Hamburg - Das angeschlagene Solarunternehmen Conergy und der als neuer Firmenchef fest eingeplante stellvertretende Vorstandsboss Andreas von Zitzewitz trennen sich. Der Aufsichtsrat habe sich mit dem Manager "auf die sofortige Beendigung seiner Tätigkeit für das Unternehmen verständigt", teilte Conergy am Donnerstag mit. Bisher war geplant, dass Zitzewitz im Herbst die Konzernleitung von Dieter Ammer übernehmen sollte.
Zu den genauen Gründen machte Conergy keine Angaben, Insider berichteten jedoch von unüberbrückbaren Differenzen mit dem Kontrollgremium. Zitzewitz galt seit mehr als einem Jahr als Kronprinz bei Conergy. Er war im März 2008 zu Conergy gekommen und Anfang 2009 in den Vorstand aufgerückt. Sein Vertrag lief bis Ende 2011. Zitzewitz sollte ursprünglich bereits im Juli dieses Jahres den Vorsitz der Gesellschaft übernehmen. Da sich Refinanzierungsverhandlungen mit Banken länger als geplant hinzogen, bat der Aufsichtsrat Ammer jedoch um eine Verlängerung von drei Monaten.
Zitzewitz und das Kontrollgremium sollen sich überworfen haben, als der Manager vor wenigen Wochen plötzlich für den Aufsichtsrat unerfüllbare Forderungen gestellt habe, wie die Nachrichtenagentur dpa-AFX Insidern erfuhr. So habe er etwa sein künftiges Vorstandsteam allein, ohne Mitspracherecht des Aufsichtsrates, zusammenstellen wollen. Die Forderung hätten zum Teil auch den Prinzipien der guten Unternehmensführung widersprochen.
Conergy war für Zitzewitz eine zweite Chance. Der gebürtige Stuttgarter war als leitender Manager in den Schmiergeldskandal beim Chiphersteller Infineon vor mehr als fünf Jahren verwickelt. Vor Gericht gestand Zitzewitz, Bestechungsgelder angenommen zu haben, und akzeptierte Ende 2006 einen Strafbefehl über ein Jahr Haft auf Bewährung sowie die Zahlung von 100.000 Euro.
Für Conergy kommt die Trennung und die damit verbundene neuerliche Unruhe zur Unzeit. Gerade schien das Unternehmen, das 2007 nur knapp der Pleite entkommen war und seitdem immer wieder um die Existenz kämpfte, wieder in sicheres Fahrwasser gekommen zu sein. Ammer hatte das Ruder bei Conergy in der höchsten Not vor fast drei Jahren übernommen und einen harten Restrukturierungskurs eingeleitet.
wit/dpa-AFX/Reuters/apn
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