Wirtschaft


  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
06.09.2010
 

Studie

Atombeschluss bringt Konzernen mindestens 50 Milliarden

Atomkraftwerke in Grohnde: Hohe zweistellige Milliardengewinne für die StromkonzerneZur Großansicht
REUTERS

Atomkraftwerke in Grohnde: Hohe zweistellige Milliardengewinne für die Stromkonzerne

Die deutschen Atomkraftwerke dürfen deutlich länger laufen - aber was heißt das für die Stromkonzerne? Massive Gewinne und nur moderate Abgaben: Das jedenfalls ergibt eine Rechnung des Öko-Instituts. SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Ergebnisse vor.

Hamburg - Die schwarz-gelbe Regierung hat sich geeinigt: Die deutschen Atomkraftwerke dürfen offiziell um 8 bis 14 Jahre länger laufen. Für die Konzerne bedeutet dies vor allem eines: Ihre Reststrommengen, die der rot-grüne Atomausstieg eigentlich vorsah, weiten sich deutlich aus. Laut einer Schnellanalyse des Öko-Instituts im Auftrag der Umweltschutzorganisation WWF nehmen die Stromkonzerne dadurch enorme Zusatzgewinne ein - und zwar im zweistelligen Milliardenbereich.

In die Rechnung sind drei Annahmen eingeflossen, die dem in der Nacht ausgehandelten Atomkompromiss der Regierung entsprechen:

  • Die Laufzeit wird um 8 beziehungsweise 14 Jahren verlängert, je nach Alter der Anlage.
  • Die Einführung einer Brennelementesteuer für die Jahre 2011 bis 2016. Der Steuersatz wird aber, im Vergleich zu den bisherigen Entwürfen, reduziert und beträgt nur 145 Euro pro Gramm Kernbrennstoff (statt 220 Euro pro Gramm, wie bisher angedacht).
  • Die Betreiber verpflichten sich zu freiwilligen Sonderzahlungen für die Jahre 2011 bis 2016 sowie zu ebenfalls freiwilligen Gewinnabführungsbeträgen ab 2017. Das Geld ist für Maßnahmen zur Energieeffizienz und für den Klimaschutz gedacht.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind:

  • Reststrommengen: Die zusätzliche Reststrommenge liegt bei rund 1860 Terawattstunden (1860 Milliarden Kilowattstunden). Das bedeutet eine Ausweitung der Reststrommenge, die den Unternehmen laut rot-grünem Atomausstieg ab dem 1. Januar 2010 noch zur Verfügung stand, um 170 Prozent. Das letzte Atomkraftwerk wird demnach im Jahr 2037 vom Netz gehen (siehe Grafik in der linken Spalte).
  • Zusätzliche Gewinne: Den Berechnungen zufolge können die Betreiber (auf Grundlage des Geldwertes von 2010) mehr als 57 Milliarden Euro zusätzliche Gewinne einstreichen - wenn der Strompreis konstant bleibt. Unter der realistischeren Annahme, dass der Strompreis moderat ansteigt, liegt das Plus weitaus höher, bei mehr als 94 Milliarden Euro. Die deutschen Atomkraftwerke werden mehrheitlich von E.on, RWE, EnBW und Vattenfall betrieben.
  • Profiteure: Größter Profiteur des Szenarios ist der Energiekonzern E.on. Bei konstanten Strompreisen würde E.on ab 2011 zusätzliche Gewinne von fast 25 Milliarden Euro machen, bei moderat steigenden Preisen sogar mehr als 40 Milliarden. Dem Konzern blieben unter dem Strich rund 14 Milliarden Euro (konstante Preise) oder bei steigenden Preisen sogar fast 30 Milliarden Euro. RWE behielte bei moderat steigenden Preisen rund 17,5 Milliarden Euro, EnBW 14,3 und Vattenfall knapp fünf Milliarden Euro.
  • Abschöpfung der Zusatzgewinne: Bei konstanten Strompreisen müssten die Erzeuger durchschnittlich 46 Prozent ihres Gewinnes abgeben - unter die Abschöpfung fallen die Brennelementesteuer, die freiwillige Abgabe und der Gewinnausgleich ab 2017. Steigt der Strompreis aber moderat an, reduziert sich die Abschöpfungsquote drastisch: auf nur noch 28 Prozent.

Die Berechnung des Öko-Instituts steht damit im Widerspruch zur Aussage von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), der am Montag noch betonte, die Betreiber müssten etwa die Hälfte ihrer zusätzlichen Gewinne abgeben. Der Liberale rühmte die Einigung auf einer Pressekonferenz als "das energiepolitisch anspruchsvollste Programm, das es bisher gegeben hat, nicht nur in Deutschland".

