San Francisco/New York - Bei Hewlett-Packard
fürchtet man um die Betriebsgeheimnisse. Der frühere Unternehmenschef Mark Hurd könne seine neue Aufgabe bei der Firma Oracle
nicht meistern, ohne gegen eine Vertraulichkeitsvereinbarung zu verstoßen, glauben die Verantwortlichen bei dem IT-Konzern. Sie wollen Hurd deswegen den Wechsel zur Konkurrenz gerichtlich verbieten lassen.
In der Nacht zum Dienstag war bekannt geworden, dass der kürzlich ausgeschiedene HP-Chef künftig einer der beiden Präsidenten von Oracle sein wird und dort zugleich in den wichtigen Verwaltungsrat einzieht. Der 53-Jährige war Anfang August im Zuge einer Spesenaffäre überraschend zurückgetreten. Nach Angaben des "Wall Street Journal" ("WSJ") unterschrieb er eine Geheimhaltungserklärung, für die er ein stattliches Abfindungspaket im Wert von um die 35 Millionen Dollar bekam. Die Vereinbarung gilt demnach für zwei Jahre.
Laut Klageschrift, die auch im Internet einsehbar ist, verlangt HP eine Unterlassenserklärung vom ehemaligen CEO. Das Unternehmen glaubt demnach, dass Hurd zwangsweise sensibles Wissen aus seiner Zeit bei HP in seine neue Tätigkeit einbringen wird. Erst im März erhielt er zum Beispiel Einsicht in eine interne Studie ausgerechnet über den Wettbewerber Oracle.
Offenbar stößt man sich bei Hewlett-Packard auch daran, von der Verpflichtung Hurds erst über die Presse erfahren zu haben. Dass der Manager nicht zuvor seinen früheren Arbeitgeber informiert und damit Zweifel hinsichtlich der Vertraulichkeit zerstreut habe, sieht HP der Klage zufolge als deutliches Zeichen dafür an, dass er der Geheimhaltungserklärung nicht nachkommen könne und werde.
Eine solche Erklärung soll Hurd jetzt nachholen. Zudem soll das Gericht ihm jegliche Anstellung bei einem Wettbewerber untersagen, in der er Geschäftsgeheimnisse verraten könnte. Schadensersatz fordert HP ebenfalls - die Klage könnte also teuer für Hurd werden. Das "WSJ" zitiert einen Rechtsexperten, demzufolge ein Schadensersatz auf eine weit höhere Summe als der Abfindungsbetrag hinauslaufen könnte. Sollte ein Gericht die Vorwürfe von Hewlett-Packard als begründet ansehen, wäre das wenig verwunderlich, frei nach dem Motto: Wir haben dich für dein Stillschweigen bezahlt, du hast dich nicht dran gehalten, also gibt uns unser Geld zurück.
Oracle holte Hurd wegen seiner IT-Kenntnisse
Hurd soll bei Oracle Charles Phillips ersetzen, der das Unternehmen nach einer Reihe von Fehlschlägen auf eigenen Wunsch verlässt, wie das "WSJ" schreibt. Seine Mitpräsidentin ist Safra Catz. Die Firmenpräsidenten führen maßgeblich das Tagesgeschäft, aus dem sich 66-jährige Gründer und Konzernchef Larry Ellison weitgehend zurückgezogen hat. Ellison machte keinen Hehl daraus, dass er Hurd gerade wegen dessen Erfahrung bei Computern geholt hat. "Es gibt keine Führungskraft in der IT-Welt mit mehr einschlägiger Erfahrung als Mark", sagte er.
An der Börse sieht man das offenbar genauso: Die Oracle-Aktie sprang um 5,6 Prozent nach oben. Hurd hatte HP durch Zukäufe im hochprofitablen Servicegeschäft massiv vergrößert und damit das Unternehmen fast schadlos durch die Wirtschaftskrise gesteuert.
Die 51-seitige Klage, die nur wenige Stunden nach der Nachricht von Hurds Jobwechsel eingereicht wurde, veranschaulicht die zunehmende Rivalität zwischen den einstigen Partnern. Oracle ist nicht nur die Nummer zwei bei Unternehmenssoftware nach SAP
, sondern stößt in immer weitere IT-Bereiche vor. Spätestens seit der Übernahme des Server-Spezialisten Sun Microsystems
sind Oracle und HP direkte Konkurrenten. Das traditionell gute Verhältnis der Unternehmen wird durch die Personalie auf die Probe gestellt. Hurds Wissen um etwaige Schwachpunkte von HP könnte sich als Wettbewerbsvorteil für Oracle erweisen.
Chefambitionen? Rache?
Dass Hurd nach dem Ende bei HP ausgerechnet zu einem aufstrebenden Konkurrenten geht, riecht ganz nach einem kleinen Racheakt am ehemaligen Arbeitgeber, mutmaßen US-Analysten. Das Fachmagazin "Computerworld" etwa nennt die Entwicklung von Hurds Karriere eine "geradezu Shakespeare'sche Fabel von Niederlage, Wiederauferstehung und möglicherweise Rache". Und die "Washington Post" erklärt sich auf ähnliche Weise, wieso er eine Position angenommen hat, die deutlich unter seiner vorherigen liegt - ein für einen CEO seines Standes trotz des kleinen Skandals eher ungewöhnliches Vorgehen, wie die Zeitung schreibt.
Möglicherweise sei ihm in Aussicht gestellt worden, eines Tages die Nachfolge von Firmenchef Ellison anzutreten; tatsächlich rief Hurds Verpflichtung reihenweise solche Spekulationen hervor. Oder dem Manager stehe der Sinn ganz einfach wirklich nach Rache, heißt es in dem Bericht weiter. Wahrscheinlich sei jedoch eine Kombination dieser und weiterer Faktoren, die Hurd zu seiner Entscheidung motiviert hätten.
can/AP/dpa
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Das hat den Beigeschmack moderner Sklaverei, Angestellte gegen als Buchwert in das Firmenvermoegen ein. mehr...
die Machtgier bei diesen Leuten. Hurd hat gerade Usd 35 Mio kassiert und waehrend seiner Zeit in HP wohl auch noch das Dreifache an Gehalt un Boni kassiert. Da muss er doch nicht jetzt bei Oracle anfangen. Er koennte sich doch [...] mehr...
seine fachlichen Qualitäten in Ehren, aber wie kann der so die Bodenhaftung verlieren ? Sich mit 35 Millionen die Taschen vollstopfen und dann die lange Nase zeigen. Ganz zu schweigen von Spesenbetrug bei einem XX Mill [...] mehr...
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