Von Christoph Pauly und Anne Seith, Frankfurt am Main
Banker haben schon ruhigere Zeiten erlebt: In den USA wurde jüngst die größte Finanzreform seit den dreißiger Jahren abgesegnet, in der EU sind neue Aufsichtsbehörden in Planung, in Deutschland hat die Regierung eine Bankenabgabe von rund einer Milliarde Euro jährlich beschlossen.
Doch das alles sind Nebensächlichkeiten im Vergleich zu dem, was demnächst im Schweizerischen Basel beraten wird: In der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) werden sich ab dem 7. September Finanzaufseher aus 27 Ländern zusammensetzen und in einem kargen Konferenzzimmer eine Reform skizzieren, die die Kreditwirtschaft weltweit Hunderte Milliarden Euro kosten könnte.
Unter dem Stichwort Basel III darum, wie viel Eigenkapital die Banken künftig als Sicherheit für ihre Geschäfte vorhalten müssen und wie viele Anlagen in den Büchern zu stehen haben, die im Notfall schnell zu Geld gemacht werden können. Je höher diese Quoten geschraubt werden, desto mehr sinkt die Rendite.
Die Idee dahinter: Die Finanzbranche soll künftige Turbulenzen allein meistern, ohne gigantische Staatshilfen wie in der letzten Krise. Deshalb haben die G-20-Länder strengere Auflagen in Auftrag gegeben. Schon bei ihrem nächsten Treffen im November wollen die Staatschefs feierlich sehr viel höhere Mindestquoten für das Eigenkapital verkünden. Auf dem Baseler Ausschuss lastet deshalb "ein unheimlicher politischer Druck", wie es bei Teilnehmern heißt.
In dem turmartigen Bau der BIZ lagen die Meinungen der Aufseher dazu zuletzt jedoch weit auseinander: Wie stark kann man die Banken belasten, ohne eine Kreditklemme zu riskieren und der Wirtschaft zu schaden? Von "High Noon" und einem drohenden "Showdown" ist die Rede, wenn es um die anstehenden Sitzungen im September geht. Die deutsche Delegation sorgt sich um ihre kapitalschwachen Banken, US-Amerikaner, Briten und Schweizer geben sich dagegen als Hardliner - zumindest im Grundsatz.
"Knallharte Durchsetzung nationaler Interessen"
Schon bei der letzten Verhandlungsrunde im Juli gab es Streit. Damals ging es noch nicht einmal um konkrete Quoten, sondern lediglich um die Frage: Was genau darf eigentlich zu den verschiedenen Schichten zählen, in die das Eigenkapital unterteilt wird? Was ist Kernkapital? Was zählt zum noch strenger definierten harten Kernkapital (siehe Grafik in der linken Spalte)?
Ein erster Entwurf für die neuen Standards hatte in der Finanzbranche für heftige Reaktionen gesorgt. Auch eine Studie des Baseler Ausschusses selbst hatte ernüchternde Wirkung: Manche Banken hätten mit den neuen strengeren Vorgaben auf einen Schlag 50 Prozent ihres bisherigen Eigenkapitals verloren, heißt es. Deshalb sollte neu justiert werden.
Mehr als ums große Ganze ging es in Basel jedoch um die "knallharte Durchsetzung nationaler Interessen", wie ein Beobachter sagt. Mit Stirnrunzeln wurden in Deutschland insbesondere die Ausnahmen registriert, die die sonst so strengen Finanzaufseher der USA erstritten.
Massive Erleichterungen für US-Kreditkartengeschäft
Ein Reizthema waren etwa spezielle Rechte zur Betreuung von Hypothekenkrediten (Mortgage Servicing Rights). Die Anrechnung dieser US-Spezialität bei der Berechnung der Kernkapitalquote sollte verboten werden - wie alle Bilanzkniffe, mit denen die Eigenkapitaldecke derzeit noch vergrößert wird.
Den Aufruhr, den das in der US-Finanzbranche verursachte, erklärt Tom McGuire von Barclays Capital mit einer nüchternen Rechnung: "Die 35 größten Banken in den USA haben unseren Berechnungen zufolge etwa 67 Milliarden Dollar an Mortgage Servicing Rights in ihren Bilanzen." Allein bei der landesgrößten Bank of America waren es rund 20 Milliarden Dollar, als die ehrgeizige Baseler Vorlage präsentiert wurde. Das Totalverbot hätte also Milliarden gekostet. Nach dem jüngsten Treffen in Basel gilt deshalb: Die komplizierten Rechte werden nun partiell angerechnet.
Auch die Pläne für eine neue Schuldengrenze für Banken wurden aufgeweicht. Eigentlich besagt die sogenannte leverage ratio, dass das Geschäftsvolumen einer Bank nur das 33fache ihres Eigenkapitals betragen darf. In die Berechnung soll das gesamte Bankgeschäft einfließen.
