Berlin - Das Wetter hat den Bauern die Ernte verdorben. Klaus Kliem, langjähriger Thüringer Bauernpräsident, hat so etwas in seiner fast 40-jährigen Berufslaufbahn noch nicht erlebt: "Was in diesem Jahr mit dem Wetter passiert ist, übersteigt das Vorstellungsvermögen von uns Landwirten." Erst war es zu trocken, dann zu feucht. Um knapp zwölf Prozent bricht die Getreideernte ein.
Ende August ist das Getreide noch nicht mal in ganz Deutschland gedroschen. In einigen Gegenden wie im Oderbruch ist das Wasser auf den Feldern noch nicht abgeflossen. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner war noch vor einigen Wochen hoffnungsvoll, dass die Ernte zumindest durchschnittlich sein wird. Die Hoffnung wurde nicht erfüllt.
Peter Bleser, der einen Hof in der Nähe von Koblenz hat, beurteilt die Lage noch schlechter. "Ich sehe den Minderertrag noch höher", sagt der Agrarexperte der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Die Qualitätseinbußen könnten dazu führen, dass die Ertragsausfälle vor allem beim Weizen noch höher seien als prognostiziert. Die Bauern haben in den vergangenen zwei Jahren weitaus bessere Ernten eingefahren - das lässt die Ernte in diesem Jahr noch magerer erscheinen. "Im letzten Jahr war es eine sehr gute Ernte", sagt Bleser, der Raps, Gerste und Weizen anbaut. Der Markt ist nach seiner Ansicht durch die Ernteausfälle verunsichert.
Die Preise fahren derzeit Achterbahn. Der Preisindex der wichtigsten Agrarrohstoffe in Deutschland kletterte im Juli auf den höchsten Stand in diesem Jahr. Höher waren die Agrarpreise zuletzt im Oktober 2008. Am stärksten stiegen im Juli die Preise für Getreide und Raps - um fast elf Prozent. Im Jahresverlauf 2010 legten sie damit um fast 23 Prozent zu. Der Bauernverband wirft Spekulanten vor, die Preise an den Börsen hochgetrieben zu haben. Strengere Regeln seien nötig, etwa höhere Anforderungen an das Eigenkapital.
Ein Engpass droht nicht
Im Frühsommer hatte sich die Stimmung der deutschen Landwirte angesichts höherer Erzeugerpreise zunächst aufgehellt. Profitieren konnten allerdings nur diejenigen, die nicht an Vorkontrakte gebunden waren, wie Thüringens Bauernpräsident Kliem erklärt. Die Bauern schließen einen Teil ihrer Verträge etwa mit Mühlen im Voraus ab, um mehr Planungssicherheit zu haben.
Trotz der schlechten Ernte ist ein Engpass bei Getreide nicht zu befürchten. Nach Ansicht des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist die Lage nicht mit den Lebensmittelkrisen 2007 und 2008 vergleichbar, weil die Getreidelager nach der Rekordernte von 2009 weltweit noch gut gefüllt sind. Trotz des Exportverbots von Getreide aus Russland schätzt das US-Landwirtschaftsministerium die weltweite Weizenernte mit 646 Millionen Tonnen nicht drastisch niedriger ein als im Vorjahr.
Und es gibt ein weiteres hoffnungsvolles Signal. Der US-Landmaschinenhersteller Deere & Co. - der Branchenführer - wies für das vergangenen Quartal ein Umsatzplus von 16 Prozent aus. Auch wenn das Geschäft in Europa also noch schwach läuft: Die US-Bauern kaufen wieder Traktoren und anderes Gerät. Und die USA sind der wichtigste Weizenexporteur weltweit.
otr/dpa
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Die Probleme wiederum haben sie mit der Deutschen Bahn gemeinsam. Wahrscheinlich werden sie demnächst Staatshilfen anmahnen.... mehr...
...ausschließlich auf die Hektarerträge kommt es an. Wenn die Weizenanbaufläche zugunsten anderer Produkte (u.a. Mais) um z.B. 20% verringert wurde, sind die 44 Mio to eine Superernte. mehr...
Während Bauern auf der einen Seite die schlechte Ernte beklagen, lagern einige - wohl die, die es sich leisten können - das Getreide ein und sagen offen: Ja, wir spekulieren auf höhere Preise. Tolle "Marktwirtschaft", [...] mehr...
Mich nervt auch nur spezifisch das Gejammer der deutschen Bauern. Auf anderen Kontinenten sind sie tatsächlich zu bedauern. mehr...
Dass trotz der wirklich schwierigen Bedingungen dieses Jahr (erst Dürre, dann Flut) die Ernte nur 12% niedriger ausfällt, ist ein Zeichen für die Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaft. Bravo, gut gemacht, Bauern. aj [...] mehr...
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