20. November 2009, 06:32 Uhr

Strafanzeige

Deutscher Bank droht ein Anlegeraufstand

Von Anne Seith, Frankfurt am Main

Es war eine schlechte Wette auf den Tod: Die Deutsche Bank hatte zwei Fonds aufgelegt, die US-Lebensversicherungen kauften und dann auf das Ableben der Inhaber warteten - ein Megaflop. Jetzt wurde Strafanzeige gestellt, die Anleger fühlen sich getäuscht.

Gerhard Strate hat schon einiges gesehen. Doch die Geschichte um die Kompass Life Fonds 1 und 2, die die Deutsche Bank 2005 auflegte, findet selbst der renommierte Hamburger Rechtsanwalt "unglaublich" und "absurd". Die geschlossenen Fonds kauften Lebensversicherungen in den USA ein, die die eigentlichen Inhaber loswerden wollten. Stirbt der ursprüngliche Police-Nehmer, geht die Auszahlungssumme an die Fonds, lautete das Kalkül dahinter.

Rund eine halbe Milliarde Euro sammelte die Deutsche Bank für das makabere Geschäft bei Kunden ein. Doch die Anlage wurde zum Megaflop. Bis heute gab es keine einzige Ausschüttung, zum Schluss bangten die Anleger um ihre gesamten Einlagen.

Rechtsanwalt Strate hat nun im Namen eines Investors Strafanzeige bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft gestellt. Ein Münchner Anwalt kündigt außerdem eine Strafanzeige für kommende Woche an, hinter der wohl mehrere Dutzend Mandanten stehen. Er bereitet auch Schadenersatzklagen für Anleger vor.

"Anleger sind wissentlich getäuscht worden"

Es bestehe der Verdacht, "dass von Vorneherein unter keinen realistischen Annahmen die versprochenen Ausschüttungen realisierbar waren", argumentiert Strate in seinem Schreiben an die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Zudem sei zu vermuten, dass Anleger, die in beide Fonds investierten über einen wichtigen Sachverhalt nicht aufgeklärt wurden: Dass beide Fonds in weiten Teilen in die gleichen Policen investieren würden und "damit praktisch keine Risikostreuung möglich war". Es könnte sich deshalb um Betrug oder zumindest Untreue handeln. "Das herauszufinden ist dann Aufgabe des Staatsanwaltes", sagt Strate.

Der Rechtsanwalt Karl-Georg von Ferber, der eine Anleger-Vereinigung vertritt, verweist auf den Jahresbericht des db Kompass Life I für 2006. Darin sind die gekauften Versicherungen genau aufgelistet. Nur für zwei der Assekuranzen war eine wahrscheinliche Laufzeit unter vier Jahren berechnet worden. Viele sollten den Berechnungen zufolge sogar erst nach zehn Jahren fällig werden. Im gleichen Prospekt wurde den Anlegern jedoch eine Rendite von 7,25 Prozent pro Jahr und bereits für 2007 saftige Auszahlungen in Aussicht gestellt. "Meines Erachtens sind die Anleger wissentlich getäuscht worden", sagt Ferber.

"Aktuelle Situation immer korrekt wiedergegeben"

Die Deutsche Bank will zu der Anzeige nicht Stellung nehmen. Das Geldhaus hatte die schlechte Entwicklung der Fonds jüngst mit der gestiegenen Lebenserwartung der Amerikaner begründet. Es seien deshalb "weniger Policen fällig geworden als erwartet", schrieb sie an die Anleger. Die entsprechenden Sterbetafeln von Experten, auf deren Basis die Banker ihre Fonds zusammen bastelten, hätten sich seit 2005 geändert, so die Begründung der Bank.

Ein Deutsche-Bank-Sprecher wies damals den Vorwurf der Täuschung entschieden zurück. Die Bank habe "in den Geschäftsberichten der Fonds die aktuelle Situation immer korrekt wiedergegeben". Die prognostizierten Lebenserwartungen könnten nicht als "absolute Zahlen" für die Berechnung der Cashflow-Situation hergenommen werden. Stattdessen hätten die Banker auch die Wahrscheinlichkeit früherer oder späterer Tode mit berechnet.

Den wütenden Investoren unterbreitete das Geldhaus kürzlich trotzdem ein Angebot - aus Kulanz, wie es hieß. Für 80 Prozent ihrer Ursprungsinvestition können sie sofort aus den Fonds aussteigen, in denen ihre Gelder eigentlich bis 2015 fest liegen. Die Entscheidungsfrist läuft in wenigen Tagen ab. Doch der Anleger, den Strate vertritt, will das Institut "nicht so billig davonkommen lassen".


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