Doch seit Juli gibt es Ausnahmen. Eine heißt: Kreditzusagen, die als jederzeit widerrufbar gelten, werden nur zu einem Teil angerechnet. Das bedeute "eine erhebliche Anrechnungserleichterung aus dem Kreditkartengeschäft" der US-Banken, bemerkten deutsche Beamte später pikiert in einem internen Papier. In den USA, einem Land mit rund 300 Millionen Einwohnern, sind nach Schätzungen 600 bis 700 Millionen Kreditkarten in Umlauf. Unternehmen wie American Express
hatten entsprechend massiv gegen die eigentlich geplanten Regeln protestiert.
Schweizer gelten als Hardliner
Fachmann McGuire von Barclays Capital findet, die Regulierungspläne seien immer noch scharf genug. Die Beschlüsse vom Juli bedeuten nach seinen Berechnungen trotzdem eine "bedeutende Entlastung" für die 35 größten US-Banken. Statt 225 Milliarden Dollar würden ihnen nun durch Basel nur noch 115 Milliarden Dollar an Eigenkapital fehlen.
Europäische Banker können sich ebenfalls freuen: Auch sie profitieren von neuen Ausnahmen. So gibt es bei der Kapitalberechnung jetzt Sonderregeln für die Berücksichtigung bestimmter Steuergutschriften, die beispielsweise in der Bilanz der Deutschen Bank
immerhin mit sieben Milliarden Euro stehen.
Trotzdem mauert Deutschland. "Ein Land hat noch Vorbehalte", hieß es in einer Abschlusserklärung nach den letzten Beratungen: Jochen Sanio, Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), und Bundesbank-Vize Franz-Christoph Zeitler, der in Vertretung seines Chefs Axel Weber gekommen war, hatten ihren Segen verweigert. Seitdem müssen sie sich gegen das Blockiererimage wehren.
Die deutsche Delegation in Basel ist in einer unangenehmen Lage. Auch sie will strengere Regeln: "Wir brauchen einen Standard, der hoch ist", heißt es. Doch klar ist auch: Höhere Kapitalanforderungen werden vor allem die vielfach kleinen und nicht besonders gut ausgestatteten deutschen Banken hart treffen. Den Landesbanken etwa drohen durch Basel III Milliardenlasten.
Fehlen bald 200 Milliarden Euro?
Angelsächsische Großkonzerne wie die HSBC
oder die US-Bank Citigroup
können höhere Kapitalanforderungen sehr viel besser wegstecken. Weil politisch in den von der Finanzkrise besonders gebeutelten Ländern außerdem ein Signal gesetzt werden soll, gelten Briten und Amerikaner in Basel als raffiniert im Detail und als unerbittlich im Grundsatz. Gleiches gilt für den Schweizer Notenbankchef Philipp Hildebrand und seine Mitstreiter.
In Hildebrands Heimat liegen die Grenzen für die Großbanken derzeit um 50 bis 100 Prozent über internationalem Standard. Auch die leverage ratio, über die in Basel diskutiert wird, ist bei den Eidgenossen längst Realität. Strengere globale Regeln könnten diesen Wettbewerbsnachteil wenigstens teilweise wieder ausgleichen.
So stehen in Basel Vorschläge im Raum, durch die sich die Kapitalanforderungen von derzeit acht Prozent fast verdoppeln könnten. Klar ist jedenfalls jetzt schon, dass sich die Mindestquote für hartes Kernkapital von derzeit zwei auf mindestens vier Prozent erhöhen wird. Außerdem sind neue Puffer aus Kernkapital im Gespräch, die je nach Wirtschaftslage abgeschmolzen beziehungsweise aufgestockt werden sollen (siehe Grafik links).
Derzeit wird weltweit noch einmal neu gerechnet, welche Auswirkungen die Pläne für die Banken und Länder haben könnten. Bei Bundesbank und BaFin hofft man offenbar, dass sich angesichts der Ergebnisse aus diesen Kalkulationen noch mehr Länder auf die deutsche Seite stellen werden. Die Investmentbank Nomura
hat bereits ausgerechnet: Rund 200 Milliarden Euro könnten in Europa bei den 16 größten Banken schon wegen der härteren Kernkapitaldefinition fehlen. Solche Zahlen sollten übergroße Regulierungswut abschwächen, so die Hoffnung auf deutscher Seite.
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alle moeglichkeiten :-)) soweit letzter stand von 6 % eigenkapital-anlage zugestanden wird, koennen sie doch gut weitermachen wie gehabt... na das moechte ich als privatperson auch mal machen koennen. mit 6 % bau ich auch [...] mehr...
Hört doch mit dem blöden US-bashing auf! HIER versagt eine Bundesregierung und HIER mauert eine Bundesregierung gegen EU-Bestrebungen zur Bankenregulierung! mehr...
Was Ich allerdings für einen Hohn halte ist folgende Argumentation: Basel 3 darf nicht so hart gefasst werden um die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten zu gewährleisten. Seit wann fliessen die Milliarden im Markt zu den [...] mehr...
Ja, Ja unsere Banken. Die Treiben es wie die Stromlobby, Erpressung des Staates samt seiner Bürger. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland Banken, die Unternehmen und Privatleute Kredite verweigern, um sich bei der nachfolgenden [...] mehr...
Genau, Geld regnet dann vom Himmel oder wird von Politikern verteilt. Am Besten man schafft Geld ganz ab und wir tauschen wieder Realgüter... mehr...
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