Berlin/Hannover - Da sage nochmal jemand, es gebe im Sommerloch keine echten Aufreger: Mit Unverständnis haben Umweltschützer und die Berliner Handwerkskammer auf die Lieferung von Backwaren aus Hannover für den Bundespräsidenten reagiert.
Brot und Brötchen aus Niedersachsen nach Berlin zu transportieren, sei "verrückt", sagte die Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling. Der Traditionsbäcker Jochen Gaues aus Hannover liefert fünfmal die Woche hochwertige Brote und Brötchen nach Berlin, unter anderem an das Luxus-Hotel Adlon und das Schloss Bellevue.
"Auch in Berlin gibt es ganz hervorragendes Brot", sagte Hämmerling. Sie empfehle beispielsweise das "Märkische Landbrot". Außerdem könne Bundespräsident Christian Wulff seine Hannoveraner Brötchen viel besser genießen, wenn er sie nur im Heimaturlaub esse. "Meine Familie und ich lassen uns unsere geliebten Thüringer Rostbratwürstchen auch nicht nach Berlin liefern, sondern essen sie nur im Urlaub in Thüringen", sagte Hämmerling.
Wulff bevorzugt Brötchen und Vollkornbrot
Auch die Sprecherin des Umweltverbandes BUND, Carmen Schultze, sagte, umwelttechnisch sei es immer besser, vor Ort produzierte Waren zu kaufen. Gerade "qualitativ hochwertige" Häuser setzten eigentlich zunehmend auf regionale Produkte. Im Adlon und im Schloss Bellevue sei diese Botschaft offenbar noch nicht angekommen. Oder aber die Schuld liege bei der Berliner Bäckerzunft, sagte Schultze.
Dem widersprach Wolfgang Rink von der Handwerkskammer Berlin. In der Hauptstadt gebe es zahlreiche Bäcker, die wie Gaues nach alter Tradition backen. Manche hätten sogar eine eigene Mühle. "An der Qualität der Berliner Brötchen kann es nicht liegen", sagte Rink. Er vermutet, dass die Lieferungen aus Hannover noch auf alten Verträgen basierten. "Aber es wäre natürlich schön, wenn die Brötchen für den Bundespräsidenten aus Berlin kämen", fügte Rink hinzu.
Der Hannoveraner Bäcker Gaues beliefert nach eigenen Angaben drei von neun deutschen Häusern, die drei Michelin-Sterne haben. Neben den fünf Berlin-Touren pro Woche fahren seine Transporter unter anderem täglich aus der niedersächsischen Landeshauptstadt nach Hamburg.
Allerdings wird das Schloss Bellevue bereits seit Jahren beliefert - also auch schon unter Wulff-Vorgänger Horst Köhler. Und zwar nur zweimal im Monat, da die Mengenabnahme viel geringer ist als die eines Restaurants. Bundespräsident Christian Wulff bekommt fast nur Brötchen und Vollkornbrot. "Der Umsatz ist mit 400 Euro nicht so hoch", sagt Bäcker Gaues. Na dann: Guten Appetit!
böl/ddp
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