Wirtschaft


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03.09.2010
 

Prozess zur Spitzelaffäre

Angeklagter belastet Ex-Telekom-Chef Ricke

Von Frank Dohmen und Stefan Schultz

Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke: Vom Hauptangeklagten schwer belastetZur Großansicht
AP

Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke: Vom Hauptangeklagten schwer belastet

Dramatische Wendung in der Telekom-Spitzelaffäre: Der Hauptangeklagte Klaus Trzeschan hat Kai-Uwe Ricke schwer belastet. Nach eigenen Angaben hat er den Ex-Telekom-Chef schon 2005 über seine Spähaktionen informiert. Die Staatsanwaltschaft prüft ein neues Ermittlungsverfahren gegen den Manager.

Hamburg - Der Prozess zur Aufklärung der Telekom-Spitzelaffäre beginnt mit einem großen Knall: Klaus Trzeschan, früher Leiter der Telekom-internen Sicherheitsabteilung KS3 und jetzt der Hauptangeklagte, hat den früheren Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke mit seiner Aussage vor Gericht schwer belastet.

Trzeschan gab zu Protokoll, Ricke schon im Januar 2005 über Maßnahmen zur Auffindung eines Lecks im Aufsichtsrat informiert zu haben. Dabei soll auch die Protokollierung von Verbindungsdaten thematisiert worden sein.

Trzeschan will Ricke im weiteren Verlauf der Bespitzelungsmaßnahmen sogar ein Redemanuskript erstellt haben, in dem ein vermeintlicher Maulwurf erwähnt wird, dieses Dokument reichte Trzeschan überraschend zum Prozessauftakt zu den Akten. Er habe es erst jetzt auf einem Privatrechner seiner Frau wiederherstellen können.

Ricke hat die Vorwürfe bisher bestritten.

Die Staatsanwaltschaft prüft nun, inwieweit die Aussage des Hauptangeklagten glaubhaft ist. Sollten sich Trzeschans Angaben als glaubhaft erweisen, könnte die Staatsanwaltschaft ein neues Ermittlungsverfahren gegen Ricke eröffnen.

Vom rosa Riesen zu Big Brother

Der Telekom-Spitzelprozess ist wie eine Bohrung in die Tiefen eines skandalösen Systems. Durch die Affäre ist seinerzeit der rosa Riese zu Big Brother mutiert. Jahrelang ließ der Konzern Telefondaten von Gewerkschaftern, Journalisten und Aufsichtsräten von einer Spezialfirma auswerten, massenhaft und systematisch.


Für die Republik geht es um die Aufklärung eines Skandals, den es in einem Konzern wie der Telekom nie hätte geben dürfen, dessen Geschäftsgrundlage es ist, die Daten seiner Millionen Kunden kompromisslos zu schützen. Ausgerechnet dieser Konzern hat diese Pflichten im großen Stil und über Jahre hinweg ignoriert und ausgehebelt.

Die Frage, die die Staatsanwälte bis jetzt nicht klären konnten: Waren das die Eskapaden einer durchgeknallten Konzernsicherheit? Oder kamen die Anweisungen für die Spähaktionen direkt aus Vorstand und Aufsichtsrat?

Ricke wieder in der Schusslinie

Ricke stand, ebenso wie der damalige Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel, lange im Verdacht, weit stärker in die Affäre verwickelt zu sein als er selbst stets angab. Es gab mehrere Hinweise, dass die beiden Manager schon frühzeitig gewusst hätten, dass Telefondaten ausgespäht wurden - und auch über den angeblichen "Maulwurf" im Bilde gewesen seien, der einen Mitarbeiter im Verlag Gruner + Jahr auspionieren sollte.

Beide Manager bestritten die Anschuldigungen. Und die Staatsanwälte mussten die Ermittlungen gegen die Manager letztlich einstellen - "aus Mangel an Beweisen".

Durch Trzeschans neue Aussagen ist nun zumindest Ricke wieder in der Schusslinie. Bis spätestens nächste Woche will die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie gegen ihn ein neues Ermittlungsverfahren eröffnet.

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03.09.2010 von dirkgruenwald: Fast richtig

Eher eine Frage des gesunden Menschenverstandes... mehr...

03.09.2010 von christoph.: Frage des Beweisens

".. Waren das die Eskapaden einer durchgeknallten Konzernsicherheit? Oder kamen die Anweisungen für die Spähaktionen direkt aus Vorstand und Aufsichtsrat?" Meiner Ansicht nach führt keine Konzernsicherheit ein solches [...] mehr...

03.09.2010 von titurel: Na, was soll's?

Schlimmstenfalls bekommt man als Promi oder Industrieboss 2 Jahre auf Bewährung + eine Geldstrafe, über die sich die Betroffenen schlapp lachen. Wozu also die Aufregung? In den Knast gehen andere, z.B. wegen mehrfachen [...] mehr...

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Der Prozess

Verhandlungsauftakt ist am 3. September 2010 um 9 Uhr. Fortsetzungstermine sind für den 10., 14. und 15. September sowie den 1., 5., 6., 8., 19., 22., 26. und 29. Oktober vorgesehen - ebenfalls jeweils um 9 Uhr. Laut bisheriger Verhandlungsplanung sollen die ersten Zeugen ab dem 14. September vernommen werden. Der ehemalige Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und der frühere Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel sind für den 6. Oktober als Zeugen geladen.

Kommunikationsriese Telekom

Der Konzern

Die Deutsche Telekom AG ist Europas größtes Telekommunikationsunternehmen. Weltweit betreut sie fast 200 Millionen Kunden in rund 50 Ländern und beschäftigt etwa 260.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen mit Sitz in Bonn entstand 1995 aus den Bereichen für Telekommunikation und Fernmeldedienst der öffentlich-rechtlichen Deutschen Bundespost, als diese privatisiert wurde. 1996 ging die Telekom an die Börse. Im Sommer 2010 hielt die Bundesrepublik rund 15 Prozent der Aktien direkt und weitere knapp 17 Prozent indirekt über die KfW Bankengruppe. 2009 hatte die Telekom einen Umsatz von knapp 65 Milliarden Euro.

Die Geschäftsfelder

Der Chef






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