Wirtschaft



ThemaKarstadtRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
03.09.2010
 

Endlich gerettet

Berggruen sagt Karstadt "aufregendes Leben" voraus

Nicolas Bergguen vor Filiale in Berlin: "Irrsinnig glücklich"Zur Großansicht
dpa

Nicolas Bergguen vor Filiale in Berlin: "Irrsinnig glücklich"

Karstadt ist gerettet: Der Streit über die Mieten ist ausgeräumt, nun hat auch das Gericht dem Insolvenzplan zugestimmt. Der Investor Berggruen kann die Warenhauskette übernehmen, die 25.000 Arbeitsplätze sind damit gesichert.

Berlin - Das Szenario einer Zerschlagung ist vom Tisch: Am Freitagmittag hat das Essener Amtsgericht den Karstadt-Insolvenzplan gebilligt. Damit sei die Übernahme der Warenhauskette durch den deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen in letzter Instanz bestätigt, teilte das Gericht am Freitag mit. Damit kann Karstadt nun das Insolvenzverfahren abschließen und schuldenfrei weitergeführt werden.

Jetzt bestehe nur noch eine 14-tägige Beschwerdefrist, in der mögliche Verfahrensfehler beanstandet werden können, teilte das Gericht mit. Am 1. Oktober soll Berggruen die Schlüsselgewalt für Karstadt erhalten.

Nach der grundsätzlichen Einigung am Donnerstag hatten zuvor alle Anleger des Vermieterkonsortiums Highstreet dem neuen Vertrag zugestimmt. Die letzten Unterschriften wurden am Freitagmorgen getätigt.

"Karstadt steht", sagte Berggruen am Freitag in Berlin. Das Unternehmen werde "ein sehr aufregendes Leben haben". Er sei "irrsinnig glücklich", dabei zu sein.

Nun bekommt Karstadt mit Berggruen eine zweite Chance, denn der Investor will alle 120 Filialen erhalten. Für das Schwesterunternehmen, den Versandhändler Quelle, blieb vor fast einem Jahr nach gescheiterten Rettungsversuchen nur die Schließung. Beide Unternehmen hatten zum Arcandor-Konzern gehört.

Wie geht es weiter mit Karstadt?

Der Investor: Nicolas Berggruen

Nicolas Berggruen, Jahrgang 1961, sieht sich selbst als Geldgeber im Hintergrund. Der in Paris geborene Sohn des Kunstsammlers Heinz Berggruen investiert weltweit Milliarden in Immobilien und sehr unterschiedliche Unternehmen. Zu seinen Erwerbungen gehören etwa ein Brillenhersteller, eine Reisfarm in Indonesien und eine Ethanolfabrik in Oregon. Auch beim insolventen Möbelhersteller Schieder in Deutschland stieg Berggruen als Retter ein. Mit Warenhäusern hat der heimatlose Milliardär, der nur in Hotels lebt und mit dem Privatjet um die Welt reist, bislang keine Erfahrung. Er will sich jedoch aus dem operativen Geschäft heraushalten.

Der Mode-Partner: Max Azria

Das Motto: Global denken, lokal handeln

Die Aufteilung: Premium, Sport und normal

Die Sanierung: 100 Millionen pro Jahr

Die Einigung mit Highstreet auf niedrigere Mieten war eine Voraussetzung für den Einstieg Berggruens. Das Immobilienkonsortium, hinter dem unter anderem die US-Investmentbank Goldman Sachs und die Deutsche Bank stehen, hatte sich selbst Geld bei Kapitalgebern geliehen, um die meisten der Warenhausfilialen zu kaufen und dann an Karstadt zurückzuvermieten.

Die Einigung mit Berggruen sei durch "enorme Zugeständnisse" der Vermieter möglich gemacht worden, teilte Highstreet mit. Man habe "mehr als jeder andere Gläubiger" dazu beigetragen, einen soliden Neustart von Karstadt zu ermöglichen. Die Rede ist von 400 Millionen Euro, die Highstreet Berggruen erlassen habe. Der Investor sei nun "in der Pflicht", Kapital und Ressourcen einzusetzen und zu beweisen, dass sein Plan für Karstadt gelingen könne. Highstreet hatte dies in der Vergangenheit stets bezweifelt. Das Konsortium war mit einem eigenen Angebot beim Karstadt-Gläubigerausschuss abgeblitzt.

cte/Reuters/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 9 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
04.09.2010 von otto huebner: karstadt ist noch lange nicht...............

gerettet. tatsache ist das es zuviel kaufhaeuser gibt. und jetzt gibt es 3 moeglichkeiten, entweder, karstadt schliesst haeuser, kaufhof schliesst haeuser oder beide schliessen haeuser. dazu kommt das insbesondere [...] mehr...

03.09.2010 von nick999: @uliehagen

UlieHagen, bisher lief ein Millionenpoker. Jede Äußerung war eine Menge Geld in die eine oder andere Richtung. Das muß nichts mit der späteren Arbeitsweise zu tun haben. Achten Sie darauf, ob Ihr oberster Chef auf eine [...] mehr...

03.09.2010 von karsten112: .

So ging es mir auch, nur habe ich mich immer gefragt wie die 1€ Läden die fantastischen Mieten an Hightstreet bezahlen wollen ?? mehr...

03.09.2010 von uliehagen: Er allein kann es nicht

Sicher ist es schön ,für die Karstadt Mitarbeiter (auch ich bin einer) ,das es weitergeht.Man wird abwarten was Herr Berggruen für Pläne mit Karstadt hat, er allein wird aber Karstadt bestimmt nicht retten können.Ein "Weiter [...] mehr...

03.09.2010 von 8ruc3: Servicewüsten

Ich wünsche den Karstadt Mitarbeitern vor allem eine zeitgemäße Berufsauffassung. In meinen Augen sind die Karstadt Häuser bisher mit die größten Servicewüsten in deutschen Innenstädten. All die Vorurteile von Verkäufern, sie [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema Karstadt

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Zur Person

ddp
Nicolas Berggruen, Sohn des berühmten Kunstsammlers Heinz Berggruen, wurde am 10. August 1961 in Paris geboren. Er wuchs in England, Frankreich und der Schweiz auf und verdiente nach einem Finanzwirtschaftsstudium schon früh an der Wall Street sein eigenes Vermögen. Seit einigen Jahren konzentriert sich der Investor, der keinen festen Wohnsitz hat und in Hotels wohnt, auf nachhaltige Investments. So gehören zu seinem Firmen- und Immobilienimperium auch Reisfarmen in Kambodscha und eine Ethanolfabrik. Mehr auf der Themenseite...





TOP



TOP