabgaben diskutiert.
Wie stark genau die neuen Regeln bei den Banken zu Buche schlagen, darüber wagt noch kein Geldinstitut genaue Prognosen abzugeben. Noch weiß niemand, wie die Finanzbranche nach den geplanten Reformen funktionieren wird - und ob in dieser neuen Welt Banker wie Jain noch scheinbar spielerisch Milliardengewinne generieren können.
An Ackermanns Gewinntraum von zehn Milliarden Euro jedenfalls zweifeln Analysten. Dieter Hein von Fairesearch sagt: "Ich sehe das noch nicht."
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Da sich die Verluste auf den Investment-Bereich beschränken müssen auf das bisschen Gewinn nur geringe Steuern bezahlt werden. Der Investmentbereich hat den Sitz in London und untersteht damit dem britischen Steuerrecht. Ist schon [...] mehr...
[QUOTE=sysop;5933866]Der Quartalsgewinn steigt, der Aktienkurs auch. Bei der Deutschen Bank scheint alles in Ordnung. Doch der Eindruck trügt. Die wichtige Investmentsparte von "Goldjunge"*Anshu Jain macht schlapp, und [...] mehr...
Ja. Aber Sie haben halt nicht das Geburtsrecht auf Kapitalerträge geerbt. Das Geklimper um die fachlichen Qualitäten der Stars der Papiervermehrungs-Szene ist in erster Linie rechtfertigender Natur. Ob dort wirklich Werte [...] mehr...
Erstens ist das Umsatz und kein Gewinn, zweitens müssen sie 4% Zinsen auf ein Quartal erst einmal holen, dass ist verdammt viel. Das Banken sich zu 0 % finanzieren können ist eine Mär, ein Blick in die Rechnungslegung hilft [...] mehr...
bei Anshu Jain kann ich jedoch nur warnen, Inder sind bekanntlich manchmal brillant in der anderen Minute versagen sie, d.h. sie sind nicht stabil Das liegt an ihrer Kultur, die sie gepraegt hat, nicht an dem Individium. [...] mehr...
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