Wirtschaft



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25.08.2010
 

Boom nach der Krise

IT-Firmen feiern Deutschlands Aufschwung

Von Jan Willmroth

Chipherstellung in Deutschland: So richtig trauen die Firmen dem Aufschwung noch nicht Zur Großansicht
AP

Chipherstellung in Deutschland: So richtig trauen die Firmen dem Aufschwung noch nicht

Die Finanzkrise hat Deutschlands IT-Unternehmen das Geschäft verhagelt, umso stärker ist jetzt der Aufschwung. Infineon und Co. melden exzellente Zahlen, der Branchenverband Bitkom sagt ein kräftiges Wachstum voraus. Wie dauerhaft ist der Boom?

Hamburg - Christiane Strasse hat die Wirtschaftskrise live gesehen. Die Hamburger Unternehmerin vermittelt auf ihrer Internetseite IT-Fachkräfte an Firmen. Im vergangenen Jahr meldeten sich deutlich mehr Leute an als Projekte ausgeschrieben waren - es gab zu wenige Jobs.

Inzwischen ist es genau umgekehrt: Aktuell gibt es fast doppelt so viele Projekte wie Jobsuchende. Für all die kleinen bis mittelgroßen Unternehmen, die sich bei Christiane Strasse nach Fachkräften umsehen, sind einfach nicht genügend Experten da. "Momentan klagen viele, dass sie keine Leute finden", sagt Strasse. An ihren Statistiken kann sie ablesen, wie es der Branche geht - ein Mikrokosmos der Konjunktur.

Strasse arbeitet in einer Branche, die die Krise hart getroffen hat und die jetzt wieder in Fahrt kommt. Der High-Tech-Verband Bitkom rechnet für 2010 mit einem Wachstum von 1,4 Prozent im gesamten IT-Sektor - nach 4,3 Prozent Minus 2009. "Der deutsche IT-Markt dürfte vom überraschend starken Wachstum der Gesamtwirtschaft profitieren", sagt Sprecher Maurice Shahd. Tatsächlich ist die gesamte deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr so stark gewachsen wie seit Jahren nicht. Weit mehr als zwei Drittel der IT- und Hightech-Unternehmen rechnen nun mit steigenden Umsätzen.

Der Index, mit dem Bitkom die Umsatzerwartungen in dem Sektor misst, stürzte im vergangenen Jahr ab - jetzt liegt er schon über dem Vorkrisenniveau. 2010 soll das Jahr der Trendwende werden, 2011 das Jahr des deutlichen Wachstums, prophezeit der Verband.

Allerdings: So richtig wollen die Firmen dem Aufschwung noch nicht trauen. "Wie viel davon tatsächlich hängenbleibt, kann noch niemand abschätzen", sagt Shahd. Der Grund: Die IT-Branche hängt stark von anderen Wirtschaftszweigen ab. Sie ist kein klassischer Konjunkturtreiber, sondern profitiert vom Aufschwung anderer. Das heißt: So schnell wie es runtergeht, kann es auch wieder raufgehen - und umgekehrt.

Beispiel Infineon Chart zeigen: Das Halbleiterunternehmen ist als "Frühzykliker" bekannt, es spürt Konjunkturbewegungen sofort. Als der vormals zum Konzern gehörende Speicherchipspezialist Qimonda 2009 pleiteging, traute auch Infineon kaum noch einer über den Weg. Der Aktienkurs rutschte von mehr als fünf Euro auf unter 50 Cent, die Aussichten waren düster. Und heute?

Das größte Problem: Fachkräftemangel

Mittlerweile hat sich der Aktienwert wieder verzehnfacht, der Umsatz 2010 soll um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigen und die Fertigungsanlagen des Konzerns sind zu 90 bis 100 Prozent ausgelastet. Keine Spur mehr von Krise oder Preisverfall. "Viele Kunden konnten im vergangenen Jahr nicht sagen, wie es weitergeht", sagt eine Konzernsprecherin. Die meisten seien "auf Sicht gefahren", hätten nur kurzfristig geplant. Jetzt boomt der Autoabsatz in Fernost - und damit die Fertigung bei dem Münchner Chipspezialisten. Gefragt sind auch Halbleiter für Antriebe in Zügen, für Mobilkommunikation, für Photovoltaik und Antriebe in Windkraftanlagen.

