Wirtschaft


  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
02.09.2010
 

EZB-Präsident

Trichet bezeichnet Sarrazin-Äußerungen als "abstoßend"

Jean-Claude Trichet: "Volles Vertrauen in die Bundesbank"Zur Großansicht
dpa

Jean-Claude Trichet: "Volles Vertrauen in die Bundesbank"

Eigentlich sollte es um den Leitzins und die Wirtschaft der Eurozone gehen. Doch auch das Spitzenpersonal der Europäischen Zentralbank kam an der Personalie Sarrazin nicht vorbei. EZB-Präsident Trichet nannte dessen Äußerungen über Migranten "abstoßend".

Frankfurt - Deutlicher konnte die Kritik an Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin nicht ausfallen: "Als Bürger finde ich die Aussagen abstoßend", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet nach einer Sitzung in Frankfurt am Main. In der Personalfrage stellte er sich hinter die Bundesbankführung: "Als Präsident der EZB habe ich volles Vertrauen in die Bundesbank", sagte Trichet.

Die Bundesbank will nun bei Bundespräsident Christian Wulff die Abberufung von Sarrazin beantragen. Diesen Schritt habe der Vorstand am Donnerstag einstimmig beschlossen, teilte die Bundesbank in einer Erklärung mit.

Eigentlich sollte es bei dem Treffen der EZB nicht um deutsche Personaldebatten, sondern die europäische Wirtschaft gehen. Und die gibt durchaus Anlass zu Optimismus: Alle Indikatoren wiesen auf eine positive Entwicklung hin, sagte Trichet.

Nach Schätzung der Experten wachse die Wirtschaft im Euroraum in diesem Jahr um bis zu 1,8 Prozent. Das ist wesentlich mehr als noch vor einem halben Jahr - damals gingen die Ökonomen noch von einem Plus von 0,4 Prozent aus. Am Leitzins wurde dennoch nicht gerüttelt: Einstimmig beschloss die EZB, ihn weiterhin auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent zu belassen.

Auch für 2011 erwarten die Ökonomen der Zentralbank, dass sich der Aufschwung fortsetzt. Sie halten ein Wachstum von 2,3 Prozent für möglich. Anlass zur Hoffnung gibt vor allem das gute Abschneiden der Eurozone - und die positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft.

Das belegen auch die neuesten Zahlen der Statistikbehörde Eurostat: Dank höherer Konsumausgaben und mehr Investitionen legte die Wirtschaft in den 16 Euroländern im Frühjahr so stark zu wie seit gut drei Jahren nicht mehr. Zwischen April und Juni kletterte das Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent. Damit kommt die Euro-Zone schneller aus der Krise als die USA und Japan.

kim/Reuters/ddp/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 32 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
02.09.2010 von rabenkrähe: Hype

.... Und was sagt der Bundestrainer dazu, und Franz Beckenbauer? Die Hype um die Entäußerungen Sarrazins ist absurd und lächerlich, sie verklebt zudem die notwendige Auseinandersetzung mit der Thematik. Und die Hype scheint [...] mehr...

02.09.2010 von Florian Geyer: Triched

Lieber Triched, lassen Sie die armen Hugenottennachfahren zufrieden. Ist Ihnen die Bartholomäusnacht noch immer nicht genug? Kennen Sie überhaupt das Buch? Also was soll das? mehr...

02.09.2010 von albertusseba: Dummheit.

Trichet fällt auch sogleich wunschgemäß in den von der Politik dirigierten Chor ein. Dies spricht nicht für seine Intelligenz. Aber: Die Diskussion wird sich nicht mehr unter der Decke halten lassen und stärkere Stoßwellen [...] mehr...

02.09.2010 von Ulrich lr.: Bundesbank läuft Amok und Trichet läuft mit

Sie sehen: Dabei sein - ist alles! Nein. Er darf folgenlos seine unrecherchierte Meinung sagen - solange er auf Kurs ist: Probleme ignorieren, Missstände schönreden und den Überbringer der schlechten Nachricht [...] mehr...

02.09.2010 von erblasser: na endlich, auch der Trichet

schön, daß sich sogar dieser Klüngel-Trichet zu einer Meinung aufrafft. Was für eine Luftnummer! Als nächstes meldet sich der Papst, dann Elvis und schließlich der HERR! Da bin ich ganz sicher! mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema Europäische Zentralbank

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Bundesbanker Thilo Sarrazin

Wie kam Sarrazin zur Bundesbank?

Alle Vorstandsmitglieder der Bundesbank ernennt der Bundespräsident. Die Kandidaten für das Amt des Präsidenten, des Vizepräsidenten und eines weiteren Vorstands schlägt die Bundesregierung vor. Die Vorschläge für die übrigen Mitglieder des Bundesbank-Vorstands kommen vom Bundesrat im Einvernehmen mit der Regierung. Im Falle Sarrazins hatten turnusgemäß die Länder Berlin und Brandenburg das Vorschlagsrecht im Bundesrat. 2009 trat er sein Amt an.

Könnte Sarrazin entlassen werden?

Warum wäre eine Abberufung problematisch?


Vote

Aus für Sarrazin

Tagelang hat die Bundesbank gezögert - jetzt hat sie entschieden, Thilo Sarrazin aus dem Amt zu entfernen. Die richtige Entscheidung?

Die Abstimmung ist beendet. Klicken Sie hier, um das Ergebnis zu sehen.






TOP



TOP