Wirtschaft


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31.08.2010
 

DIW-Chef Zimmermann

"Ohne Migranten müssten die Deutschen mehr Steuern zahlen"

DIW-Chef Zimmermann: "Leichter Rückgang der ausländischen Bevölkerung"Zur Großansicht
ddp

DIW-Chef Zimmermann: "Leichter Rückgang der ausländischen Bevölkerung"

Kosten muslimische Einwanderer mehr, als sie dem deutschen Staat nützen? Das behauptet Thilo Sarrazin. Klaus Zimmermann, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, widerspricht im SPIEGEL-ONLINE-Interview: Sarrazins Annahmen seien "nicht seriös".

SPIEGEL ONLINE: Herr Zimmermann, Bundesbank-Vorstand Sarrazin warnt vor dem steigenden Bevölkerungsanteil muslimischer Einwanderer. Sehen auch Sie die Gefahr, dass die Deutschen bald "zu Fremden im eigenen Land werden"?

Zimmermann: Nein. Es ist zwar ein demografischer Fakt, dass die Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund steigt, ihr Bevölkerungsanteil nimmt sogar kräftig zu. Die Zeiten allerdings, in denen Deutschland das Hauptzielland in Europa für Migranten und Flüchtlinge war, sind längst vorbei. Das Ausländerzentralregister weist für 2009 sogar einen leichten Rückgang der ausländischen Bevölkerung aus.

SPIEGEL ONLINE: Sarrazin sieht das Problem aber vor allem bei den Muslimen, die schon im Land sind und die vergleichsweise mehr Kinder bekommen. Kann es wirklich sein, dass die Zahl der Deutschen bis 2100 auf 20 Millionen sinken wird, während die muslimische Bevölkerung auf 35 Millionen wachsen kann?

Zimmermann: Rechnet man die heutigen Geburtenraten stumpf und statisch bis zum Jahr 2100 hoch, dann kann man auf Sarrazins Zahlen kommen. Die deutsche Bevölkerung schrumpft ja tatsächlich. In Wirklichkeit passen sich aber auch die Geburtenraten der verschiedenen Migrantengruppen langsam an die der Deutschen an. Die Zahl der Menschen in diesem Land nimmt also insgesamt ab. Deshalb sind wir ja gerade auf gezielte Zuwanderung angewiesen.

SPIEGEL ONLINE: Das sieht Sarrazin anders: "Heute wissen wir, dass Fabriken und Dienstleistungen wandern müssen, nicht die Menschen", schreibt er.

Zimmermann: Das ist vollkommen falsch. Wir werden einen erheblichen Fachkräftemangel bekommen. Wenn keine qualifizierten Kräfte zuwandern, wird Deutschland ein massives Problem im internationalen Wettbewerb haben. Bereits 2015 werden drei Millionen Arbeitskräfte fehlen.

SPIEGEL ONLINE: Sarrazin bezeichnet die Gastarbeitereinwanderung in den sechziger und siebziger Jahren als "gigantischen Irrtum". Hat er Recht?

Zimmermann: Nein. Die Zuwanderung dieser Zeit hat enormes wirtschaftliches Wachstum gebracht. Das Problem ist nur, dass in den Folgejahren zwei fatale Fehler gemacht wurden.

SPIEGEL ONLINE: Welche?

Zimmermann: Erstens hat die Politik viel zu wenig Anstrengung unternommen, die Migranten zu integrieren. Und zweitens hätte man den Zuzug in den siebziger Jahren niemals so erschweren dürfen.

SPIEGEL ONLINE: Obwohl die Arbeitslosigkeit rapide stieg?

Zimmermann: Ja. Denn viele Einwanderer sind nur deshalb geblieben und haben ihre Familien nachgeholt, weil sie wussten, dass sie sonst Schwierigkeiten gehabt hätten, wieder ins Land zu kommen. Hätte man die Grenzen für die Fachkräfte offener gelassen, wären vermutlich viele in die Heimat zurückgekehrt, wohlwissend, dass sie wieder in Deutschland arbeiten können, wenn die Zeiten besser sind.