Dabei ist in der Rechnung noch nicht einmal berücksichtigt, dass die Meiler vermutlich länger als die offiziell angegebenen 8 bis 12 Jahre laufen werden. Faktisch dürften es im Durchschnitt 15 Jahre sein, weil die Regierung den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht ausreichend berücksichtigt.

Umweltverbände und Opposition kritisieren die Pläne der schwarz-gelben Regierung denn auch als unverantwortlich und als "Einknicken" gegenüber der Industrie. Für den Herbst planen Aktivisten Massenproteste. E.on pries die Atompläne der Regierung hingegen als "intelligent".

Zusatzprofite der AKW-Betreiber durch Laufzeitverlängerung und geplante Abführung der Zusatzprofite nach dem Verhandlungsergebnis vom 5. September 2010, real, bei konstanten Strompreisen (in Mio. Euro)
Zusatz-profite ab 2011 Kernbrenn-
stoffsteuer
2011/2016
Freiwillige
Zahlung
2011/2016
Gewinn-
ausgleich
ab 2017
Saldo für
AKW-Betreiber
Abschöp-
fung der
Zusatz-
profite
EnBW 12.012 -2.662 - -2.675 6.674 -
RWE 14.768 -3.391 - -3.345 8.033 -
E.ON 24.857 -5.171 - -5.330 14.356 -
Vattenfall Europe 4.120 -861 - -920 2.338 -
Andere 1.939 -375 - -508 1.056 -
Summe 57.696 -12.461 -1.313 -12.779 31.144 46%
Quelle: Berechnungen des Öko-Instituts
Zusatzprofite der AKW-Betreiber durch Laufzeitverlängerung und geplante Abführung der Zusatzprofite nach dem Verhandlungsergebnis vom 5. September 2010, real, bei moderat steigenden Strompreisen (in Mio. Euro)
Zusatz-profite ab 2011 Kernbrenn-
stoffsteuer
2011/2016
Freiwillige
Zahlung
2011/2016
Gewinn-
ausgleich
ab 2017
Saldo für
AKW-Betreiber
Abschöp-
fung der
Zusatz-
profite
EnBW 19.658 -2.662 - -2.675 14.321 -
RWE 24.233 -3.391 - -3.345 17.498 -
E.ON 40.266 -5.171 - -5.330 29.764 -
Vattenfall Europe 6.756 -861 - -920 4.974 -
Andere 3.374 -375 - -508 2.491 -
Summe 94.288 -12.461 -1.313 -12.779 67.736 28%
Quelle: Berechnungen des Öko-Instituts

ffr

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 5062 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
03.01.2011 von tempus fugit: Ja - wird noch ? Oder eher weitergewerkelt?

Aber von einer Inbetriebnahme hört/liest man aber seit geraumer Zeit nichts. Und in Italien wird geplant? Oder nur - wie so oft und viel - geschwätzt? Haben Sie wenigstens dazu 1 (einen) konkreten Hinweis? Wo? Bis [...] mehr...

03.01.2011 von Hugo Witkens:

Fein, ich warte auf Ihren Anruf. ---Zitat--- Aber auch Sie sollten wissen: Hühner gackern, Enten schnattern - Donald ist eine Ente. Vorschlag: Lassen wir es dabei. ---Zitatende--- O.K. Wo Sie Recht haben, haben Sie recht. [...] mehr...

03.01.2011 von Torfkopp: Braucht es ?

Ganz klar : Ja und Nein. Das hängt vom Standpunkt ab. Es wäre Stoff für einen SciFi-Roman, sich die Folgen vorzustellen, wenn jeder Häuslebauer dank Forschungsgeldern bspw. in Solarzellenentwicklung, in ein paar Jahren [...] mehr...

03.01.2011 von n+x:

Deswegen schrieb ich "Großteil". Ein Teil des Stroms kann für Kühlschrank und meinetwegen auch Geschirrspüler verwendet werden. Ja, denn damit sich so ein Gerät lohnt müssen die PV-Stromkosten noch weit unter Grit [...] mehr...

03.01.2011 von 21Pinto: genauere Zahlen?

1. Wie, glauben Sie, ist denn das zahlenmäßige Verhältnis von eigenen kleinen PV-Anlagen (= subventionierte Rendite für Besserverdienende mit eigener Immobilie) zu den "Bürgerkraftwerken"? 2. Glauben Sie, dass die [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema Merkels schwarz-gelbe Regierung

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke laut Studie des Öko-InstitutsZur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke laut Studie des Öko-Instituts


Vor-/Nachteile der Energieträger

Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.

Erdöl

Erdgas

Kohle

Atomenergie

Wasser

Wind

Sonne

Biomasse

Erdwärme






TOP



TOP