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02.09.2010
 

Warenhaus-Poker

Karstadt bangt um die letzte Chance

Karstadt-Filiale: Schicksalstag für die KaufhausketteZur Großansicht
ddp

Karstadt-Filiale: Schicksalstag für die Kaufhauskette

Der Karstadt-Krimi geht in die heiße Phase: Die Gläubiger des Vermieters Highstreet müssen an diesem Donnerstag über die Zukunft der Kaufhauskette entscheiden. Gibt es bis Mitternacht kein positives Votum, droht das endgültige Aus.

Essen - Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bereitet das Ende der Warenhauskette Karstadt vor. Sollte der Vermieter Highstreet den geforderten Mietsenkungen an diesem Donnerstag nicht verbindlich zustimmen, wolle Görg am Abend auf einer Gläubigerausschusssitzung sein Liquidationsszenario vorstellen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) vorab. Die Präsentation sei mit der Einladung an die Ausschussmitglieder versandt worden und liege der Zeitung vor. Demnach sollen Sport- und Premiumhäuser bis Jahresende verkauft und alle anderen Filialen bis Ende Februar 2011 geräumt werden.

Der Insolvenzverwalter fürchtet offenbar, dass die Gespräche bei Highstreet scheitern und Karstadt nicht mehr zu retten ist. Denn nur wenn die Gläubiger des Konsortiums den von Karstadt-Investor Nicolas Berggruen geforderten Mietsenkungen zustimmen, können die Mietverträge für die Karstadt-Häuser auch unterzeichnet werden. Das ist wiederum die Voraussetzung dafür, dass der von Berggruen unterzeichnete Kaufvertrag auch gültig werden kann. Anderenfalls droht Karstadt die Zerschlagung. Die Frist für eine Einigung der Gläubiger läuft um Mitternacht ab.

Innerhalb des Konsortiums gibt es "FTD"-Informationen zufolge zwei Hürden für die Zustimmung. Beide betreffen die sogenannten Mezzanine-Kapitalgeber. Sie haben eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital eingelegt und deshalb weder Sicherheiten noch Stimmrechte, erhalten dafür aber höhere Zinsen. Zudem hat jeder von ihnen ein Vetorecht, falls diese Zinsen - etwa durch Mietsenkungen - gekürzt werden sollen.

Borletti will Verkauf an Berggruen verhindern

Seit Mittwoch spricht nach "FTD"-Informationen deshalb der italienische Kaufhausunternehmer Maurizio Borletti gezielt Mezzanine-Geldgeber an, um sie zum Verkauf ihrer Kredite an ihn zu bewegen. "Bislang war noch niemand zum Verkauf bereit", hieß es in Finanzkreisen. Ein solches Geschäft könne aber auch noch in letzter Minute abgewickelt werden.

Borletti will damit versuchen, den Verkauf an Berggruen zu verhindern. Borletti war mit seinem erst vor wenigen Wochen eingereichten Gebot für Karstadt bei Görg abgeblitzt. Am Mittwoch hatte der Insolvenzverwalter das nachgebesserte Angebot des Einzelhandel-Moguls als "substanzlos" verworfen.

Gleichzeitig wird unter den Mezzanine-Geldgebern Unternehmenskreisen zufolge weiter um die Verteilung von möglichen späteren Erträgen gefeilscht. Dagegen gilt die Zustimmung von Kreditgebern aus dem sogenannten Senior-B-Kredit inzwischen als wahrscheinlich. Dabei müssen 75 Prozent zustimmen. "Der Verwalter will nach dem monatelangen Feilschen nun endlich eine Entscheidung erzwingen", sagten Insider aus dem Konzern.

Görgs Sprecher versuchte laut "FTD", die Präsentation zu relativieren. "Die Szenarien, die in den Schubladen liegen, sollen dort möglichst auch bleiben. Unser Ziel ist der Vollzug des Kaufvertrags." Dass eine weitere Terminverschiebung möglich sei, wollte er aber nicht bestätigen.

Zuversichtlich zeigte sich die Gewerkschaft Ver.di, die für die Interessen der Karstadt-Beschäftigten eintritt. "Wir sind optimistisch, dass die Abstimmung in London so abläuft, wie sich die Beschäftigten das erhoffen", sagte die stellvertretende Gewerkschaftschefin Margret Mönig-Raane dem "Tagesspiegel".

wit/dpa

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insgesamt 6 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
02.09.2010 von lemming51: Aber ja !!!

Wie Recht Sie haben. Ich hatte/habe schon seit Jahren den Eindruck, dass bei Karstadt der Tenor lautet: "Kunde droht mit Kauf !!". Mitunter hat man den Eindruck, dass man ein Störenfried ist, der das ungemein [...] mehr...

02.09.2010 von Kontrastprogramm: :--((

wer durch die Innenstädte geht, sieht ganz deutlich, dass wir zu viele Kaufhäuser haben, die die gleichen Sortimente haben. Kaufhof und Karstadt sind mehr oder weniger Dubletten. Wer Zeit totschlagen will, hat vieleicht [...] mehr...

02.09.2010 von alt-wikinger: Zum Gutteil selbst schuld

Bei meinem jüngsten Besuch in Hamburg wurde ich von einem Karstadt-Mitarbeiter aufgefordert, mit meiner Unterschrift den Erhalt von Karstadt zu unterstützen. Ich habe nicht unterschrieben, denn zu einem Gutteil sind die [...] mehr...

02.09.2010 von Künstlicher_Horizont: Schwanz wackelt mit dem Hund

Die wesentlichen Aspekte bei einer Kaufhauskette ist also die Verzinsung von Mezzanine-Krediten. Das ist ein weiteres Detail im Gesamtbild 'Finanzmarkt-Schwanz wackelt mit dem Realwirtschafts-Hund'. Aber der Hund (= Kunden, [...] mehr...

02.09.2010 von numey: ...

"wenn ich es nicht haben kann, mache ich es dir kaputt" auf Milliardenniveau. Abscheulich. mehr...

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Zur Person

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Nicolas Berggruen, Sohn des berühmten Kunstsammlers Heinz Berggruen, wurde am 10. August 1961 in Paris geboren. Er wuchs in England, Frankreich und der Schweiz auf und verdiente nach einem Finanzwirtschaftsstudium schon früh an der Wall Street sein eigenes Vermögen. Seit einigen Jahren konzentriert sich der Investor, der keinen festen Wohnsitz hat und in Hotels wohnt, auf nachhaltige Investments. So gehören zu seinem Firmen- und Immobilienimperium auch Reisfarmen in Kambodscha und eine Ethanolfabrik. Mehr auf der Themenseite...

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