London/Houston - Die Katastrophe im Golf von Mexiko hält die Welt in Atem, die Ölmultis
Royal Dutch Shell
und
Exxon Mobil
erzielen derweil Milliardengewinne - trotz des vorläufigen Verbots von Tiefsee-Ölbohrungen in den USA.
Exxon verdiente im zweiten Quartal unterm Strich knapp 7,6 Milliarden Dollar - doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Mit dem Ergebnis übertraf der Konzern die Erwartungen der Börsianer. Die Aktie stieg deutlich.
Auch Shell hat seine Gewinne im zweiten Quartal fast verdoppelt. Die Erträge des niederländisch-britischen Unternehmens kletterten auf 4,5 Milliarden Dollar, nach 2,3 Milliarden Dollar vor einem Jahr, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Der Gewinn lag ebenfalls klar über den Erwartungen von Analysten.
Der Gewinnschub hängt vor allem mit den steigenden Rohstoffpreisen zusammen: Während ein Fass der US-Rohölsorte WTI vor einem Jahr noch für unter 60 Dollar zu haben war, kostet es aktuell rund 77 Dollar (siehe interaktive Grafik links). Im Dezember kostete ein Fass WTI gerade mal gut 30 Dollar - der tiefste Stand in fünf Jahren.
Für den weiteren Geschäftsverlauf dämpfte Shell-Chef Peter Voser jedoch die Euphorie. Zwar sei der Ölpreis in diesem Jahr relativ stabil geblieben. Renditen, Gaspreise und die Nachfrage nach Ölprodukten blieben aber unter Druck. "Der Ausblick ist nach wie vor unsicher", sagte er. Wegen des Verbots von Tiefsee-Ölbohrungen legte Shell sieben Bohrinseln still und stellte dafür im zweiten Quartal 56 Millionen Dollar zurück. Shell ist neben BP einer der größten Ölproduzenten im Golf von Mexiko und rechnet im dritten Quartal mit Einbußen wegen des Verbots.
Zwar müssten die Eigentümer der Plattformen wie Transocean oder Noble Corp den Löwenanteil der Verluste durch das Verbot tragen, teilte Shell mit. Der Konzern wolle dennoch von BP Schadensersatz einfordern.
BP verbuchte wegen des Desasters im Golf von Mexiko im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 17 Milliarden Dollar. Die Bohrinsel des britischen Energiekonzerns war Ende April explodiert und hatte die schlimmste Ölkatastrophe in der Geschichte der USA ausgelöst (Chronologie: siehe Infobox links). Auf Druck der US-Regierung richtete BP einen Entschädigungsfonds von 20 Milliarden Dollar ein. Um den Fonds zu finanzieren, hat BP mit dem Verkauf von Konzernteilen im Wert von mehreren Milliarden begonnen. Zu den Forderungen von Shell wollte BP sich nicht äußern.
ssu/dpa/Reuters
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