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28.07.2010
 

Durchbruch für Berggruen

Gläubiger genehmigen günstigere Karstadt-Mieten

Karstadt-Insolvenzverwalter Görg und Investor Berggruen: Einigung in letzter Minute?Zur Großansicht
dpa

Karstadt-Insolvenzverwalter Görg und Investor Berggruen: Einigung in letzter Minute?

Ist das der Durchbruch im Streit um die Zukunft von Karstadt? Das Vermieter-Konsortium Highstreet hat erstmals niedrigeren Mieten zugestimmt. Doch jetzt müssen noch zwei weitere Gruppen des Kreditgebers den strittigen Vertragsentwurf billigen.

London/Frankfurt am Main - Es könnte einer der letzten entscheidenden Schritte auf dem Weg zu einer Einigung sein: Im Ringen um Mieterleichterungen für die Karstadt-Warenhäuser hat die Vermieterseite erstmals Zustimmung signalisiert. Ein Teil der Finanzierer des Vermieterkonsortiums Highstreet stimmte am Donnerstag bei einem Treffen in London niedrigeren Mieten für die insolvente Kaufhauskette zu, teilte ein Highstreet-Sprecher mit.

Der Karstadt-Insolvenzverwalter, Klaus Hubert Görg, begrüßte die Zustimmung. "Dies ist eine Entscheidung im Interesse von 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern", sagte Görg. Goldman-Deutschland-Chef Alexander Dibelius hatte bereits am Wochenende eingelenkt und den Weg zu einer Einigung mit Berggruen für frei erklärt. Jetzt sei die Verständigung über reduzierte Mieten ein wichtiger letzter Schritt.

Der US-deutsche Investor Nicolas Berggruen hatte bessere Mietkonditionen zu einer Voraussetzung für die Übernahme des Traditionsunternehmens gemacht. Eine Einigung mit anderen Gläubigern des Highstreet-Konsortiums steht allerdings weiter aus.

Dem Highstreet-Konsortium, hinter dem die US-Bank Goldman Sachs und die Deutsche Bank stehen, gehören 86 der insgesamt 120 Karstadt-Warenhäuser. Die Filialen werden über drei verschiedene Anlage-Portfolios finanziert. Am Donnerstag stimmte die Gläubigergruppe des Portfolios B den günstigeren Mietkonditionen zu, die für 44 Karstadt-Filialen und ein Anlagevolumen von 1,1 Milliarden Euro steht. Nun müssen auch noch die Investoren hinter den beiden anderen Portfolios den niedrigeren Mieten zustimmen.

"Wenn man sich einigen will, kann man es auch"

Nach Angaben der Valovis-Bank gab es bislang keine Einigung beim sogenannten Portfolio A. Die Valovis-Bank, hinter der der Pensionsfonds der Karstadt-Mitarbeiter steht, finanziert ein Portfolio, das 36 Karstadt-Warenhäuser umfasst. Investor Berggruen geht es darum, die niedrigeren Mieten in das Grundbuch der Filialen eintragen zu lassen. Dagegen wehrt sich Valovis, weil die Bank hierdurch den Wert der Filialen gefährdet sieht. Die Warenhäuser dienen als Pfand für den 850-Millionen-Euro Kredit, den die Bank dem Highstreet-Konsortium gewährt hat.

Eine Einigung zwischen Berggruen und dem gesamten Highstreet-Konsortium ist Bedingung dafür, dass der Kaufvertrag für die Warenhauskette endgültig in Kraft treten kann. Insolvenzverwalter Görg forderte am Mittwoch erneut von allen Beteiligten, dass der Vollzug des Kaufvertrags bis spätestens zum 8. August unter Dach und Fach gebracht wird. "Wenn man sich in der Frist einigen will, dann kann man es auch", sagte Görg.

Am 10. August will das Amtsgericht Essen endgültig entscheiden, ob die Bedingungen des Insolvenzplans für Karstadt erfüllt sind - die Voraussetzung für die Entschuldung und den Neustart des seit Juni 2009 in der Insolvenz befindlichen Unternehmens. Die Frist wurde wegen der ins Stocken geratenen Verhandlungen zwischen Highstreet und Berggruen bereits verlängert.

lgr/AFP/dpa/Reuters

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Zur Person

ddp
Nicolas Berggruen, Sohn des berühmten Kunstsammlers Heinz Berggruen, wurde am 10. August 1961 in Paris geboren. Er wuchs in England, Frankreich und der Schweiz auf und verdiente nach einem Finanzwirtschaftsstudium schon früh an der Wall Street sein eigenes Vermögen. Seit einigen Jahren konzentriert sich der Investor, der keinen festen Wohnsitz hat und in Hotels wohnt, auf nachhaltige Investments. So gehören zu seinem Firmen- und Immobilienimperium auch Reisfarmen in Kambodscha und eine Ethanolfabrik. Mehr auf der Themenseite...

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