Ein Problem allerdings treibt Infineon wie die gesamte Branche um: der Fachkräftemangel. Er gilt vielen Unternehmen als größtes Wachstumshemmnis. Mehr als die Hälfte aller IT-Firmen will laut Bitkom in diesem Jahr neue Leute einstellen. Rund 20.000 offene Stellen gab es im Juli. "Der Aufschwung kam schneller als wir erwartet hatten", sagt Bitkom-Chefvolkswirt Axel Pols.

Dabei sind die Konjunktureffekte noch nicht überall so deutlich zu spüren wie bei den Chipherstellern. Viele Segmente ziehen gerade erst an, wie etwa Software-Herstellung und IT-Dienstleistungen. Deswegen dürfte die Branche erst 2011 wieder so richtig wachsen.

Und was, wenn doch alles anders kommt? Christiane Strasse hat mit ihrer Internetseite sowohl Boomphasen als auch Krisenzeiten erlebt - zum Beispiel nach dem Platzen der Internetblase. Entsprechend vorsichtig ist sie nun. "Von einer Jubelstimmung in der Branche kann man derzeit nicht sprechen", sagt sie. Die Stimmung sei gut, doch der unerwartet starke Aufschwung mache viele auch misstrauisch. "Wir haben schon zu oft erlebt, dass nach der Euphorie ein Absturz folgt."

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insgesamt 17 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
26.08.2010 von QuixX: Früher ging's nur promoviert!

Umlaute. in Deutschland braucht man sie. Bitte Fachwissen? Damit der Mailer in der Gefü geht? Ich möchte Sie mal beim "sendmail konfigurieren" sehen. Exchange, lol. Mailer mit der Maus aufsetzen. Fachwissen? Gibt's da [...] mehr...

26.08.2010 von emiliolojo: Will ja nicht gemein Sein

Aber wenn ich mir deine Argumentation anhoere wundert es mich nicht das es an Fachkraefte in Deutschland mangelt. Die It Branche ist doch nicht die selbe wie vor 10 Jahren als jeder Fachidiot als IT Guru gefeiert wurde, heute [...] mehr...

26.08.2010 von wolfgangl: Fachkräftemangel!?!

Wenn es den Firmen gut geht, suchen sie nach Fachkräften, wenn es ihnen schlecht geht, setzten sie diese schnell auf die Straße. Die leute orientieren sich um und dann wird wieder über den Fachkräftemangel geklagt. Nachhaltiges [...] mehr...

26.08.2010 von gallstone: Warum einen Titel?

`94 war bei mir noch nicht viel mit PC ... :) ---Zitat--- Die meiste Arbeit (Turnschuh) der IT folgt nach ganz klaren Anweisungen. ---Zitatende--- das ist der Idealfall... aber nicht bei mir... leider. ---Zitat--- Ich [...] mehr...

25.08.2010 von jellykatze: Angestellte Fachkraft vs. freier Mitarbeiter

Nehmen wir mal Siemens als Beispiel: Es werden 2000 Fachkräfte eingestellt, die zunächst nicht wissen, was überhaupt ihre Arbeit ist. Einige davon sind im Laufe der Zeit dann produktiv und machen sich dann selbstständig. Die [...] mehr...

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Infineon

Der Konzern

Infineon produziert Halbleiter- und Systemlösungen, die sich auf drei Bereiche konzentrieren: Energieeffizienz, Kommunikation sowie Sicherheit. Der Konzern beschäftigt weltweit etwa 26.000 Mitarbeiter und machte im Geschäftsjahr 2009 drei Milliarden Euro Umsatz.

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