Von Arne Gottschalck
Hamburg - Die Entwicklung vom Traum zum Trauma kann schnell gehen. 1996 platzierte die Telekom
ihre Aktien an der Börse - und sehr viele Privatanleger aus Deutschland kauften die Papiere. Das Siegerlächeln des damaligen Chefs Ron Sommer und die Jovialität der Werbeikone Manfred Krug begeisterten die Republik. Doch mit dem jähen Kursverfall wenige Jahre später kam der Kater. Und der hat noch immer, 14 Jahre nach dem Börsengang, tiefgreifende Folgen für das Verhalten der Anleger.
Sie halten sich mit Aktieninvestments generell zurück. Und wenn sie die Beteiligung an Unternehmen wagen, gehen sie vermeintlich auf Nummer Sicher. Das zeigt eine Studie der Fondsgesellschaft Schroders.
Zwar wissen die Anleger hierzulande, dass die echten Wachstumsgeschichten nicht mehr in Deutschland passieren werden, sondern anderswo. So wächst Chinas Wirtschaft pro Jahr nahezu zweistellig. Und immerhin 47 Prozent der Befragten sehen in dem Riesenreich die künftige ökonomische Supermacht. Von den USA glauben das nur noch sechs Prozent. Doch trotzdem stehen die Privatinvestoren abseits, wenn es darum geht, diese Chancen auch zu nutzen.
Es fehlt dabei nicht die generelle Einsicht: "Vom Kopf her wissen die Menschen in Deutschland, dass sie ihre Investments breiter streuen müssen. Aber der Bauch zaudert", sagt Achim Küssner, bei Schroders für Kontinentaleuropa verantwortlich. Er sieht eine "große Diskrepanz" zwischen dem Wissen der Privatanleger und ihrem Anlageverhalten.
Risikoparameter sind wertlos geworden
Es sei sicherlich auch eine Frage der Bekanntheit des Anlageobjektes. "Der Dax
, das sind Daimler
und Co, das kennt jeder. Aber andere Indizes?" So gibt gut die Hälfte der Befragten an, der Grund für ihre Börsenabstinenz liege darin, dass sie die ausländischen Märkte für riskant halten.
Das gilt nicht nur für Deutschlands Privatanleger. Immer wieder berichten konsternierte Angelsachsen hinter vorgehaltener Hand - man will ja nicht unhöflich sein - von den für sie frustrierenden Erfahrungen, Finanzprodukte an den deutschen Profiinvestor bringen zu wollen. Die Deutschen seien zögerlich und würden das Risiko scheuen. Ohne es überhaupt zu kennen. "Das kann ja manch einer kaum definieren", sagt Küssner. "Da tut sich auch die Branche schwer."
Immerhin: Zumindest dem eigenen Land traut der Deutsche einiges zu. So wollen binnen der kommenden zwei Jahre 72 Prozent der Befragten hierzulande investieren. Und nur zehn Prozent wollen das auf keinen Fall. Das ist ein Anfang. Doch weitere Schritte müssten folgen. "Denn wer vor zehn Jahren in einen einfachen Dax-Fonds investierte", sagt Thomas Hartauer, Chef der Fondsboutique Lacuna, "hat heute unter dem Strich kein Geld verdient."
Aktien erleichtern den Vermögensaufbau
Um solche langen Schwächephasen abzufedern, gehören daher auch andere Weltregionen ins Depot. Doch da sind die Anleger eben skeptisch. Und das selbst bei den deutschen Nachbarn. Nur ein Drittel der von Schroders Befragten will sein Geld zum Beispiel in EU-Ländern anlegen. Und im Boom-Land China sogar nur sieben Prozent.
Dabei können die Deutschen durchaus rechnen, wie sie immer wieder beweisen. Vor kurzem zeigte eine Erhebung der aproxima Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung, dass finanzielle Gründe wie niedrige Zinsen der ausschlaggebende Grund sind, sich Wohneigentum zuzulegen. Und auch die Notwendigkeit privaten Sparens scheint inzwischen anerkannt zu sein. Immerhin dürfte diese Erkenntnis auch einer der Gründe für die Beliebtheit von Lebensversicherungen und Bausparkassen sein.
Entsprechend wissen die Deutschen auch, dass ohne Aktieninvestments der langfristige Vermögensaufbau erschwert wird. Sie wissen auch, dass niedrige Zinsen in die gleiche Richtung weisen. Und sie sind sich bewusst, dass Streuung über verschiedene Anlageklassen nötig ist. Aber eben nur in der Theorie. "In der Realität findet man eine echte Streuung über zum Beispiel Aktien, Anleihen und Immobilien bei deutschen Privatanlegern eher selten", sagt Hartauer.
Was also tun? "Die breit gemischten Portfolios sind die Antwort", sagt Schroders-Mann Küssner. Und Wilfried Stubenrauch von Stubenrauch & Hölscher Fondsberatung hofft: "Bei Zinsen von einem und zwei Prozent verliert das Vermögen nach Abzug von Steuern und Inflation real immer mehr an Wert. Aus dieser Not heraus steigt langsam auch wieder das Interesse für renditeträchtigere Anlagealternativen." Fast klingt es wie Trotz.
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So passend zu vorwiegenden stammtischplätzen reiche ich untertänigst meinen senf, wohl bekomms! das der author wohl nicht uas der wirtschafts oder börsen redaktion stammt, zeigt sich natürlich an der kritiklosen übernahme der [...] mehr...
Einverstanden: Wer ins Spielkasino geht ist für sich selbst verantwortlich; dann bitte auch die Verluste im Spielkasino nicht sozialisieren. Schon einmal von Ihrem Bankberater was tolles angeboten bekommen? Ich schon und im [...] mehr...
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