SPIEGEL ONLINE: Stattdessen leben nun Muslime in der zweiten und dritten Generation in Deutschland, die laut Sarrazin mehr aus der Staatskasse nehmen als sie einzahlen.

Zimmermann: Wir haben einmal berechnet, dass bei den Ausländern in Deutschland das Gegenteil der Fall ist. Um die Zahlungsfähigkeit der öffentlichen Haushalte zu gewährleisten, müsste jeder Deutsche rund hundert Euro im Jahr mehr zahlen, wenn es die ansässige ausländische Bevölkerung nicht gäbe.

SPIEGEL ONLINE: Gilt das auch für die muslimischen Einwanderer?

Zimmermann: Nach Religionszugehörigkeit haben wir das nicht aufgeschlüsselt. Es gibt keinen Grund, einen Unterschied zwischen Muslimen und Christen zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Sarrazin behauptet auch, dass die finanziellen und sozialen Kosten der muslimischen Migration der letzten Jahrzehnte "weitaus höher waren als der daraus fließende wirtschaftliche Ertrag". Gibt es eine Zahl, die das belegt?

Zimmermann: Nein. Um so etwas zu berechnen, müsste man so viele strittige Annahmen zugrunde legen, dass das nicht seriös wäre.

Das Interview führte Katrin Elger

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insgesamt 243 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.09.2010 von moritzdog: Wir

kennen doch nicht einmal die Kosten, die die Verwandten der Türken u. der hier lebenden aus dem ehemaligen Jugoslawien , verursachen, auf Grund der Krankenversicherungabkommen. mehr...

21.09.2010 von rabenkrähe: Alimenteure

Migranten haben jahrzehntelang dafür gesorgt, daß unsere üppigen Sozialsysteme vergleichsweise günstig finanziert werden konnten, weil sie nur einen Bruchteil dessen bekamen, was sie eingezahlt hatten. Jetzt, da sie [...] mehr...

21.09.2010 von IQ143: Heute ist Udo Ulfkotte bei Maischberger

Was der DIW-Mensch sagt, ist hanebüchener Unsinn. Die Immigranten haben Deutschland bis dato ca. 1 BILLION Euro gekostet und damit immens geschadet. Das zeigt Udo Ulfkotte in seinem hervorragend recherchierten Buch "Nicht [...] mehr...

16.09.2010 von chico 76: Ein Forscher,dessen Institut zu 50%

aus Steuermitteln(davon 50% Bund/Land Berlin)finanziert wird,hat Sarrazins Annahmen nicht seriös genannt. Wessen Brot ich ess... Die Allianz der Sarrazinkritiker wird immer makabrer,um nicht zu sagen unglaubwürdiger. mehr...

16.09.2010 von kdshp: aw

Hallo, da kann ja was nicht stimmen. Wenn bei muslimischen einwanderern die arbeitslosigkeit höher ist und die bildung schlechter dann kann diese gruppe für sich genommen das doch nicht mehr leisten sagt die politik. Das [...] mehr...

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Zur Person

Klaus F. Zimmermann ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sowie Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. Zudem ist er Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität Bonn und Honorarprofessor der Freien Universität Berlin.

Mehr dazu im SPIEGEL

Illustration DER SPIEGEL / Fotos Marc Darchinger; AFP Foto
Heft 35/2010:
Die Dagegen-Republik
Stuttgart 21, Atomkraft, Schulreform - Bürgeraufstand gegen die Politik

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Bundesbanker Thilo Sarrazin

Wie kam Sarrazin zur Bundesbank?

Alle Vorstandsmitglieder der Bundesbank ernennt der Bundespräsident. Die Kandidaten für das Amt des Präsidenten, des Vizepräsidenten und eines weiteren Vorstands schlägt die Bundesregierung vor. Die Vorschläge für die übrigen Mitglieder des Bundesbank-Vorstands kommen vom Bundesrat im Einvernehmen mit der Regierung. Im Falle Sarrazins hatten turnusgemäß die Länder Berlin und Brandenburg das Vorschlagsrecht im Bundesrat. 2009 trat er sein Amt an.

Könnte Sarrazin entlassen werden?

Warum wäre eine Abberufung problematisch?





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