Von Julia Kimmerle
Im Westfield, einer edlen Supermall mitten in London, ist die Natur sehr weit weg. Genau hier eröffnet der Outdoor-Hersteller Jack Wolfskin an diesem Donnerstag seinen 355. Laden. Der naturbewusste Städter kauft seine Kleider inzwischen eben gern im gediegenen Ambiente.
Mission des Ladens: "Markenbekanntheit steigern", sagt eine Sprecherin. Es geht um eine Ansage an die Konkurrenz.
Jack Wolfskin, das Unternehmen mit der Tatze aus Idstein im Taunus, gilt als deutscher Branchenprimus im boomenden Outdoor-Markt. Rund 250 Millionen Euro hat das Unternehmen im vergangenen Jahr mit Wetterschutzkleidern und Schuhen umgesetzt, 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu beigetragen haben über drei Dutzend neueröffnete Geschäfte in Deutschland, Italien, aber auch Russland und Korea.
Wachstum auch beim US-Konkurrenten The North Face: Das Unternehmen eröffnet neue Flagschiffläden in Europa, zuletzt in Berlin auf dem Kurfürstendamm. Wie hoch der Umsatz in Europa im vergangenen Jahr war, darüber schweigt sich der US-Mutterkonzern VF Corporation aus. Weltweit sollen es im vergangenen Jahr jedoch eineinhalb Milliarden gewesen sein. In Europa steht das Unternehmen vermutlich auf dem dritten Platz hinter Jack Wolfskin und Schöffel.
Bisher ist die Outdoor-Branche von mittelständischen Unternehmen geprägt. Ihr Erfolg gründet auf Spezialprodukten - und langer Tradition. So gibt es die Firma Schöffel schon seit mehr als 200 Jahren, auch wenn sie erst in den Siebzigern von Strümpfen auf Wanderbekleidung umgestiegen ist. Der Bergschuh-Spezialist Meindl wiederum wurde 1928 gegründet, die Schweizer Firma Mammut schon 1862.
Die Großen im Sportgeschäft wie Adidas oder Nike tun sich gegen sie schwer. "Adidas hat seine Wurzeln eindeutig im Fußball, das ist seine Herkunft. Da ist es verständlicherweise ein längerer Weg hin zu Outdoor", sagt Klaus Jost, Vorstand des größten europäischen Sporthändlerverbunds Intersport.
Plant Adidas eine große Übernahme?
Dass man wohl noch etwas Geduld braucht, um bei den Naturfreunden Erfolg zu haben, sieht man auch in Herzogenaurach so. "Derzeit geht es vor allem darum, Glaubwürdigkeit und Akzeptanz in der Outdoor-Community zu erlangen", sagt Rolf Reinschmidt, der bei Adidas den Outdoor-Bereich leitet. Das Unternehmen hat sich hohe Ziele gesteckt: Laut einem Siebenjahresplan soll Adidas bis 2015 eine der führenden Outdoor-Marken werden. Gerüchte, dass sich das Unternehmen den steinigen Aufstieg durch eine Übernahme erleichtern könnte, will es nicht kommentieren. Angeblich steht Jack Wolfskin, seit einigen Jahren in der Hand der Investoren Quadriga Capital und Barclays Private Equity, nun zum Verkauf. Neben Adidas gilt auch Puma als Interessent.
Es ist Bewegung in der Branche. In England, Deutschland, Italien und der Schweiz stecken die Markenhersteller mit Superstores ihre Claims ab. Jack Wolfskin will seine Bekanntheit außerdem noch mit anderen Mitteln steigern - im Revier der klassischen Sportausstatterkonzerne, dem Fußball. Als Sponsor der Englischen Premiere League wird das Unternehmen gleich zwei Vereine unterstützen und sowohl dem FC Liverpool als auch dem FC Fulham sein Tatzen-Logo aufdrücken. Die Marketingoffensive zeigt, dass der Optimismus in der Branche ungebremst ist.
Hemden aus Hightech-Fleece, mit Nano-Partikeln beschichtete Regenjacken und klimaregulierende Unterhosen verkaufen sich jetzt schon besser als Fußballausrüstungen. Etwa ein Viertel des gesamten Volumens im Sportbereich ist Outdoor, mehr als doppelt so viel wie Fußball. "Dieses Segment wächst nach wie vor am stärksten - und das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben", sagt Intersport-Vorstand Klaus Jost. "Die heute Vierzigjährigen haben ja noch so viele Jahre vor sich, in denen sie raus gehen und sich bewegen werden."
Demografie plus Zeitgeist
Outdoor ist in. Fleece-Pullis wärmen inzwischen auch bei Einkaufstouren durch die Innenstadt, Wanderhemden werden am Casual Friday im Büro getragen und Trekking-Sandalen sonntags zum Brötchenholen umgeschnallt. Modisch mag das fragwürdig sein, für die Hersteller ist es ein Segen.
Demografie plus Zeitgeist - das sind die Gründe für den Branchenboom. "Den größten Zuwachs haben wir nicht bei den Extrembergsteigern, sondern bei denen, die die Natur erleben und dabei auf Komfort nicht verzichten wollen", sagt Andreas Bartmann, Geschäftsführer des Outdoor-Fachhändlers Globetrotter.
225 Millionen Euro hat Globetrotter im vergangenen Jahr umgesetzt. Nun steht das Unternehmen vor der größten Expansion seiner Firmengeschichte. Anfang März eröffnet eine neue Filiale mit 7000 Quadratmetern mitten in München, in der Dresdner Innenstadt folgt ein weiteres Geschäft in der gleichen Größe, und auch in Frankfurt wird ausgebaut. An den neuen Standorten sollen "Erlebniswelten" entstehen wie schon in Köln: In speziellen Kältekammern können Kunden bei minus 20 Grad und Gegenwind zum Beispiel die Wärmeleistung von Schlafsäcken testen. Einkaufen als Abenteuer - auch wenn es danach nur zum Camping an die Ostsee geht.
Dass die Wanderlust der Deutschen ein Zukunftsmarkt ist, das bestätigen auch erste Ergebnisse einer Studie, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wurde. Mehr als die Hälfte aller Deutschen über 16 gibt an, sich zu den aktiven Wanderern zu zählen. "Das stimmt uns natürlich sehr zuversichtlich", sagt Bartmann.
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Ich finde diesen Outdoor-Boom so erschreckend, weil diese High-End-Gear-für-Tagesausflüge-in-den-Tierpark-Mentalität ein perfektes Beispiel für das unreflektierte Konsumverhalten unserer Überflussgesellschaft gibt. Draußen-sein [...] mehr...
Hier eine Übersicht (http://www.rajiv.de/3.html) über die Produktionsländer auch sehr namhafter und qualitativ hochwertiger Hersteller. mehr...
Ich gebe zu, dass ich bewusst etwas übertrieben habe, weil dies einen Sachverhalt oft deutlicher erscheinen lässt (wahrscheinlich habe ich früher zu viel von Kishon gelesen ;-). Mein Kommentar bezog sich natürlich nur, und [...] mehr...
Ich habe verschiedene Marken-Jacken. Im Winter im Schnee bin ich am liebsten mit meiner TCM Jacke unterwegs. Sie hat ausreichend Taschen. Glück gehabt, dass in dem Fall die billigste Jacke gleichzeitig auch noch die beste ist. [...] mehr...
Ist mir auch schon aufgefallen. Das sind die selben Pärchen die vor 15 Jahren die Helly Hansen Jacken getragen haben. In der Regel sind die Pärchen so ab Mitte 40, oft hat die Jacke auch noch die gleiche Farbe (sehr beliebt [...] mehr...
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