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08.09.2010
 

Urteil

Telekom muss Aktionären 200 Millionen zahlen

Die Telekom-Firmenzentrale in Bonn: Nachzahlungen in MillionenhöheZur Großansicht
ddp

Die Telekom-Firmenzentrale in Bonn: Nachzahlungen in Millionenhöhe

Die Telekom muss früheren Aktionären ihrer Tochter T-Online Millionen zahlen. Die Anleger bekommen je 1,15 Euro für 120 Millionen zu niedrig bewerteter Anteilsscheine.

Frankfurt am Main - Insgesamt 200 Millionen Euro soll die Deutschen Telekom Chart zeigenfrüheren T-Online Aktionären zurückzahlen: Das entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Mittwoch. Das Gericht verpflichtete den Konzern zu einer Zahlung von 1,15 Euro für jede der 120 Millionen eingesammelten T-Online-Aktien. Der Konzern hatte gegen ein gleichlautendes Urteil von 2009 in erster Instanz Beschwerde eingelegt und war damit gescheitert.

Die Telekom hatte die Online-Tochter im Jahr 2000 an die Börse gebracht. Sechs Jahre später hatte es die beim Konzern verbliebene Aktien-Mehrheit dazu benutzt, die T-Online AG zurückzuholen - gegen den Willen vieler Kleinaktionäre.

Zum Ausgleich sollten die verbliebenen Anteilseigner Telekom-Aktien zu einem festen Umtauschverhältnis erhalten. Für ein T-Online-Papier sollten die Anleger 0,52 Telekom-Aktien bekommen. Das entsprach zu damaligen Kursen einem Wert von 8,22 Euro. Zuvor hatte der frühere Staatsmonopolist den Aktionären 8,99 Euro pro Anteil angeboten.

Die Gerichte fanden das Umtauschverhältnis zu niedrig und ermittelten einen Bar-Zuschlag von 1,15 Euro, der sich für alle Aktien plus Zinsen und Anwaltskosten auf einen Gesamtbetrag von rund 200 Millionen Euro summiert. Ein Telekomsprecher bestätigte diese Zahl. Einen Einfluss auf die Unternehmensziele habe die Zahlung jedoch nicht. Bei der Verschmelzung beider Unternehmen habe sich die Telekom an Gesetz und damals gängige Bewertungsregeln zur künftigen Ertragskraft gehalten.

Der Anwalt der Anleger Peter Dreier sah in dem Urteil ein Grund zur Freude: "Die Entscheidung des OLG Frankfurt ist ein Sieg für die ehemaligen Minderheitsaktionäre der T-Online AG." Leider könne man diesen Sieg nur mit Sekt anstatt mit Champagner begießen, da man von höheren Nachzahlung ausgegangen war. Er hatte mit 5,25 Euro pro Aktie fast den fünffachen Satz verlangt. Er kündigte deshalb umgehend eine Verfassungsbeschwerde an.

Insgesamt hatten fast 60 Aktionäre, Aktionärsgruppen und Anlegerschützer geklagt. Trotz der Nachzahlung haben die Anleger hohe Verluste gemacht, da der Erstausgabepreis der Anteile bei 27 Euro gelegen hatte.

kim/dpa

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Die Deutsche Telekom AG ist Europas größtes Telekommunikationsunternehmen. Weltweit betreut sie fast 200 Millionen Kunden in rund 50 Ländern und beschäftigt etwa 260.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen mit Sitz in Bonn entstand 1995 aus den Bereichen für Telekommunikation und Fernmeldedienst der öffentlich-rechtlichen Deutschen Bundespost, als diese privatisiert wurde. 1996 ging die Telekom an die Börse. Im Sommer 2010 hielt die Bundesrepublik rund 15 Prozent der Aktien direkt und weitere knapp 17 Prozent indirekt über die KfW Bankengruppe. 2009 hatte die Telekom einen Umsatz von knapp 65 Milliarden Euro.

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