Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Den Untergang zelebrierte François Jozic noch einmal mit ordentlichem Pathos: "Ich höre auf zu kämpfen", verkündet der Gründer der alternativen Noa Bank am Mittwochabend in einem letzten Blog-Eintrag auf den Internetseiten der Noa Bank: "Der BaFin wurden bis zu diesem Tag viele Vorschläge von potentiellen Investoren unterbreitet, aber keiner schien sie zu befriedigen." Er habe sich deshalb entschlossen, die Noa Bank von der Finanzaufsicht "schließen zu lassen". Jozic wusste wohl, was kommt. Wenig später am Abend ordnete die BaFin ein sogenanntes Moratorium über das Geldinstitut an. Damit ist die Bank vorübergehend geschlossen, die Einlagen sind eingefroren - das Geldinstitut ist praktisch am Ende.
Für Jozic sind die Schuldigen ausgemacht. "Das gesamte Finanzsystem ist selbstorganisiert, um unbeweglich zu sein. Ich habe versucht, es zu ändern, aber ich bin gescheitert", schreibt er in seinem Blog. Die Schuld an seinem Scheitern trage die BaFin. Ihre Ankündigung, der Bank die Lizenz zu entziehen, habe "verschiedene Investoren verschreckt". Er fühle sich wie Josef K., schreibt Jozic. Eine Anspielung auf die Hauptfigur aus Kafkas "Prozess", die eines Morgens aus heiterem Himmel verhaftet wird.
Wer glaubt, dass sich hier nur ein Gescheiterter kurz vergisst, täuscht sich. Jozic hatte schon in früheren Blog-Einträgen eine Art Komplott von Großbanken und "Establishment" skizziert, sich als Kämpfer gegen vermeintliche dunkle Mächte des Kapitals inszeniert. Dabei stellt sich nach den letzten chaotischen Monaten der Bank eigentlich nur eine Frage: Wie konnte ein derartiges Finanzinstitut überhaupt zugelassen werden?
"Das wussten wir nicht"
Der erste Eindruck, den der Unternehmer mit der Wuschelfrisur und der riesigen schwarzen Brille hinterließ, war wohl zu gut. Der 37-Jährige gab den Anti-Banker, setzte auf Transparenz, verkündete die Parole: "Keine Spekulation". Die Kunden sollten selbst entscheiden, was mit ihren Spareinlagen passiert. Ob sie in Kredite für den Mittelstand, in Umwelt-, Kultur- oder Gesundheitsprojekte fließen sollten.
Der Erfolg war zunächst groß. Die Noa Bank befriedigte nämlich nicht nur den Wunsch ihrer Kunden nach einem guten Gewissen, sondern auch den nach überdurchschnittlich hohen Zinsen. Binnen kürzester Zeit wurden so rund 300 Millionen Euro an Kundengeldern eingesammelt. Allein: Das Kreditgeschäft lief nicht wie geplant. Lediglich 60 Millionen Euro konnten vergeben werden. Die enorme Lücke aber ist ein Problem, schon weil man die großzügigen Zinsen für die eigenen Kunden finanzieren musste. Schon im April erklärte die Bank deshalb, vorübergehend kein neues Tagesgeld mehr anzunehmen.
Der Anfang vom Ende begann spätestens, als Jozic die Factoring-Firma Quorum mit dem Geldinstitut verschmolz, die er einst mit dem gleichen Partner wie die Noa Bank gegründet hatte. Auf den ersten Blick hatte die Idee zwar Charme: Das Unternehmen kaufte Firmen ihre offenen Forderungen ab, um diese dann später einzutreiben. Für die Vorfinanzierung ist viel Geld nötig - das die Noa Bank hatte. Doch die neue Tochter, die nach dem Zusammenschluss Noa Factoring hieß, brachte auch neue Probleme. Die Eigenkapitalanforderungen für die Gruppe, deren Puffer ohnehin dünn war, erhöhten sich weiter. Weil die Noa Bank dem nicht gerecht werden konnte, griff die BaFin endgültig ein und untersagte der Noa Bank das Kredit- und Spareinlagengeschäft.
Eine Hiobsbotschaft nach der anderen
"Rechtlich ist dies korrekt, aber das wussten wir nicht", erklärte Jozic über die Entwicklung entwaffnend offen auf seiner Seite. Den Banken-Professor Martin Faust von der Frankfurt School of Finance and Management entsetzte diese Äußerung schon damals gehörig. Sie zeige die "große Naivität", mit der bei der Noa Bank die Geschäfte betrieben worden seien. Er habe den Eindruck, dass das von Jozic ausgewählte Management "keinen Einblick hat, wie eigentlich eine Bank zu führen ist".
Am Mittwoch folgten die Hiobsbotschaften dann Schlag auf Schlag. Zunächst reichte die Noa Factoring beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag ein. Am Abend machte Jozic dann seinen Blog-Eintrag öffentlich. Dann erklärte die BaFin ihr Moratorium. Wegen der Insolvenz der Noa Factoring habe die Überschuldung der Bank gedroht, heißt es aus der Behörde. Die Noa Factoring war mit einem Gesamtvolumen von 26 Millionen Euro der mit Abstand größte Kreditnehmer der Noa Bank.
Für die Kunden des Geldinstituts bedeutet das, dass ihre Gelder nun zunächst eingefroren sind. Ihre Konten sind allerdings pro Person bis zu einer Höhe von 50.000 Euro durch die gesetzlich vorgeschriebene Einlagensicherung abgedeckt. Allerdings kann es einige Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern, bis die BaFin den sogenannten Entschädigungsfall festgestellt hat und die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken alle Gelder zurückgezahlt hat.
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Da hatte wohl jemand die Sprüche von Politikern etc. im Kopf, die den etablierten Banken und vor allem Bankmitarbeitern unverhältnismässige Gewinne vorwerfen. Er ging davon aus, dass man auch mit weniger Gewinn eine Bank [...] mehr...
Warum sind die eigendlich ihr Geld bei der Zielgruppe nicht losgeworden? Brauchen "REGION PLANET LEBEN KULTUR" kein Geld? Oder zu miese Konditionen? mehr...
------------------------------------------------------ Konzepte können ja auch tragfähig sein, aber es bedarf auch an Personen, die dieses alles dann auch erfolgreich umsetzen und daran scheint es gescheitert zu sein. mehr...
Denke Sie verwechseln etwas. Der grösste Kunde der Noa-Bank war die Noa-Factoring. Factoring ist ein Finanzierungsinstrument bei dem ein Hersteller/Dienstleister seine Forderungen gegen Gebühr verkauft und so seine Liquidität [...] mehr...
Wie kann man nur ein Geldinstitut "No-A-Bank" nennen? Da steckt das schlechte Rating ja schon im Namen! mehr...
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