Hamburg - Erst Mais, dann Weizen: An den internationalen Märkten sind die Preise für Agrarprodukte in jüngster Zeit nach oben geschossen. Dennoch gibt die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Entwarnung: Von einer Lebensmittelknappheit könne keine Rede sein.
Zwar seien weitere Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten zu erwarten, sagte FAO-Volkswirt Abdolreza Abbassian am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Aber zu einer Lebensmittelkrise wie vor zwei Jahren in den Entwicklungsländern werde es nicht kommen.
Die jüngsten Proteste in Mosambik haben Befürchtungen aufkommen lassen, die Preiserhöhungen könnten zu einer neuen Welle von Aufständen führen. Die Ausschreitungen zwischen gewalttätigen Demonstranten und Sicherheitskräften in der Hauptstadt Maputo hatten sich am Vortag an Plänen der Regierung entzündet, die Preise für Brot, Treibstoff und Strom drastisch zu erhöhen. Dabei kam es auch zu Plünderungen.
Die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa berichtete unter Berufung auf Behörden, mehr als 140 Menschen seien festgenommen worden. Der lokale Fernsehsender Socio Televisao sprach sogar von mindestens zehn Todesopfern.Am Freitag beruhigte sich die Lage.
Vor zwei Jahren war es in Afrika zu regelrechten Hungerrevolten gekommen. Grund waren steigende Weizen- und Lebensmittelpreise.
Putin verunsichert die Märkte erneut
Indes hat eine Ankündigung des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin erneut für Unruhe am Rohstoffmarkt gesorgt: Das Exportverbot für Weizen soll erst nach der Ernte im kommenden Jahr wieder aufgehoben werden. Die Regierung hatte den Exportstopp wegen der Missernte in diesem Sommer verhängt. Ursprünglich wollte Russland die Regelung im neuen Jahr überprüfen - nun gilt sie vorerst weiter.
Russland ist einer der größten Weizenexporteure der Welt. Der Exportstopp hatte den Preis an den Terminmärkten in die Höhe getrieben.
Schwache Ernte in Deutschland
Zu Panik bestehe aber kein Grund. Ernteausfälle und gestiegene Rohstoffpreise werden nach Aigners Worten weder zu Versorgungsengpässen noch zu deutlich höheren Lebensmittelpreisen führen. "Wir befinden uns eindeutig nicht in einer Lebensmittelkrise wie 2007 und 2008, wie manche Stimmen behaupten", sagte Aigner. Im Gegensatz zu damals seien die Lager gut gefüllt und die Produktion nicht so stark zurückgegangen.
In Deutschland lag die Getreideernte 2010 im Vergleich zur Rekordernte 2009 um zwölf Prozent niedriger. Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr wurden 43,8 Millionen Tonnen Getreide eingefahren. Dies sei aber noch deutlich mehr als im Krisenjahr 2007, sagte die Ministerin. In der Europäischen Union ging die Getreideernte im Durchschnitt um fünf Prozent auf 279 Millionen Tonnen zurück, weltweit sank sie um zwei Prozent.
Dies werde sich aber nicht auf die Preise von Grundnahrungsmitteln wie beispielsweise Brot auswirken, sagte Aigner. Der Anteil der Erzeugerpreise am Verkaufspreis liege für Backwaren bei etwa vier Prozent. "Das ist viel zu gering, um den Verkaufspreis in die Höhe zu treiben".
mik/wal/Reuters/AFP
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