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28.07.2010
 

Mauschel-Vorwurf gegen BP

Hayward lehnt Senatsbefragung zu Libyen-Deal ab

Scheidender Konzernchef Hayward: "Zu viel zu tun"Zur Großansicht
REUTERS

Scheidender Konzernchef Hayward: "Zu viel zu tun"

Neuer Affront gegen den US-Senat: Tony Hayward lehnt eine Befragung darüber ab, ob BP die Freilassung eines Lockerbie-Attentäters vorangetrieben hat, um einen milliardenschweren Fördervertrag mit Libyen abzuschließen. Er habe "zu viel zu tun", ließ der scheidende Konzernchef mitteilen.

London - Der scheidende BP-Chef will sich nicht noch einmal vom US-Senat auf den Zahn fühlen lassen. Ein Senatsausschuss im US-Kongress in Washington wollte Tony Hayward dazu befragen, ob BP die vorzeitige Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi aktiv mitbetrieben hat, um einen milliardenschweren Ölförderungsvertrag mit Libyen abschließen zu können. Er habe "zu viel zu tun", ließ Hayward mitteilen.

Der ehemalige britische Justizminister Jack Straw lehnte es ebenfalls ab, dafür nach Washington zu kommen, genauso wie Mitglieder der schottischen Regionalregierung in Edinburgh.

Senator Robert Menendez, der den zuständigen Ausschuss leitet, bezeichnete die Haltung der Briten als "äußerst enttäuschend". Die Zeitung "The Guardian" zitierte ihn mit den Worten: "Sie mauern." Hayward sei offenbar mehr an seiner Millionen-Abfindung interessiert als an der Klärung der Frage, "ob das Unternehmen einen Handel 'Blut gegen Öl' befürwortet hat".

Neben zusätzlicher Aufklärung setzen sich mehrere Demokraten im US-Senat auch für höhere Haftungen von Energiemultis bei Bohrungen im Meer ein. Am Dienstag stellten Abgeordnete einen Gesetzentwurf vor, demzufolge Ölunternehmen die gesamten Kosten einer Ölpest übernehmen müssten.

Senat plant höhere Haftung bei Ölkatastrophen

Die Demokraten wollen dafür die bisherige Deckelung der Haftung von 75 Millionen Dollar abschaffen, die sich auf wirtschaftliche Verluste bezieht. Dem Entwurf zufolge würde das Gesetz rückwirkend gelten - und damit auch die im April losgetretene Ölpest im Golf vom Mexiko einschließen.

Laut "Washington Post" haben verschiedene US-Behörden außerdem Ermittlungen gegen die an der Ölkatastrophe beteiligten Firmen eingeleitet. Bis es zur Anklage komme, könnte mehr als ein Jahr vergehen, schreibt die Zeitung. Dann aber könnten den Unternehmen hohe Strafzahlungen drohen - und den verantwortlichen Managern sogar Gefängnisstrafen.

Im Fokus der Ermittlungen stehen der Ölkonzern BP, der Ölfeldausrüster Halliburton und der Eigentümer der Bohrinsel, Transocean. Dem Pressebericht zufolge gehen die Ermittler der Frage nach, ob zu enge Beziehungen der Unternehmen zu den Bundesbehörden zum Unglück beigetragen haben könnten. Dabei geht es auch um den Vorwurf der Bestechlichkeit. Daneben würden mögliche Falschaussagen der Unternehmen im Zusammenhang mit dem Unglück untersucht.

Ölteppich auf dem Golf von Mexiko löst sich schnell auf

Knapp zwei Wochen nach Verschluss der defekten BP-Quelle im Golf von Mexiko löst sich der Ölteppich auf dem Meer überraschend schnell auf. Nach Angaben der US-Küstenwache ist mehr als drei Monate nach Beginn der Katastrophe nur noch an wenigen Stellen ein Ölfilm auf dem Wasser zu finden. Am Dienstag hätten deswegen nur noch 160 Liter Öl von der Oberfläche abgeschöpft werden können, sagte der zuständige Admiral Paul Zukunft.

Seit Beginn der Katastrophe am 20. April sind nach Schätzungen der US-Regierung bis zu 700.000 Tonnen der rostbraunen Masse in den Golf von Mexiko geströmt. Die Sorgen über die Langzeitschäden für die Umwelt sind trotz des schnellen Rückgangs des Ölteppichs weiter groß. Noch wissen die Wissenschaftler nicht genau, wie sich die Ölmassen in größeren Tiefen verteilt haben. "Weniger Öl auf der Oberfläche bedeutet nicht, dass kein Öl unter der Oberfläche ist", sagte die Chefin der US-Ozeanographiebehörde, Jane Lubchenco.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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