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18.08.2010
 

Mehr Menschen in Arbeit

Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt

Bauarbeiter in Düsseldorf: Offenbar kommt der Boom doch auch bei den Menschen anZur Großansicht
AP

Bauarbeiter in Düsseldorf: Offenbar kommt der Boom doch auch bei den Menschen an

Der Aufschwung erreicht endlich auch den Jobmarkt: Erstmals seit der Finanzkrise ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland wieder gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt sind nun 40,3 Millionen Menschen in Arbeit - 72.000 mehr als vor einem Jahr.

Wiesbaden - Es ist ein Rekord: Noch nie seit der Wiedervereinigung war das Beschäftigungsniveau in einem zweiten Quartal so hoch wie in diesem Jahr. Laut Statistischem Bundesamt waren von April bis Juni 2010 insgesamt 40,3 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig. Das sind 0,2 Prozent oder 72.000 Personen mehr als vor einem Jahr.

Die Zahlen sind vor allem aus einem Grund bemerkenswert: Es ist das erste Mal seit 2009, dass die Erwerbstätigkeit im Vergleich zum Vorjahreswert steigt. Das bedeutet, dass nun auch der Jobmarkt die Finanzkrise hinter sich gelassen hat.

Wie gut die konjunkturelle Entwicklung ist, hatte das Statistische Bundesamt schon in der vergangenen Woche ermittelt. Mit einem Plus von 2,2 Prozent im zweiten Quartal wächst die Wirtschaft so stark wie zuletzt 1990. Die Bundesregierung erwägt nun, ihre Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2010 auf drei Prozent anzuheben.

Befürchtungen, dass der Boom bei den Menschen nicht ankomme, scheinen sich zu zerschlagen. So stieg die Erwerbstätigkeit im Vergleich zum Vorquartal besonders kräftig - um ein Prozent oder 402.000 Personen. Selbst die sonst so nüchternen Statistiker betonten, dass dies ein ungewöhnlich starker Anstieg sei (siehe Tabelle).

Erwerbstätige in Deutschland (in Tausend)
Q1 2007 39.116
Q2 2007 39.594
Q3 2007 39.886
Q4 2007 40.300
Q1 2008 39.761
Q2 2008 40.179
Q3 2008 40.432
Q4 2008 40.733
Q1 2009 39.937
Q2 2009 40.186
Q3 2009 40.347
Q4 2009 40.613
Q1 2010 39.856
Q2 2010 40.258
Quelle: Statistisches Bundesamt
Als Gründe nannten sie die konjunkturelle Erholung sowie Nachholeffekte aufgrund des harten Winters. Aber selbst wenn man diese Effekte hinausrechnet, ergibt sich saisonbereinigt immer noch ein Zuwachs um 0,2 Prozent oder 81.000 Personen.

In den einzelnen Wirtschaftsbereichen entwickelte sich die Erwerbstätigkeit unterschiedlich. Während im produzierenden Gewerbe und in der Landwirtschaft weniger Menschen arbeiten als im Vorjahr, nahm die Zahl der Erwerbstätigen in den Dienstleistungsbereichen und im Baugewerbe zu (siehe Tabelle).

Im produzierenden Gewerbe sank die Zahl der Erwerbstätigen zwar das sechste Quartal in Folge, allerdings waren die Beschäftigungsverluste nicht mehr so deutlich wie bisher. Äußerst positiv werten die Statistiker dagegen die Zuwachsraten im Dienstleistungssektor, zu dem der Handel, Gastgewerbe und Verkehr, Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister sowie öffentliche und private Dienstleister zählen. Hier arbeiten nun 294.000 Personen mehr als vor einem Jahr.

Insgesamt ist die Zahl der Selbstständigen stärker gestiegen als die der Arbeitnehmer. Bei den abhängig Beschäftigten verzeichneten die Statistiker im zweiten Quartal einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahreswert um 0,1 Prozent auf 35,81 Millionen Personen, bei den Selbstständigen sind es plus 0,7 Prozent auf 4,44 Millionen Personen.

Erwerbstätige nach Branchen (in Tausend)
Land- und Forstwirtschaft 877
Produzierendes Gewerbe 7580
Baugewerbe 2203
Dienstleistungen 29.598
Erwerbstätige insgesamt 40.258
2. Quartal 2010, Quelle: Statistisches Bundesamt

Das Ausmaß des Aufschwungs wird auch deutlich, wenn man die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen im zweiten Quartal betrachtet. Nach vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat sich deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent auf 335,8 Stunden erhöht. Wesentlich dazu beigetragen habe der Rückgang der Kurzarbeit sowie der leichte Anstieg der normalen Wochenarbeitszeit und der Überstunden. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen erhöhte sich um 2,5 Prozent auf 13,5 Milliarden Stunden.

Die gute Konjunkturlage spürt auch der deutsche Einzelhandel. Nach neuesten Berechnungen lagen die Umsätze im ersten Halbjahr 1,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraumes, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Bisher waren die Statistiker von einem Plus von 0,5 Prozent ausgegangen. Auch unter Berücksichtigung der Inflation konnten die Einzelhändler ihre Umsätze erhöhen, und zwar um 0,9 Prozent.

wal/dpa

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Die neuesten Beiträge:
18.08.2010 von dramaticmoments: 5 Mrd.

Ich meine, kürzlich mal etwas von fünf Milliarden Euro Aufstockerzahlungen in 2009 gelesen zu haben. Falls ich dies jetzt mit etwas anderem verwechseln sollte, möge man mich bitte korrigieren. mehr...

18.08.2010 von thana: Titel gibts auch

Kommt drauf an, wo Sie leben und ob Sie alleinstehend sind oder Familie haben.... in meinem Heimatort wäre ich mit 1500 € Netto schon fast reich für meine Verhältnisse, weil ich da eine Wohnung für 300 Euro bekommen kann (warm), [...] mehr...

18.08.2010 von NAIS: .

Nö. Denn: Für Dienstleistungen bezahlen Sie ja auch. Also wird dort auch Wert geschöpft. mehr...

18.08.2010 von tzünisch: 123

Mal 'ne blöde Frage: Wenn im produzierenden Gewerbe weniger Leute arbeiten, also weniger Leute arbeiten, die wirklich etwas erwirtschaften, dann wird doch das Geld weniger, oder ? Wenn dann im Dienstleistungsektor, also dort [...] mehr...

18.08.2010 von Kasseler: Unterbeschäftigung

Wie gesagt, die Zahl der Unterbeschäftigten ist nicht aussagekräftig. Wenn jemand 30 statt 40 Stunden arbeitet und er will mehr, dann gilt er auch schon als "unterbeschäftigt" etc. Sie können die Zahlen gern nach oben [...] mehr...

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Hartz IV ist die größte und umstrittenste Arbeitsmarktreform in der Geschichte der Bundesrepublik. Benannt ist sie nach dem damaligen Volkswagen-Personalchef Peter Hartz, der als Leiter einer Regierungskommission die Grundlagen der Reform vorgeschlagen hatte. Am 1. Januar 2005 trat das entsprechende Gesetz in Kraft.

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