Rio de Janeiro - Immer wieder hat Petrobras das Projekt verschoben - jetzt startet Brasiliens staatlicher Ölkonzern durch. Der Konzern holt sich Geld an der Börse und kündigt die größte Kapitalerhöhung aller Zeiten an.
Das Unternehmen beantragte an diesem Freitag den Verkauf von neuen Aktien im Wert von bis zu 64 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 49,8 Milliarden Euro. Petrobras kündigte an, 1,59 Milliarden neue Vorzugsaktien und 2,17 Milliarden weitere Stammaktien feilzubieten. Ausgehend von dem Schlusskurs vom Donnerstag würde Petrobras mit dem Verkauf der Stammaktien etwa 30 Milliarden Euro einnehmen und mit dem der Vorzugsaktien 19,7 Milliarden Euro.
Sollte die Nachfrage nach den Aktien das Angebot deutlich übersteigen, könnte Petrobras nachträglich noch weitere Papiere verkaufen. Durch diese sogenannte Mehrzuteilungsoption könnte das Volumen der Transaktion sogar auf rund 58 Milliarden Euro anschwellen. Anleger begrüßten die Ankündigung: Petrobras-Aktien legten am Abend um mehr als zwei Prozent zu.
Mit dem Börsengang würde Petrobras sowohl den etwa 17 Milliarden Euro schweren Börsengang der Agricultural Bank of China als auch die 28,6 Milliarden Euro schwere Aktien-Offerte des japanischen Telekommunikationsunternehmens NTT aus dem Jahr 1987 übertreffen.
Der Börsengang ist für Petrobras von zentraler strategischer Bedeutung. Das Unternehmen soll Hunderte Milliarden Liter Öl aus der Tiefsee vor der Küste Brasiliens erschließen. Laut aktuellem Business-Plan will Petrobras bis 2014 gut 224 Milliarden Dollar in die Erkundung und Förderung neuer Tiefsee-Ölfelder investieren.
"Geschenk Gottes"
Auch für die aufstrebende Wirtschaftsmacht Brasilien ist der Börsengang äußerst wichtig. Hohe Unternehmensinvestitionen, eine steigende Industrieproduktion und ein kräftiger privater Konsum haben Lateinamerikas größte Volkswirtschaft im Frühjahr um 8,8 Prozent wachsen lassen. Durch die Tiefseeförderung von Petrobras will sich das Land zur neuen Wirtschaftsgroßmacht neben China und den USA aufschwingen. Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva nannte die Entdeckung der Tiefsee-Ölfelder, die Petrobras nun mit Hilfe der Börsengelder anzapfen will, ein "Geschenk Gottes".
Das überschüssige Öl will Brasilien exportieren und damit den eigenen Aufstieg finanzieren. Die Exporte würden Brasiliens Handelsbilanz deutlich verbessern - und mit dem Geld könnte das Wachstum in anderen Wirtschaftssektoren angekurbelt werden. Die Tiefseeförderung ist zudem eines der größten Konjunkturprogramme der Republik. Zahlreiche Industrien wie die Petrochemie, die Werftindustrie und Zulieferbetriebe sowie zahlreiche Dienstleister sollen einen gewaltigen Schub bekommen, Zehntausende Jobs sollen entstehen.
Gefährlicher Öldurst
Der Boom indes birgt auch Gefahren. Die Projekte, die Petrobras plant, sind noch viel riskanter als jene BP-Bohrungen im Golf von Mexiko, die zu dem verheerenden Unglück auf der Förderinsel "Deepwater Horizon" geführt haben. Der Konzern stößt bei der Erschließung des Pré-Sal-Gebiets in bislang unerschlossene Tiefen vor: Bis zu 2000 Meter unter dem Meeresspiegel will sich der Konzern durch eine kilometerdicke Salzschicht bohren, manche Vorkommen liegen 7000 Meter tief.
Petrobras selbst brüstet sich mit der "technologischen Revolution", die der Konzern schaffen werde. Experten dagegen sind besorgt. "In solcher Tiefe ist das Wasser extrem kalt, das Öl-Gas-Gemisch ist extrem heiß, und der Druck ist extrem hoch", sagte Steffen Bukold, Geschäftsführer von Energy Comment und Autor des Buchs "Öl im 21. Jahrhundert", Ende Juni SPIEGEL ONLINE. "Es gibt kaum Erfahrungswerte, was bei solchen Bohrungen passiert. Das Verhalten des Zements, die Stabilität der Fördertechnik, die Tücken der Geologie - alles wird hier zum Experiment." Bestenfalls verzögere sich die Förderung, da Materialien öfter ausgetauscht werden müssen als gewohnt - schlimmstenfalls drohe eine noch viel verheerendere Umweltkatastrophe als im Golf von Mexiko.
ssu/Reuters
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...das sich nun auch Brasilien so total auf den "american way" begeben hat. Von Umdenken keine Spur mehr. Ja, schönes Wochenende... mehr...
Kann ein Unternehmen seine Aktivitäten in so kurzer Zeit so dramatisch erweitern oder scheitert es am Ende an sich selbst, an seiner eigenen Fähigkeit den Qualitätsstandard zu halten? Jeder der sich einmal mit [...] mehr...
das tut doch nur weh wenn einer dagegen klagt (wie in USA). Wer soll schon sowas im Ernst vor der Kueste Brasilien's tun... es ist ja pero"BRAS" ... und da steckt der Brasilianische staat Dahinter. China zigt wi so was [...] mehr...
.....nichts mehr. Nutzen hin oder her, hoffentlich brennt bei denen die nächste "Horizon" ab, damit die auch in die Knie gezwungen werden. Anders scheint das doch irgendwie nicht zu laufen. Wobei BP gerae der [...] mehr...
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