Internetmilliardär: 1&1-Gründer kritisiert Googles Steuertricks

"Es ist nicht fair, dass sich Weltkonzerne wie Apple und Google in Europa arm rechnen": Der 1&1-Gründer und Internet-Milliardär Ralph Dommermuth kritisiert im SPIEGEL die Steuertricks der Branchenriesen. Er fordert die Bundesregierung auf, Maßnahmen dagegen zu ergreifen.

United-Internet-Chef Dommermuth: "Google wird für Spende an Uni gefeiert" Zur Großansicht
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United-Internet-Chef Dommermuth: "Google wird für Spende an Uni gefeiert"

Hamburg - Ralph Dommermuth, Gründer, Vorstandschef und Großaktionär des Internetkonzerns United Internet aus Montabaur, kritisiert das Gebaren amerikanischer Konzerne wie Facebook und Google, in Europa ihre Gewinne so lange hin und her zu schieben, bis kaum eine Steuerschuld übrig bleibt: "In Großbritannien beschäftigt sich schon das Parlament mit den steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten dieser multinationalen Firmen. Das würde ich mir auch in Deutschland wünschen", sagte Dommermuth dem SPIEGEL.

"Als Google vor rund einem Jahr mit fünf Millionen Euro eine Berliner Uni sponserte, wurde der Konzern gefeiert. Wir zahlen diese fünf Millionen als Steuern jede dritte Woche aufs Neue. Darüber spricht kein Mensch." Es sei schlicht "nicht fair, dass sich manche Weltkonzerne wie Apple oder Google in Europa arm rechnen".

Hintergrund der extrem niedrigen Steuerabgaben von US-Konzernen in Europa sind legale Buchhaltungstricks - unter Steuerplanern bekannt als "Schachtelbeteiligung" oder "Rundreisen". Dabei verschieben internationale Konzerne ihre Profite in Länder mit niedrigen Steuersätzen und kombinieren unterschiedliche Steuervorteile der einzelnen Staaten. Apple nutzt etwa ein Steuermodell namens "Double Irish with a Dutch Sandwich". Dabei wird Geld über zwei irische Tochtergesellschaften und eine Firma in den Niederlanden in die Karibik transferiert.

Kritik übte Dommermuth auch an der Deutschen Telekom, zugleich Partner und Konkurrent seines Unternehmens. Grund: Der Bonner Konzern beherrscht die sogenannte "letzte Meile" der Anschlüsse zu den Kunden. Entsprechend "überschaubar" sei das Interesse der Telekom, die Kunden ihrer Konkurrenten schnell zu bedienen.

"Der Klassiker ist, dass Leute zu einem Wettbewerber wechseln wollen oder umziehen und ein Telekom-Techniker den Anschluss schalten muss", so Dommermuth zum SPIEGEL. "Nur leider finden einige dieser Techniker-Einsätze schlicht nicht statt. Die Kunden warten, nehmen sich oft extra frei, niemand kommt. Da wäre ich auch genervt."

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insgesamt 50 Beiträge
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1. Tricks?
hxk 03.02.2013
Zitat von sysopDPA"Es ist nicht fair, dass sich Weltkonzerne wie Apple und Google in Europa arm rechnen": Der 1&1-Gründer und Internet-Milliardär Ralph Dommermuth kritisiert im SPIEGEL die Steuertricks der Branchenriesen. Er fordert die Bundesregierung auf, Maßnahmen dagegen zu ergreifen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/1-1-gruender-dommermuth-kritisiert-googles-steuertricks-a-881189.html
Wenn mir die geltenden Gesetze die Möglichkeit geben, meine Steuerlast zu senken, dann mache ich das auch. Manager von Aktiengesellschaften müssen es sogar tun, wenn sie nicht Besuch vom Staatsanwalt bekommen wollen. Stichwort: Untreue
2. wünschenswert wären konkrete Vorschläge
gruenewiesen 03.02.2013
allerdings auf einer Ebene darüber um die Steuerproblematik nicht noch komplizierter zu machen als sie eh schon ist. Denn neue Regeln hinzuzufügen ist zu einfach um langfristig etwas zu verbessern.
3. mit kalter Steuerprogression - also der Blödheit von mir
josefsson 03.02.2013
und der anderen braven Steuerzahler - ist allemal leichter Geld zu bekommen, als mit der fairen Besteuerung von Firmengiganten. Warum EBAY die Mehrwertsteuer in Luxemburg abdrückt die sie in D einnehmen wird wohl nur Junker wissen (Chef des reichsten Landes in EU - kennen Sie ein Produkt aus L abgesehen vom Steuersparmodell?). Deutsche Politiker haben das noch nicht gemerkt.
4. Pro Telecom
Minette 03.02.2013
Sehr geehrter Herr Dommermuth, Sie regen sich ueber google auf..... Jeder kehre vor seiner Tuer. Wer sich hier bereichert sind Sie!!! So etwas wie mit Ihrer 1&1 Betrueger Firma agieren, sollten Sie ganz ganz leise sein. Wir haben mehrfach eine Klage nur unterlassen, da wir generell nicht gern vor Gericht ziehen. Derart unserioese Geschaeftspraktiken und Geldschneidereien haben wir nur bei Ihrer Firma erlebt. Pfui Teufel. Und man kommt aus 1&1 auch nicht raus, man muss zahlen und zahlen - Katastrophe. Also nicht immer ueber andere meckern, sondern selber sauber sein nach dem guten alten Kaufmannsprinzip!
5. Titellos
UnitedEurope 03.02.2013
Recht hat er. Google und Co. werden als junge, hippe Unternehmen wahrgenommen, denen es um das Lifestyle und Innovationsgefühl ganzer Generationen geht. Dass dazu zwar legale, aber höchst anrüchige Steuertricks angewandt werden und massenhaft Daten heimlich gesammelt werden (von den miserablen Produktionsbedinungen der großen Konzerne ganz zu schweigen) wird dabei gern vergessen oder unter den Teppich gekehrt. Es passt nicht in das Bild eines Konzernes, der angeblich nur das Gute im Sinn hat:Don't be evil, von wegen.
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